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Ungarn zieht die Daumenschrauben für Banken an von Krisztina Than und Michael Shields, Reuters

Wien/Budapest Österreichs Banken sitzt der Schreck durch den erzwungenen Schuldennachlass für viele Kreditkunden in Ungarn noch in den Knochen - da droht die Regierung mit weiteren Eingriffen.

Vor einigen Wochen hat das Land die Finanzinstitute verpflichtet, Kunden einen Teil ihrer in Fremdwährungen aufgenommenen Schulden wegen der deutlich gestiegenen Wechselkurse zu erlassen. Die Banken wehren sich mit allen Mitteln dagegen. Sie versuchen, die Zahl jener Kunden, die das neue Gesetz in Anspruch nehmen, so niedrig wie möglich zu halten, und prüfen zudem rechtliche Schritte. Damit haben die Banken neuen Ärger von Ministerpräsident Victor Orban und seiner Regierungspartei Fidesz auf sich gezogen. Orban selbst hat angekündigt, neue Wege zu gehen, um ungarischen Darlehensnehmern einen Ausweg aus der Fremdwährungskredit-Falle zu ermöglichen. In den vergangenen Jahren haben viele Häuslebauer und Verbraucher in Osteuropa Kredite in ausländischen Währungen - vor allem in Schweizer Franken - aufgenommen, um von niedrigen Zinsen zu profitieren. Doch dies erwies sich als fatal: Allein in den vergangenen zwölf Monaten ist der Franken gegenüber dem ungarischen Forint um 20 Prozent gestiegen , was viele Kreditnehmer in Bedrängnis brachte. Anschlusskredite nötig Das neue Gesetz ermöglicht Bankkunden nun bis Jahresende eine Ablösung der Franken-Kredite zu deutlich günstigeren Wechselkursen - auf den Kursverlusten bleiben die Banken sitzen. Bedingung ist allerdings, dass die Schuldner die gesamte Kreditsumme auf einmal zurückzahlen. Dafür müssen viele einen Anschlusskredit in Anspruch nehmen. Um zu verhindern, dass viele Ungarn das neue Gesetz ausnutzen, könnten die Banken für die neuen Kredite deutlich höhere Zinsen verlangen. Das ist der Regierung ein Dorn im Auge: «Wenn das bereits verabschiedete Rückzahlungsgesetz nicht ausreicht, dann werden bis Dezember weitere Massnahmen kommen», drohte Fidesz-Fraktionschef Janos Lazar. «Wir werden das durchziehen und die Fraktion wird den Ministerpräsident voll unterstützen.» Ziel sei es, die Zahl der Ungarn mit Schulden in Fremdwährungen bis zum ersten Halbjahr 2012 «radikal» zu senken. Neue Auflagen angedroht Um dies zu erreichen, könnte die Regierung die Banken Analysten zufolge beispielsweise verpflichten, Refinanzierungskredite in Forint anzubieten oder die Zinsen zu senken. Selbst eine Pflichtumwandlung von Fremdwährungskrediten in Forint-Darlehen schliessen sie nicht aus. Bislang hat die Regierung nicht erklärt, welche Massnahmen sie erwägt. Orban erklärte lediglich, die ungarische Kreditnehmer würden jede mögliche Hilfe erhalten, um ihre Kredite in Forint umzuschulden. Von den österreichischen Banken ist vor allem die Erste Group betroffen. Das Geldhaus ist der zweitgrösste Kreditgeber in Osteuropa. Die Erste Bank hat vor kurzem bereits angekündigt, ihrer ungarischen Tochter 600 Millionen Euro frisches Kapital nachzuschiessen und 312 Millionen Euro auf deren Firmenwert abzuschreiben. Der politische Eingriff dürfte das Geldhaus nach eigenen Schätzungen 450 Millionen Euro kosten. Künftig will die Erste in Ungarn daher nur noch Kredite in lokaler Währung ausgeben. Konkurrent Raiffeisen befürchtet Abschreibungen von bis zu 100 Millionen Euro bei seiner ungarischen Tochter und hat ebenfalls angekündigt, frisches Kapital nachzuschiessen.

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