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«60 Prozent sind affin zu Nachhaltigkeits-Fragen»

Weltweit setzen sich tausend Firmen für nachhaltige Produktionen ein – 46 davon in der Schweiz. Die Konsumenten sind in einem Zwiespalt: Fair hergestellt oder billig. Bei den meisten gewinnt am Ende noch der Preis.

Der Apple-Lieferant Foxonn ist bekannt für seine schlechten Arbeitsbedingungen: Mitarbeiter des Technologieunternehmens.
Der Apple-Lieferant Foxonn ist bekannt für seine schlechten Arbeitsbedingungen: Mitarbeiter des Technologieunternehmens.
AFP

Die Schweizer Konsumenten kennen die Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen in Asien. In der Privatwirtschaft intensivieren sich die Bemühungen, den Kunden «fair» hergestellte Produkte zu verkaufen. Widerstände zu überwinden gibt es bei grossen Multis, im Rohstoffhandel, aber auch bei den Konsumenten selber.

Der Apple-Lieferant Foxconn in China oder der indische Lieferant von Schweizer Zivilschutzuniformen sind berüchtigt für schlechte Arbeitsbedingungen. Exemplarisch sind die beiden Fälle bedingt: Je nach Land und Branche ist die Lage in den asiatischen Ländern aber unterschiedlich, wie Jürg von Niederhäusern sagt.

Von Niederhäusern ist beim Migros-Genossenschaftsbund für den Bereich Social Compliance zuständig und leitet seit 1. Februar die Schweizer Kontaktgruppe der Business Social Compliance Initiative (BSCI). Die Organisation umfasst 46 Unternehmen der Schweizer Privatwirtschaft und soll bis Ende Jahr auf 50 Mitglieder anwachsen. Weltweit sind in Kürze 1000 Unternehmen Mitglied.

Standards ausgearbeitet

Teilnehmer in der Schweiz sind neben Migros und Coop zum Beispiel der Sportartikelvermarkter Intersport, der Badausstatter Spirella oder die Bekleidungsketten PKZ, Schild und Charles Vögele.

BSCI hat Standards ausgearbeitet, die sich an den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO sowie den Menschenrechts- und Kinderschutzdeklarationen der UNO orientieren. Zu den Bemühungen der Organisation gehören die Information und Sensibilisierung über diese Regeln, aber auch deren Durchsetzung vor Ort in den riskanten Produktionsländern.

Zweischneidiger Konsum

Die Rolle des Schweizer Konsumenten in Fragen der Nachhaltigkeit beschreibt von Niederhäusern als zweischneidig: «60 Prozent sind affin zu Fragen der Nachhaltigkeit. Der effektive Kaufentscheid ist dann aber doch häufig vom Preis abhängig», sagt er.

Auch Marken- und Lifestyle-Bewusstsein könne dazu führen, dass Betrachtungen zu den Herstellungsbedingungen in den Hintergrund rückten. Ein Paradebeispiel sind die Apple-Produkte und die Faszination, die der amerikanische IT-Gigant auf viele Konsumenten ausstrahlt, obwohl die Arbeitsbedingungen beim Lieferanten Foxconn breit durch die Medien gehen.

Der Wille, sich über die Herstellungsbedingungen von Konsumgütern zu informieren, sei zudem nicht immer ausgeprägt: «Der Konsument nimmt an, das Produkt sei schon Ordnung und fragt nicht weiter.» Generell seien die Fortschritte, wie BSCI sie beobachtet, bei Textilprodukten grosse, bei Lebensmitteln steht die Umsetzung noch am Anfang.

Sensibilisierung

Die Rolle von BSCI bestehe in einem ersten Schritt darin, die Firmen vor Ort mittels Schulungen und Workshops zu sensibilisieren. «Vielfach sind die Gesetze in den Ländern gut, aber sie werden oft nicht durchgesetzt», stellt von Niederhäusern fest. BSCI führt jährlich mehrere Dutzend Workshops durch, um in den Ländern den richtigen Weg aufzuzeigen.

Ohne Kontrollen und Nachkontrollen geht aber nichts: «2011 führten wir in China 3550 so genannte Audits durch. 56 Prozent der Unternehmen erfüllten die Standards, 20 Prozent erfüllten sie teilweise und 24 Prozent erfüllten sie nicht.» In Indien seien die Erfahrungen ähnlich gewesen. Pro Jahr scheiden etwa 1000 Firmen aus dem BSCI-Prozess aus, etwa gleich viele werden neu aufgenommen.

Schneller Wandel

Aufgrund der grossen Dynamik der asiatischen Märkte sei es aber nicht einfach, die Standards zu setzten und sie zu kontrollieren. Bereits wandern Textilproduzenten aus Kostengründen von China nach Bangladesh, Kambodscha oder Burma ab. In China, mit dem die Schweiz in Freihandelsabkommen anstrebt, würden korrekte Arbeitsbedingen inzwischen selbstverständlicher angesehen als in Indien.

Grundsätzlich benötigt die Erreichung der gesetzten Ziele noch viel Einsatz und Überzeugungsarbeit. In China und Indien gebe es immer noch grosse Probleme, aber die Lage verbessere sich, sagt von Niederhäusern. «In Ländern wie Kambodscha oder Burma sind wir noch am Anfang.»

Ein grosses Problem bleiben allerdings die multinationalen Hersteller oder der gesamte Rohstoffhandel. Aus Sicht von Jürg von Niederhäusern bilden diese eine Art «Black Box» mit sehr wenig Transparenz in deren Lieferkette. Es bestehe grosser Nachholbedarf, sagt von Niederhäusern. Wir arbeiten zur Zeit intensiv daran, auch diesem Teil der Lieferkette den Standard von BSCI näherzubringen.

SDA/wid

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