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150 Millionen, die Fragen aufwerfen

Vom diesjährigen Halbjahresgewinn zweigt die ZKB 150 Millionen Franken für ihre Pensionskasse ab. In anderen Unternehmen wird lange darum gerungen, wer die Lasten der Umstellung tragen soll.

Die Zürcher Kantonalbank meint es gut mit ihren Angestellten. Logo der ZKB (September 2011).
Die Zürcher Kantonalbank meint es gut mit ihren Angestellten. Logo der ZKB (September 2011).
Keystone

Den ZKB-Angestellten sollen durch die Umstellung vom Leistungs- auf das Beitragsprimat (siehe Box) keine Nachteile entstehen. Die Zürcher Kantonalbank schiesst darum gemäss ihrer Medienmitteilung zum Halbjahresergebnis einen Betrag von 150 Millionen in die Pensionskasse ein. In anderen Unternehmen wird lange darum gerungen, wer die Lasten der Umstellung zu tragen hat. Bei der staatseigenen ZKB bediente man sich mit einem Griff in die Firmenkasse. Der Halbjahresgewinn der ZKB schmälert sich dadurch von 392 Millionen auf 242 Millionen Franken. Der Journalist Lukas Hässig spricht im Online-Medium Inside Paradeplatz vom «Selbstbedienungsladen ZKB».

Eigentlich wäre es die Aufgabe des Kantonsrats, die Geschäftsführung der kantonseigenen Betriebe zu kontrollieren. Das Parlament hat diese Aufgabe an die Aufsichtskommission über die wirtschaftlichen Unternehmen (AWU) delegiert, in der rund ein Dutzend gewählte Kantonsräte sitzen. Doch die Schmälerung des Gewinns der Kantonalbank um 150 Millionen Franken ist für die Mitglieder der AWU kein Thema.

Kantonsräte sehen kein Problem

Kantonsrat Benedikt Gschwind, der die AWU präsidiert, hält die Sonderaufwendung in Höhe von 150 Millionen für vertretbar. «Es ist im Interesse des Kantons, dass die ZKB ein attraktiver Arbeitgeber bleibt», erklärt SP-Mann Gschwind. Auch die Vertreter der übrigen Parteien haben kein Problem damit, dass ein erheblicher Teil des Gewinns in der ZKB-Pensionskasse landet.

Ob die 150 Millionen vom Gewinn abgezogen werden oder nicht, sei letztlich nicht relevant, sagt Gschwinds Parteikollege Roland Munz. «Die Ausschüttungen der ZKB haben sich in den letzten Jahren immer in der gleichen Höhe bewegt», so Munz. Die Kantonalbank bemühe sich, unabhängig vom erzielten Gewinn, eine in etwa gleichbleibende Summe an den Kanton und die Gemeinden auszuschütten. Für das laufende Jahr erwarten Munz und seine Aufsichtskollegen unabhängig von der Schmälerung des ZKB-Gewinns eine Ausschüttung auf Vorjahresniveau.

Vor allem Manager profitieren

Ein Zürcher Politiker, der nicht in der AWU sitzt und nicht namentlich genannt werden möchte, vermutet dagegen, dass das Management sich mit der grosszügigen Geldspritze für die Pensionskasse vor allem selbst ein Geschenk machte. «Vor allem für Banker, die im Laufe ihrer Karriere erhebliche Lohnsprünge erzielen, ist die Umstellung auf das Beitragsprimat mit Nachteilen verbunden», so der Politiker. «Und das ist in erster Linie die Führungsriege.» Von den Ausgleichszahlungen an die Pensionskasse profitiere damit vor allem das Management.

Wegen der befürchteten Nachteile durch die Umstellung vom Leistungs- auf das Beitragsprimat habe die ZKB auch so lange gebraucht, bis die Bank das System endlich umgestellt habe. «Hätte man die Umstellung bei der ZKB schon vor zehn Jahren über die Bühne gebracht, hätte man die Abfederung der Nachteile aus den Reserven der Pensionskasse finanzieren können», sagt der Zürcher Politiker. «Jetzt erfolgt die Umstellung auf Kosten der Bank.»

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