Amerikaner wollen Zürcher Taximarkt aufmischen

Porträt

Das Start-up Uber ist kein klassisches Taxiunternehmen. Und doch stellt es die Branche weltweit mit seinem Dienst auf den Kopf. Nun nehmen die Amerikaner Zürich ins Visier.

US-Start-up macht Taxis Konkurrenz: Uber-Fahrer in New York. Bild: adi

US-Start-up macht Taxis Konkurrenz: Uber-Fahrer in New York. Bild: adi

Wer morgens um 2 Uhr in San Francisco ein Taxi braucht, der muss Geduld haben. Lange Wartezeiten sind keine Seltenheit. Und hat man dann endlich eines, ist alles möglich. Nicht selten trifft man einen launischen Chauffeur, der einem die Fahrt verweigert. Entweder passt ihm die Zahlungsart oder die Strecke nicht.

Seit 2010 macht in der Westküstenmetropole ein Start-up den Taxis Konkurrenz. Die Firma heisst Uber und wirbt mit dem Slogan «Everyone's Private Driver». Es ist ein Fahrdienstservice, der über eine App funktioniert. Und das geht so: Auf Knopfdruck fordert ein Gast den Dienst an. Die App erkennt den Standort, ein Fahrzeug kommt, nimmt den Gast auf, bringt ihn zum gewünschten Ziel, und bezahlt wird nicht mit Bargeld, abgerechnet wird via App, also via Kreditkarte.

Im Fokus steht die Limmatstadt

Offenbar hat Uber den Geist der Zeit getroffen, denn inzwischen wächst das Unternehmen weltweit. Und nun wollen die Amerikaner mit ihrer Geschäftsidee auch den Zürcher Markt aufmischen. Provisorisch hat man sich in Büros an der Zentralstrasse eingemietet und ist seit Wochen mit einem Testbetrieb unterwegs. Auf dem Firmenblogheisst es zum Engagement in der Schweiz: «Grab your alphorns and Swiss-precision timepieces, Zurichers – secret Ubers are arriving now in Europe's finest lakeside city!» Auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnetz will sich das Zürcher Management noch nicht im Detail äussern. Man verweist auf eine Pressekonferenz und eine grössere Bekanntmachung am 25. Juli.

Bequemer Service mit App

Kommt Uber tatsächlich in die Schweiz, könnte das den Zürcher Taximarkt durchaus in Bewegung bringen. In den letzten Monaten hat Uber weltweit eine beeindruckende Expansion hingelegt. Erst kürzlich kamen US-Investoren zum Schluss, dass Uber vielleicht die am schnellsten wachsende Firma der Welt sei. Allein in San Francisco konnte Uber seit Juni 2010 bereits Zehntausende Fahrten mit Hunderten beteiligten Autos an Kunden vermitteln. In den USA, Europa und Asien werden laufend Städte neu erschlossen.

Zum System Uber: Das Start-up selbst besitzt keine Autos. Vielmehr können selbstständige Chauffeure oder Limousinenservices mit Uber zusammenarbeiten und ihre Auslastung mit der App verbessern. Das Start-up rüstet jedes Auto seiner Dienstleisterflotte mit einem Smartphone und einer Software aus, um Fahraufträge zu bearbeiten. Offen bleibt, mit welchen Partnern Uber in der Schweiz zusammenarbeitet.

Was denken Zürcher über ihre Taxis? Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat auf der Strasse nachgefragt. (Umfrage: Lorenz von Meiss)

Für das junge kalifornische Unternehmen sind in der Regel schwarze Limousinen unterwegs. Die Macher wollen sich bewusst von herkömmlichen Taxis unterscheiden. Der Service – der Autor hat ihn in San Francisco regelmässig in Anspruch genommen – ist im Premiumbereich angesiedelt.

20 Prozent teurer

Das Angebot ist allerdings teuer. In San Francisco sind die Preise 20 Prozent höher als bei offiziellen Taxis. Doch wie das Uber-Management im Gespräch mit Bernerzeitung.ch/Newsnetz in San Francisco sagte, seien viele Fahrgäste bereit, mehr für einen – laut eigenen Angaben besseren Service – zu bezahlen. Uber verrechnet eine Grundgebühr zuzüglich eines Betrags je nach Distanz und Geschwindigkeit des Transports. Der Minimalumsatz in den USA liegt pro Kunde je Fahrt bei ungefähr 15 Dollar.

Die neue Konkurrenz aus dem Silicon Valley sorgt für Wirbel. Taxiunternehmen weltweit gehen gegen Uber vor und versuchen gar juristisch die Firma zu bekämpfen. Offenbar kam es bereits zu mehreren Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften. Laut eigenen Angaben hat man bisher keine Niederlage einstecken müssen. Selbst in Washington nicht, wo der Stadtrat einen Gesetzeszusatz geplant hatte, wonach die Firma pro Fahrt einen Mindestpreis hätte verlangen sollen, der fünfmal so hoch ist wie derjenige von normalen Taxis. Durch einen breiten Social-Media-Protest konnte sich Uber der geplanten Regulierung entziehen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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