BKW bietet und bewertet bei eigener Ausschreibung mit

Die BKW nimmt bei einem Wasserkraftwerk-Neubau im Wallis eine seltsame Doppelrolle ein: Sie reicht eine Offerte für eine Ausschreibung ein, die sie selbst verfasst hat. Auch die Bewertung sämtlicher Offerten übernimmt die BKW.

Die BKW agiert bei Projekt «Färdabach» in einer kuriosen Doppelrolle.

Die BKW agiert bei Projekt «Färdabach» in einer kuriosen Doppelrolle. Bild: Keystone

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Die BKW hat für den Neubau des Wasserkaftwerks «Färdabach» die Ausschreibung verfasst und jetzt selbst eine Offerte eingereicht. Das schreibt der «Bund» am Samstag.

Ort des Geschehens seien die zwei Walliser Gemeinden Ferden und Kippel im Lötschental. 2008 wurde die «Kraftwerke Färdabach AG» gegründet, damit das Wasserkraftwerk gebaut werden kann. Bis vor kurzem sei auch die BKW mit 34 Prozent an der Gesellschaft beteiligt gewesen. Ihre Aktien habe sie letzten April den beiden Gemeinden verkauft.

Die Kraftwerke Färdabach AG habe die BKW beauftragt, den Bau des Kraftwerks öffentlich auszuschreiben, schreibt der «Bund». Hierzu erstellte die BKW ein Pflichtenheft und Vergabekriterien, die festhalten, nach welchen Punkten die unterschiedlichen Offerten bewertet werden. Anschliessend schrieb die BKW das Projekt öffentlich aus.

Diese Ausschreibung enthielt eine brisante Passage. Damit ermöglichte es sich die BKW, selber eine Offerte für den Bau des Kraftwerks einzureichen: «Die BKW Energie AG ist berechtigt, bei der vorliegenden Ausschreibung allein oder innerhalb einer Bietergemeinschaft mit anzubieten», heisst es auf Seite 7 des Dokuments. Die BKW konnte also eine Offerte für die eigene Ausschreibung einreichen, und das tat sie auch.

Wer den Zuschlag für den Bau des Kraftwerks erhält, ist gemäss «Bund» noch nicht entschieden. Derzeit würden die Offerten evaluiert, schreibt die BKW. Die Auswertung der Offerten übernimmt ebenfalls der Stromkonzern selbst.

Empfehlung durch Dritten

Eigentlich hätte der Auftrag der Bauherrschaft an die BKW sogar noch vorgesehen, dass das Unternehmen anschliessend eine Empfehlung abgibt, welche Offerte die Beste sei. Doch hier waren sich Auftraggeber und Stromkonzern offensichtlich der Brisanz der Konstellation bewusst.

«Um möglichen Interessenkonflikten vorzubeugen» hätten BKW und die Kraftwerke Färdabach AG beschlossen, dass die BKW keine Vergabeempfehlung abgeben werde, schreibt der Stromkonzern. Stattdessen werde die Kraftwerke Färdabach AG dafür einen unabhängigen Dritten beauftragen.

«Die BKW konnte die Ausschreibung so verfassen, dass sie perfekt auf sie selbst zugeschnitten ist. Unsauberer geht es nicht», kritisiert Thomas Balmer, Ingenieur und Präsident des Gewerbeverbandes KMU Stadt Bern, gegenüber dem «Bund».

Martin Beyeler, Rechtsprofessor an der Universität Freiburg, möchte sich nicht zum konkreten Einzelfall äussern. Grundsätzlich sei es aber heikel, wenn ein potenzieller Anbieter im Vorfeld einer Ausschreibung tätig werde. Es müsse überprüft werden, ob ein Wettbewerbsvorteil entstanden sei.

Als sehr problematisch beurteile Beyeler eine Konstellation, in der eine Anbieterin die Offerten bewertet – auch wenn diese Bewertung durch einen Externen überprüft wird. «Anbieten und im gleichen Verfahren für die Vergabestelle tätig zu sein, geht nicht», so Beyeler gegenüber dem «Bund». (ngg)

Erstellt: 20.05.2017, 10:40 Uhr

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