Teleclub-Deal heizt Konflikt an

Die Swisscom hält neu 75 Prozent an Cinetrade. Zum Medienkonzern gehört etwa der Bezahlsender Teleclub. Der Schritt des grössten Schweizer Telecomanbieters schürt den Streit mit den Kabelnetzbetreibern um Sportrechte zusätzlich.

Flirt mit der Kamera: Die Wettbewerbskommission ermittelt gegen die Swisscom und die Teleclub-Mutter Cinetrade. Die Behörde vermutet Kartellrechtsverstösse bei Sportübertragungen.

Flirt mit der Kamera: Die Wettbewerbskommission ermittelt gegen die Swisscom und die Teleclub-Mutter Cinetrade. Die Behörde vermutet Kartellrechtsverstösse bei Sportübertragungen. Bild: Keystone

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Um ihren Einstieg ins Fernsehgeschäft zu festigen, hatte die Swisscom im Jahr 2005 im Sinne einer strategischen Beteiligung einen Minderheitsanteil von 49 Prozent an der Zürcher Cinetrade-Gruppe übernommen. Seit 30.April 2013 hält der grösste Schweizer Telecomanbieter nun 75 Prozent und damit die Mehrheit. Den Kaufpreis verraten beide Parteien nicht.

«Es war schon lange geplant, dass die Swisscom einmal die Mehrheit an Cinetrade übernehmen würde», sagte gestern Carsten Schloter an einer Telefonkonferenz. Der Swisscom-Chef trat damit Vermutungen entgegen, der Kauf eines zusätzlichen Aktienpakets von 26 Prozent an Cinetrade sei ein Schachzug im Konflikt mit der Wettbewerbskommission (Weko) und der Konkurrenz. Wie Anfang April 2013 bekannt wurde, untersucht die Weko die Übertragung von Livesportanlässen bei Teleclub. Und ebendieser Bezahlsender gehört zu Cinetrade.

Die Wettbewerbshüter wollen Anhaltspunkte dafür gefunden haben, dass Cinetrade und die Swisscom bei der Übertragung von Livesport im Bezahlfernsehen ihre marktbeherrschende Stellung missbrauchen, um die Kabelnetzanbieter und Sunrise vom Teleclub-Angebot auszuschliessen.

860000 Haushalte empfingen im ersten Quartal 2013 Swisscom TV (siehe auch Zahlenkasten). Das digitale TV-Angebot des blauen Riesen umfasst auch Liveübertragungen von Sportanlässen und Filme zum Mieten. Dafür muss der Kunde zusätzlich zum regulären Monatsabonnement bezahlen. Die jährlichen 4000 Sportübertragungen und 7800 Filmtitel auf Abruf bezieht die Swisscom von – Teleclub.

18 Monate für Verfahren

An der Ausgangslage ändert sich für die Weko auch mit den neuen Besitzverhältnissen bei Cinetrade nichts. Das Ziel sei weiterhin, das Verfahren gegen die Mediengruppe in achtzehn Monaten abzuschliessen, hiess es gestern bei der Behörde.

Der Dachverband der Kabelnetzbetreiber seinerseits sieht die Weko nun in der Pflicht. «Die Übernahme der Cinetrade durch die Swisscom verschärft die Dringlichkeit der Weko-Untersuchung», forderte Claudia Bolla-Vincenz, Geschäftsführerin von Swisscable. «Es darf nicht sein, dass die marktmächtige und staatsnahe Swisscom die Sportrechte komplett monopolisieren kann.» Denn die Swisscom habe jetzt nicht mehr nur die faktische Kontrolle über Cinetrade, sondern auch die rechtliche. In der Schweiz empfangen 2,75 Millionen Haushalte Fernsehen übers Kabel.

Swisscom-Chef kontert

Swisscom-Chef Schloter reagierte sichtlich verärgert auf die Kritik der Konkurrenz: Dank dem Engagement von Swisscom und Cinetrade profitierten Sportbegeisterte heute von einem breiteren Angebot an Liveübertragungen sowohl im frei empfangbaren TV wie auch im Bezahl-TV. «So sind im Schweizer Fussball heute vier- bis sechsmal mehr Spiele live im frei empfangbaren TV verfügbar. Als die Kabelnetzbetreiber noch über ihr Monopol verfügten, haben sie keinen Finger für die Sportfans gerührt.»

Cinetrade wird nicht in die Swisscom integriert, sondern vom bisherigen Management weitergeführt. Stephan Sager bleibt Aktionär und Konzernchef der Gesellschaft mit 600 Mitarbeitern.

Die Gestaltung der Programme und Inhalte geht neu an die Teleclub Programm AG über. Cinetrade hält an dieser Firma nur eine Minderheitsbeteiligung. So will sich die Swisscom dem Verdacht entziehen, Einfluss zu nehmen auf die Programmgestaltung und die redaktionellen Inhalte von Teleclub. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.05.2013, 10:21 Uhr

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