Die BKW trotzt der Romandie mit kühlem Kopf

Bern

Die BKW hält dem politischen Druck aus der Westschweiz stand. Im Poker um die Alpiq-Anteile am nationalen Stromnetz lässt sich der Berner Energiekonzern nicht in die Knie zwingen.

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Die BKW hält an ihrem Vorkaufsrecht für das 300 Millionen Franken teure Aktienpaket fest.

Die BKW muss sich nichts vorwerfen lassen – weder aus politischer noch aus rechtlicher Sicht. Das Vorkaufsrecht für die umkämpften Swissgrid-Aktien war die Gegenleistung, welche die Stromkonzerne 2006 dafür erhalten haben, dass man ihnen das Hochspannungsnetz weggenommen und in der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid gebündelt hat.

Hätte BKW-Chefin Suzanne Thoma dieses Recht wegen einer Kampagne der Westschweizer Kantone unter Wert aufgeben, so wäre sie als Wirtschaftsführerin kaum mehr ernst zu nehmen.

Die Ausgangslage für die BKW war schwierig. Als Unternehmen, das an der Börse kotiert ist, mussten die Verantwortlichen zum Stromnetz-Deal schweigen. Auf der Gegenseite gingen die Westschweizer Kantone in die Offensive. Denn ohne das Alpiq-Aktienpaket verliert die Westschweiz den Zugang zum Stromnetz.

Das erklärte Ziel der Waadtländer FDP-Staatsrätin Jacqueline de Quattro war es, die BKW in der Öffentlichkeit unter Druck zu setzen, bis das Stromunternehmen auf das Vorkaufsrecht verzichtet. Die Causa wurde hochstilisiert zum Kampf am Röstigraben, bei dem die Politik die Interessen der Westschweiz gegen den Gewinnhunger der Deutschschweizer Wirtschaft verteidigt.De Quattro drohte: «Notfalls gehen wir vor Bundesgericht.»

Die BKW, bis am Donnerstag zum Schweigen verdammt, behielt einen kühlen Kopf. Und nun schlägt sie doppelt stark zurück. Offensichtlich war sie sich der Stärke ihrer Karten in diesem Pokerspiel bewusst. Denn das Konstrukt, welches die Romands zur Finanzierung des 300 Millionen Franken teuren Kaufs der Swissgrid-Aktien vorgelegt haben, wird selbst von Experten aus der Westschweiz kritisiert. Das Geld stammt zu einem grossen Teil aus kantonalen Einrichtungen und Pensionskassen. Und diese müssen laut Gesetz unabhängig bleiben.

Im kriselnden Strommarkt ist auf herkömmliche Weise kaum noch Geld zu verdienen. Mit Investitionen ins Stromnetz sichert sich die BKW stabile Erträge für die Zukunft. Die Rendite ist reguliert und bleibt deshalb auch bei Veränderungen im Kapitalmarkt attraktiv.

tobias.habegger@bernerzeitung.ch

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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