BKW gerät im Poker um das Stromnetz unter Druck

Sechs Westschweizer Kantone zocken mit der Berner BKW um Anteile am nationalen Stromnetz. Nun bauen die Romands Druck auf via Öffentlichkeit – und versuchen die BKW in die Knie zu zwingen.

Verteilkampf um das Schweizer Stromnetz: Die BKW und die Romandie wollen das gleiche Aktienpaket.

Verteilkampf um das Schweizer Stromnetz: Die BKW und die Romandie wollen das gleiche Aktienpaket.

(Bild: Keystone)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

All in – so sagt man im Poker, wenn ein Spieler alles auf eine Karte setzt. Genau das haben die Westschweizer Kantone am Freitag im Wettstreit mit dem Berner Energiekonzern BKW getan. Beide Parteien wollen die frei werdenden Aktien an der Netzgesellschaft Swissgrid kaufen, wie diese Zeitung vergangene Woche publik gemacht hat. Das zum Verkauf stehende Aktienpaket gehört dem Stromkonzern Alpiq, es umfasst 15 Prozent des Übertragungsnetzes und hat einen Wert von 150 Millionen Franken.

Die Kantone Waadt, Neuenburg, Wallis, Freiburg, Genf und Jura haben am Freitag die nationalen Medien nach Lausanne geladen und ihre Geldgeber präsentiert, die sich in einer Investitionsgesellschaft Namens Sireso zusammen schliessen. Diese besteht zu 82 Prozent aus kantonalen Einrichtungen und Pensionskassen sowie zu 18 Prozent aus Elektrizitätsunternehmen. Vertreten sind unter anderen die Pensionskassen der Kantone Waadt oder Freiburg sowie die Energiekonzerne Groupe E und die Romande Energie Holding.

Das Kuchenstück behalten

Ihr Ziel ist es, den Druck via Öffentlichkeit zu erhöhen und die BKW in die Knie zu zwingen. «Wir machen Druck, weil es um den Zugang der Westschweiz zum Stromnetz geht», sagt die Waadtländer FDP-Staatsrätin Jacqueline de Quattro, die Wortführerin der Romands. «Wir kämpfen nicht um ein grösseres Stück am Kuchen.

Wir wollen, dass unser Kuchenstück gleich bleibt.» Die Westschweizer sind dezeit über ihre Beteiligung an der Alpiq mit 30 Prozent am Stromnetz beteiligt. Ohne die Swissgrid-Aktien würde ihr Anteil auf 1 Prozent schrumpfen.

Die BKW denkt nach

In diesem Poker prallen politische Interessen aus der Romandie auf wirtschaftliche Interessen seitens der BKW. Die BKW hat nun bis Ende Jahr Zeit, um ihr Vorkaufsrecht zu nutzen. Der Druck aus der Westschweiz zeigt aber bereits Wirkung: Letzte Woche hat BKW-Sprecher Tobias Fässler noch gesagt: «Grundsätzlich sind Investitionen in Swissgrid-Aktien heute attraktiv.»

Seit Freitag lautet die BKW-Sprachregelung: «Der Verkauf der verbleibenden Swissgrid-Anteile von Alpiq an ein Westschweizer Konsortium war angekündigt. Die BKW wird prüfen, ob ihre Aktionärsrechte durch die geplante Transaktion gewahrt werden.»

Berner Zeitung

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