Mario Draghi hält Leitzins auf Rekordtief

Der Chef der Europäischen Zentralbank bleibt ungeachtet steigender Inflationsraten auf Billiggeld-Kurs. Banken bekommen frisches Geld weiterhin zu null Prozent Zinsen.

Rückt nicht vom Kurs ab: EZB-Chef Mario Draghi. (Archiv)

Rückt nicht vom Kurs ab: EZB-Chef Mario Draghi. (Archiv) Bild: Olivier Hoslet/Keystone

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Der Rat der Europäischen Zentralbank hielt den Leitzins bei seiner Sitzung heute in Frankfurt wie erwartet auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Finanzinstitute überschüssiges Geld bei der EZB, müssen sie dafür nach wie vor 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Zugleich kauft die Notenbank weiterhin monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Milliardenvolumen.

Im Februar war die Inflation im Euroraum getrieben vor allem von hohen Energiepreisen erstmals seit vier Jahren wieder auf zwei Prozent gestiegen. Die EZB strebt eine nachhaltige Rate von knapp unter 2,0 Prozent an. Ökonomen gehen jedoch davon aus, dass die Teuerung vorerst ihren Höhepunkt erreicht hat und der Ölpreis-Effekt im Laufe des Jahres nachlassen wird.

Billig-Geld soll Konjunktur ankurbeln und Teuerung anheizen

Im Kampf gegen niedrige Inflation und Konjunkturschwäche hat die Notenbank ihre Geldschleusen weit geöffnet. Erst im Dezember verlängerte sie ihr seit März 2015 laufendes Kaufprogramm für Staatsanleihen und Unternehmenspapiere um weitere neun Monate bis mindestens Ende 2017 – wenn auch ab April nur noch 60 Milliarden statt 80 Milliarden Euro monatlich fliessen sollen.

Das viele billige Geld soll im Idealfall die Konjunktur ankurbeln und auch die Teuerung anheizen. Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Konjunkturrisiko. Unternehmen und Konsumenten könnten Investitionen aufschieben in der Erwartung, dass es bald noch billiger wird. Das könnte die Wirtschaftsentwicklung abwürgen.

Politiker und Ökonomen in Deutschland forderten nach dem jüngsten Anstieg der Teuerung, die EZB müsse jetzt das Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik einläuten. «Die EZB sollte ihre Geldflut eindämmen, sonst besteht die Gefahr, dass sie über ihr Ziel hinausschiesst», mahnte Ifo-Chef Clemens Fuest. Sparer leiden seit Jahren unter den extrem niedrigen Zinsen – wobei andererseits Kreditnehmer profitieren.

Mehr Inflation in diesem Jahr erwartet

Die EZB hat ihre Inflationsprognose für dieses Jahr deutlich nach oben geschraubt. Die Konsumentenpreise dürften im Schnitt um 1,7 Prozent steigen, heisst es in den heute veröffentlichten Prognosen.

Noch im Dezember wurden nur 1,3 Prozent erwartet, doch trieben vor allem höhere Ölpreise die Teuerungsrate im Februar erstmals seit Jahren auf zwei Prozent. Für 2018 erwarten die EZB-Ökonomen nun 1,6 (Dezember: 1,5) Prozent und für 2019 wie bislang 1,7 Prozent. Die EZB sieht Werte von knapp unter zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an.

In den kommenden Monaten dürfte die Teuerungsrate bei etwa zwei Prozent verharren, sagte EZB-Präsident Mario Draghi in Frankfurt. Dazu trügen vor allem höhere Energiepreise bei. Würden diese ausgeklammert, dann steige die Inflation nur langsam. Es gebe keine Anzeichen für einen Aufwärtstrend bei dieser sogenannten Kerninflation. Die EZB-Fachleute hoben zudem ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandproduktes im Euro-Raum in diesem Jahr von 1,7 auf 1,8 Prozent an.

Für 2018 erwarten sie 1,7 (bisher: 1,6) Prozent, für 2019 wie zuletzt 1,6 Prozent. «Das Wachstum festigt und erweitert sich», so Draghi. Dazu trügen die steigende Beschäftigung ebenso wie ein verbesserter Welthandel bei. (nag/sda)

Erstellt: 09.03.2017, 14:32 Uhr

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