196 Millionen Franken – Visana erzielt Rekordgewinn

Krankenkasse Die Berner Visana-Gruppe hat im Jahr 2017 den Gewinn sprunghaft erhöht. Das bedeutet aber nicht, dass nun die Prämien sinken.

Visana-Chef Urs Roth hat Freude: Die Krankenkasse ist gesund.

Visana-Chef Urs Roth hat Freude: Die Krankenkasse ist gesund. Bild: PD

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Der Kranken- und Unfallversicherer Visana hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 196 Millionen Franken erzielt. Gegenüber 2016 stieg der Überschuss um gut 126 Millionen Franken. Dabei hatte die Gruppe die Prämien in der Grundversicherung für 2017 im Schnitt nur um gut 2 Prozent erhöht, deutlich weniger stark als einige Konkurrenten.

Visana profitierte vom weiteren Anstieg der Börsenkurse. «Die Finanzmärkte haben uns in die Karten gespielt», sagt Visana-Chef Urs Roth im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Kapitalan­lagen warfen letztes Jahr 84 Millionen Franken ab, 5 Millionen mehr als im Vorjahr.

Risikoausgleich hilft

Entscheidend ist allerdings nicht die Börse, sondern das Kern­geschäft. Der Erfolg aus dem Versicherungsgeschäft verbesserte sich stark von minus 2 Millionen auf 127 Millionen Franken. Aus der obligatorischen Krankenversicherung (Visana, Sana 24 und Vivacare) stammen gut 77 Millionen, aus dem Geschäft mit Zusatzversicherungen fast 50 Millionen Franken Gewinn.

Dabei profitierte die Visana von Anpassungen am staatlich gelenkten Risikoausgleich zwischen den verschiedenen Krankenkassen. Gut 297 Millionen Franken erhielt sie zum Ausgleich, weil Visana überdurchschnittlich viele ältere und krankheitsanfälligere Versicherte hat.

«Jede Verfeinerung des Risi­koausgleichs ist zugunsten der Visana, weil wir eine eher schlechtere Risikostruktur als der Marktdurchschnitt haben», sagte Roth. Im Vorjahr hatte der Risikoausgleich der Visana noch 41 Millionen Franken weniger eingebracht.

Deutlich mehr Versicherte

Doch Visana zählt nominell zu den Gewinnern der Krankenkassenwechsel im vergangenen Jahr. Auch weil sie dank des Risikoausgleichs die Prämienerhöhungen dämpfen kann. In der Grundversicherung stieg die Zahl der Kunden 2017 um satte 33 000. Visanas Marktanteil erhöhte sich in der Schweiz auf 7,3 Prozent. In den Stammlanden, im Kanton Bern, sind es 24 Prozent.

Die Gründe für den höheren Versichertenbestand sind: Einerseits blieben die Kündigungen bei Grund- und Zusatzversicherungen unterdurchschnittlich. Andererseits wechselten vor allem in der Romandie Kunden zur Visana, wie Roth sagt. Zum Teil offenbar, weil die Groupe Mutuel die Prämien deutlich erhöhte.

Entscheidend ist laut dem Visana-Chef aber nicht nur die Prämienhöhe – das Gesamtpaket von der Kundenberatung bis zur Servicequalität müsse stimmen. Die Leistungen in der Grundversicherung der Visana-Gruppe nahmen um 1,8 Prozent auf fast 2,6 Milliarden Franken zu. Dies bei 4 Prozent höheren Prämieneinnahmen von knapp 2,2 Milliarden Franken. Ins Plus reichte es so nur dank Risikoausgleich und Kapitalerfolg.

Kosten steigen weiterhin

Visana musste weniger Leistungen für ihre Kunden erbringen, als sie im Juli 2016 anlässlich der Prämienberechnung prognostizierte. Das heisst aber nicht, dass die Prämien nun 2019 sinken werden. Roth verweist darauf, dass die Kosten im Gesundheitswesen jedes Jahr um durchschnittlich 4 Prozent steigen, dies wegen der Entwicklung von Technik und Bevölkerung sowie wegen der Mengenausweitung: «Es wird schlicht immer mehr konsumiert. Die steigende Prämienlast trägt das Ihre dazu bei. Die Versicherten erwarten, dass ihnen Spitzenmedizin rund um die Uhr vor der Haustür zur Verfügung steht», hält Roth fest.

Das effektivste Rezept dagegen wäre seiner Einschätzung nach, die Leistungen in der Grundversicherung zu beschränken und den Rest in die Zusatzversicherung zu verschieben. Zum Einwand, das könnten sich nicht alle leisten, sagt Roth, heute sei der Leistungskatalog in der Grundversicherung viel zu luxuriös. Seit Einführung des Krankenversicherungsgesetzes 1996 sei immer mehr in den Grundleistungs­katalog aufgenommen worden. Roth ist überzeugt: «Eine Beschränkung auf einen Grundleistungskatalog, der diesen Namen auch verdient, würde die Grundversicherung stabilisieren.»

Appell an Kanton

Nach dem anhaltend starken Prämienanstieg der letzten Jahre erhält inzwischen fast ein Drittel der Bevölkerung Prämienverbilligungen. Die Kantone sparen hier jedoch und ziehen sich immer stärker aus ihrer finanziellen Mitverantwortung zurück. Der Visana-Chef appelliert daher auch an die neu gewählte Berner Regierung, der Kanton solle hier nicht auf dem Buckel der Ärmsten sparen. «Und über die Spitalplanung sollten wir auch sprechen.» Es gebe immer noch zu viele Spitäler in der Schweiz.

Die Visana selber will ihre Prozesse weiter verbessern und setzt dabei auf Digitalisierung: So müssen die Versicherten Arztrechnungen nicht mehr einschicken, sondern können sie mit dem Handy fotografieren und per App einschicken. Oder mit dem Internetportal werden Rechnungen und neue Policen nicht mehr per Post nach Hause geschickt, sondern die Kunden erhalten einen Hinweis per Mail oder SMS, dass sie im Portal elektronische Post erhalten haben. Hier lassen sich laut Roth Millionen zugunsten der Versicherten sparen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.03.2018, 07:37 Uhr

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