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60 Prozent der Chefs sind Ausländer

Die Schweiz erlebt eine neue Art der Zuwanderung. 58 Prozent der Zuzüger haben einen Hochschulabschluss.

Im Jahr 2007 sind fast 40'000 Personen aus beruflichen Gründen in die Schweiz eingewandert. Sie stammen hauptsächlich aus West- und Nordeuropa, in erster Linie aus Deutschland und weiteren Nachbarländern der Schweiz. Im Jahr 2000 waren es erst rund 22'000. Dies geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Buch «Die neue Zuwanderung - Die Schweiz zwischen Brain Gain und Überfremdungsangst» von Avenir Suisse hervor.

Verantwortlich für den Zuzug von Hochqualifizierten sind vor allem das Abkommen über die Personenfreizügigkeit mit der EU sowie eine restriktivere Ausländer- und Asylpolitik gegenüber Menschen aus anderen Staaten. Wie Avenir Suisse schreibt, werden heute 27 Prozent aller in der Schweiz geleisteten Arbeitsstunden von Ausländerinnen und Ausländern erbracht. In vielen Schlüsselpositionen sei dieser Anteil noch deutlich höher. 60 Prozent der Führungskräfte von börsenkotierten Schweizer Firmen stammen aus dem Ausland. Besonders häufig anzutreffen seien neu Zugewanderte in der Informatik sowie in Forschung und Entwicklung.

Erstmals Konkurrenz für Mittelstand

Im Gegensatz zu bisher zugewanderten Ausländern, die meist einen niedrigen sozialen Status hatten, begegnen die neuen Zuwanderer den Schweizern auf Augenhöhe. Wie Soziologe Kurt Imhof in seinem Beitrag schreibt, wird der Schweizer Mittelstand damit zum ersten Mal mit Konkurrenz konfrontiert.

Immobilienpreise als politischer Sprengstoff

Verlust- und Statusängste seien die Folge. Sichtbar würden diese in Form der «Deutschen-Debatte», die Schlagzeilen hervorgebracht habe wie «Wie viele Deutsche erträgt die Schweiz?». Der Berner Wirtschaftsprofessor Reto Föllmi schreibt in seinem Kapitel allerdings, dass diese Ängste weitgehend unbegründet seien und die neue Zuwanderung überwiegend Gewinner produziere.

Er verglich dafür Löhne, Wirtschaftswachstum und Immobilienpreise der letzten 30 Jahre. Föllmi kommt zum Schluss, dass die Verteilung trotz massiver Einwanderung erstaunlich konstant geblieben sei.

Die neue Zuwanderung wirke einem Auseinanderdriften der Löhne sogar entgegen, da sie das Lohnwachstum bei den Hochqualifizierten dämpfe. Ausserdem trügen die Hochqualifizierten zu vermehrter Innovation bei, was das Wachstum zusätzlich steigere.

Allerdings bringt die neue Zuwanderung auch Verlierer: Die Immobilienpreise in den Regionen Genf und Zürich sind seit 2000 um rund 20 Prozent gestiegen. Laut Föllmi sind diese Preissteigerungen zumindest teilweise auf die neue Zuwanderung zurückzuführen. Dies berge politischen Sprengstoff und sei Nährboden für soziale Spannungen.

SDA/grü

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