Apples radikale Designentscheide

Die Produktentwickler bei Apple sind nicht zimperlich: Halten sie eine Technik für überholt, werfen sie sie über Bord. Auch, wenn viele Nutzer sie noch benötigen. Mit dem iPhone 7 muss nun der Miniklinkenstecker dran glauben.

Mathias Born@thisss

Die erste Meldung schreckte auf: Apple verzichtet beim iPhone 7 auf die bewährte Kopfhörer- und Mikrofonbuchse. Viele Leute sorgten sich daraufhin: Was geschieht mit dem jüngst gekauften Kopfhörer oder dem Spezialmi­krofon? Und wie soll das neue Smartphone an die alte Stereoanlage angeschlossen werden?

Viele machten sich aufs Schlimmste beziehungsweise auf Zusatzinvestitionen gefasst – genau wie in früheren Fällen auch: Ab dem Jahr 2008 etwa verkaufte Apple mit dem Macbook Air einen Laptop ohne DVD-Laufwerk – in einer Zeit, in der viele Leute noch keinen schnellen Internetzugang abonniert hatten und das Online-Filmangebot dürftig war.

Im Jahr 2012 lieferte Apple das Macbook Pro mit Retinadisplay ohne Ethernetanschluss aus – in einer Zeit, in der Drahtlosnetze an Grossanlässen selten funktionierten. Besonders viel zu diskutieren gab das Macbook von 2015, das lediglich über einen einzigen Anschluss verfügt: eine USB-C-Buchse, an der keine älteren Geräte angestöpselt werden können und die zugleich zum Laden des Notebooks dient.

Apple hat dazugelernt

Mit den neuen iPhones 7 und 7 Plus muss nun also der Miniklinkenstecker dran glauben. Doch dieses Mal war man sich bei Apple der Auswirkungen des Entscheides offenbar sehr wohl bewusst. Deshalb liegt den beiden Geräten, die seit Freitag im Handel erhältlich sind, zusätzlich zu den Ohrstöpseln mit Lightninganschluss ein Miniklinkenadapter bei. Grösster Nachteil: Wer laden und via Stereoanlage Musik hören will, muss sich mit dem Dock behelfen, das Apple feilbietet.

Vor zwei Jahren hat Apple die Firma Beats übernommen. Durch den Verzicht auf die Miniklinkenbuchse wolle der Konzern den Absatz der Beats-Kopfhörer ankurbeln, monieren Kritiker. Bei Apple hingegen führt man andere Gründe an: Zum einen benötige die Buchse Platz, der sich sinnvoller nutzen lasse.

Zudem seien drahtlose Kopfhörer zukunftsweisend und praktisch – vorab für Leute, die diese beim Sporttreiben nutzen. Drahtlose «Ear Pods», die mit einigen Zusatzfunktionen auftrumpfen sollen, will Apple Ende Oktober auf den Markt bringen.

Fotoqualität wird besser

Das iPhone 7 gleicht stark dem Vormodell. Der grösste Pluspunkt ist die Kamera: Diese verfügt über einen Bildstabilisator sowie über eine grosse Blende (f/1.8), sodass auch bei schlechten Lichtverhältnissen ansprechende Bilder gelingen sollten.

Das grössere iPhone 7 Plus, das schon bislang über einen Bildstabilisator verfügte, wird mit einer zweiten Kamera aufgepeppt. Während die erste mit einem Weitwinkelobjektiv ausgestattet ist, hat die zweite eine Minitelelinse. Die beiden Bilder werden zusammengerechnet, sodass Objekte ohne grossen Qualitätsverlust vergrössert werden können.

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Durch eine Programmaktualisierung noch in diesem Jahr sollen sich Porträts dank der zwei Kameras zudem mit einem Schärfetiefe-Effekt versehen lassen, wie er bislang Spiegelreflex- und Systemkameras vorbehalten ist.

Weiter bietet das iPhone 7 einen besseren und leistungseffizienteren Prozessor mit vier Kernen und einen effizienteren Grafikprozessor. An eine weitere Designneuerung muss man sich gewöhnen: Statt eines richtigen Knopfs gibts unten nur noch einen virtuellen.

Berührt man diesen, simuliert das Gerät ein Klicken. Nicht zuletzt dank des Verzichts auf einen richtigen Knopf und auf die Miniklinkenbuchse ist das iPhone neu gut gegen Spritzwasser geschützt.

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