Die Post kämpft gegen Stopp-Kleber

Die Schweizer sind Europameister im Aufkleben von Stopp-Werbung-Kleber am Briefkasten. Jeder solche Aufkleber gefährdet das lukrative Geschäft mit Werbesendungen. Mit Gratismüsterchen will die Post die Bevölkerung zum Entfernen der Aufkleber bewegen.

Werbung? O.K.! Mit solchen Klebern will die Post die Bevölkerung zum Entfernen der Stopp-Werbung-Kleber bewegen (Archivbild).

Werbung? O.K.! Mit solchen Klebern will die Post die Bevölkerung zum Entfernen der Stopp-Werbung-Kleber bewegen (Archivbild).

(Bild: Christian Pfander)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Die Hälfte der privaten Briefkästen in der Schweiz ist mit einem Stopp-Werbung-Kleber versehen. Damit überragen die Eidgenossen die Einwohner ihrer Nachbarländer um Längen. In Frankreich findet man diese Aufkleber auf lediglich 12 Prozent der Briefkästen, in Italien auf 17,5 Prozent und in Deutschland auf 22,6 Prozent. Diese Zahlen stammen aus dem Jahr 2013, erhoben durch die European Letterbox Marketing Association.

Für die Schweizer Post sind diese Zahlen ein Gräuel. Vor allem, weil die Anzahl der Aufkleber hierzulande jedes Jahr um 1 bis 2 Prozent zunimmt. Diese Entwicklung gefährdet das Geschäft mit den unadressierten Werbebotschaften. Das Volumen ist mit jährlich zwei Milliarden Sendungen gigantisch – es umfasst die Hälfte sämtlicher Briefsendungen, welche die Post pro Jahr verteilt.

In ihrem Kampf gegen die ungeliebten Aufkleber startet die Post eine neue Offensive. Gemeinsam mit ihren Werbekunden hat sie im Raum Bern, Luzern und Lausanne 400'000 Briefe an Privathaushalte versandt. Darin verspricht sie Gratismüsterchen von Zahnpasta, Ovomaltine oder Gewürzen. Doch die Müsterchen erhält nur, wer keinen Stopp-Werbung-Kleber am Briefkasten hat. «Möchten Sie künftig von Warenproben und anderen Werbesendungen profitieren, entfernen Sie einfach einen allfälligen Vermerk vom Briefkasten oder drehen Sie das entsprechende Schild am Briefkasten um», schreibt die Post im erwähnten Brief. Beigelegt ist ein Kleber mit der Aufschrift «Werbung OK!»

Konsumentenschutz kritisiert

Sara Stalder, die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), ist verärgert über das Vorgehen der Post. Sie spricht von «Bauernfängerei». Sie verstehe zwar, dass die Werbesendungen für die Post ein Geschäftszweig sei. «Doch es ist sicher nicht die Aufgabe der Post, die Leute darauf hinzuweisen, dass diese Kleber unnütz sind.» Die SKS hat bei der Post bereits mit einem Protestschreiben interveniert. «Sie akzeptiert den Willen der Leute nicht. Das geht in Richtung Nötigung», sagt Sara Stalder.

Post akzeptiert die Wünsche

Post-Sprecher Oliver Flüeler betont: «Selbstverständlich akzeptieren wir es, wenn ein Haushalt keine Werbung im Briefkasten haben will.» Doch rund 17 Prozent aller Stopp-Werbung-Kleber seien vom jeweiligen Vormieter auf den Briefkasten geklebt worden. «Genau von solchen Haushalten möchten wir wissen, ob sie wirklich keine Werbung – und damit auch keine Warenmuster – wünschen.»

Die Aktion sei ein weiterer Test mit Konsumgüterherstellern, sagt Oliver Flüeler. Die Post und die Auftraggeber würden dieses sogenannte «Promo-Post-Sampling» auswerten. Ein entsprechender Versuch zur Akzeptanz der Warenmuster sei schon in den Regionen Basel und Winterthur durchgeführt worden. Das Resultat: In eher ländlichen Regionen seien die Aufkleber leicht zurückgegangen, sagt Post-Sprecher Flüeler. In städtischen Regionen konnte die Zunahme von neuen Aufklebern gebremst werden.

Berner Zeitung

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