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34 Ruag-Mitarbeiter erhalten die Kündigung

Harte Sitten beim bundeseigenen Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag: 12 Mitarbeiter in Bern, 12 Mitarbeiter in Thun und 10 in Zürich erhalten die Kündigung. Die Gewerkschaft Unia verlangt von der Ruag, darauf zu verzichten.

Rückwärts statt vorwärts: Bei der Ruag ist ein Jobabbau im Gang.
Rückwärts statt vorwärts: Bei der Ruag ist ein Jobabbau im Gang.
Keystone

Der Dienstag der vergangenen Woche wird für 12 Ruag-Mitarbeiter als Horrortag in Erinnerung bleiben. Wie aus heiterem Himmel wurden die Angestellten des Bereichs Informatiksicherheit von den Vorgesetzten zu einem Gespräch ­zitiert, wie diese Zeitung in Erfahrung gebracht hat. Die Chefs überreichten dabei jedem Mitarbeiter das Kündigungsschreiben.

Die Aktion erfolgte am 29. August und damit kurz vor Monatsende. Die Kün­digungsfrist beträgt gerade mal drei Monate. Ende November läuft der Arbeitsvertrag aus. ­Ruag-Sprecher Clemens Gähwiler bestätigt, dass es zu 12 Entlassungen kam.

Während die Post und die SBB mit speziellen, mehrmonatigen Umschulungs- und Weiterbildungsmassnahmen eine Kündigung abfedern, hat die Ruag den Betroffenen bislang nichts Vergleichbares angeboten. Gähwiler betont indes, dass die Betroffenen mit individuellen Massnahmen unterstützt würden.

Grosse Verunsicherung

Auch an den Ruag-Standorten Thun und Zürich kommt es zu Kündigungen: Ruag-Sprecher Gähwiler bestätigt, dass es in Thun rund ein Dutzend Kündigungen gebe. Eine interne Quelle spricht von 20 Kündigungen.

Die Betroffenen arbeiten im Bereich Land Systems. Dieser ist auf den Unterhalt von militärischen Fahrzeugen spezialisiert. In ­Zürich erhalten zudem laut der internen Quelle 10 Mitarbeiter die Kündigung.

Die Ruag hielt es bislang nicht für nötig, über diese Entlassungen öffentlich zu informieren. Im Halbjahresbericht, den das Unternehmen am vergangenen Donnerstag veröffentlicht hat, steht kein Wort dazu. Die Ruag vermeldete darin eine Umsatzsteigerung um 5,2 Prozent auf 943 Millionen und einen ­Gewinnrückgang von 52 auf ­41 Millionen Franken.

Die Gewerkschaft Unia hat ebenfalls von den ­Plänen erfahren: «Die Ruag ist ein rentables Unternehmen, das dem Bund ­gehört. Wir erwarten von der Firmenspitze, dass sie auf Entlassungen verzichtet», fordert Hilmi Gashi, Co-Sektionsleiter Berner Oberland bei der Gewerkschaft Unia.

Zudem vertritt er die ­Ansicht, dass das Unternehmen angesichts der Zahl der Entlas­senen ein Konsultationsverfahren durchführen muss. Mathias ­Regotz, Leiter Sektor ­Industrie bei der Gewerkschaft Syna, verlangt, dass die Ruag mit den Arbeitnehmervertretern in Verhandlungen über einen freiwilligen Sozialplan einsteigt.

Jobabbau im Wachstumsfeld

Intern hat vor allem die Entlassungswelle im Bereich Informatiksicherheit für Erstaunen gesorgt. Denn Ruag-Chef Urs Breitmeier hat dieses Geschäftsfeld als Wachstumsbereich definiert. Gähwiler erklärt die Kündigungen damit, dass «die Tätigkeiten in vermehrt zivilen Märkten teilweise andere Kompetenzen erfordern». Zudem sei der Auftragseingang tiefer als erwartet.

Die Firmenspitze formulierte für diesen Bereich hohe Ziele. Die Ruag soll zu «einem der führenden ­Cy­ber-Security-Partner für europäische Armeen, Behörden und kritische Infrastrukturen» ­wer­den. Teil dieser Expansionsstrategie war die Übernahme des britischen Unternehmens ­Clear­swift vom Dezember 2016. Dieses ist vor allem im Bereich Datenschutz aktiv. Es beschäftigt rund 140 Mitarbeiter.

Um den Fokus auf diesen ­Bereich zu bekräftigen, schuf die Firmenspitze zudem auf Anfang 2017 eine eigene Geschäfts­einheit für den Bereich Cyber­security. Und ernannte den Deutschen ­Dietmar Thelen als deren Chef. Allerdings erwies sich diese Wahl als wenig dauerhaft.

Bereits im Juni verliess Thelen das Unternehmen wieder. Auf eine Kommunikation des Abgangs verzichtete die Ruag. Seit Anfang Juli leitet nun Clear­swift-Chef Heath Davies die ­Einheit. Ruag-Mitarbeiter befürchten, dass mit ­Davies die angelsächsische ­«Hire-and-fire»-Mentalität Einzug ­halte.

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