«Der Frankenraum ist für Banken attraktiv»

Prinz Philipp von und zu Liechtenstein, Präsident der LGT-Bank, über die Folgen der Negativzinsen und die Stärken des Frankenraums als Bankenplatz.

Durchlaucht: Prinz Philipp von und zu Liechtenstein.

Durchlaucht: Prinz Philipp von und zu Liechtenstein. Bild: Beat Mathys

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Vor rund einem Jahr hat die Nationalbank den Euro-Franken-Mindestkurs auf­gehoben. War dieser Entscheid richtig?
Prinz Philipp von und zu Liechtenstein: Wahrscheinlich konnte die Nationalbank keinen anderen Entscheid fällen. Die Schweiz ist umgeben von Staaten, die den Euro als Währung haben. Der EZB-Präsident Mario Draghi hat dann vor über einem Jahr entschieden, dass er den Euro schwächen will. Danach standen der Nationalbank nicht viele Varianten offen.

Wie hat sich das auf die LGT-Gruppe ausgewirkt?
Das tiefe Zinsniveau hat dazu geführt, dass unser Zinsergebnis heute rund ein Viertel ­niedriger ist als vor einem Jahr. Als Privatbank ist das aber nicht unser Kerngeschäft. In der Schweiz mussten wir der Nationalbank Negativzinsen für liquide Mittel zahlen, die wir in grossem Umfang bei dieser deponiert haben. Trotz allem wollen wir uns nicht beklagen: Über alles verzeichnete die LGT-Gruppe im vergangenen Jahr ein erfreuliches Wachstum.

Und wie haben Sie angesichts der Negativzinsen gegenüber den Kunden reagiert?
Wir sind auf Kunden mit einem hohen Bestand an liquiden Mitteln zugegangen. Diesen haben wir beispielsweise versicherungsbasierte Produkte empfohlen. Das sind Verbriefungen von Versicherungsrisiken. Diese versprechen einen stabilen Ertrag und eine Kursentwicklung, die unabhängig von den Bewegungen an den Aktienmärkten ist.

Wie waren die Reaktionen der Kunden auf die tiefen Zinsen?
Die Kunden reagieren heute sensibler auf Gebühren als früher. Dies, weil die Zinserträge nur noch gering sind. Aber auf der anderen Seite ist der Kunde auch bereit, etwas für die Beratung und die Stabilität, welche die Bank bietet, zu bezahlen.

Der Schweizer Franken ist die Währung von Liechtenstein. Welches sind die Vorteile für eine Bank, im Frankengebiet den Stammsitz zu haben?
Für eine Bank ist der Frankenraum ein sehr attraktiver Standort. Die politische Stabilität und die Vorhersehbarkeit sind sehr hoch. Deshalb legen Europäer, aber auch Asiaten ihr Geld sehr gerne in der Schweiz an. Das negative Extrembeispiel bei diesem Thema ist Zypern: Hätten Sie ­gerne ein Bankkonto auf Zypern? Denn dort teilt man Ihnen eines Morgens mit: Tut mir leid, Ihr Geld ist zum Teil verdampft. Wenn es eines Tages in der Schweiz so weit kommen sollte, dann steht die Welt sowieso kurz vor dem Untergang.

Zypern gehört zum Euroraum. Sie würden also Liechtenstein nicht gerne in diesem Währungsraum sehen?
In Liechtenstein würde ein solcher Schritt auf grossen Widerstand stossen. Auch ich würde einen solchen Entscheid nicht begrüssen. Als Historiker weiss ich, dass es in der Vergangenheit in Europa viele Währungen ge­geben hat. Vor allem Währungsunionen haben oft nicht lange überlebt. Ich will damit aber nicht sagen, dass der Euro verschwinden wird. Ein solches Szenario ist indes nicht undenkbar.

Ein weiteres grosses Thema ist der automatische Informationsaustausch. Wo steht die LGT da?
Liechtenstein hat Anfang Jahr den automatischen Informationsaustausch mit den europäischen Ländern eingeführt. Im nächsten Jahr werden die ersten Meldungen an die jeweiligen Steuerbehörden erfolgen. Die Schweiz folgt in einem Jahr.

Haben Sie noch Kunden mit unversteuerten Geldern?
Wir sind auf diesem Gebiet sehr gut unterwegs. Wir sind schon seit Jahren darauf bedacht, keine unversteuerten Gelder anzunehmen. Und wir haben unsere bestehenden Kunden bereits vor längerem gebeten, ihre Steuer­angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Im Hinblick auf den automatischen Informationsaustausch haben wir von ihnen eine Erklärung verlangt, dass sie ihre Guthaben korrekt versteuern.

Und wenn ein Kunde sich weigert, seine Guthaben dem Steueramt zu melden?
Dann kündigen wir im Extremfall die Kundenbeziehung.

Wie beurteilen Sie den In­formationsaustausch, gegen den die Schweizer Banken während vieler Jahre gekämpft haben?
Jeder soll seine Steuern bezahlen. Das finde ich vollkommen richtig. Die Entwicklung hin zum durchsichtigen Bürger ist jedoch fragwürdig. Der Bürger wird zum Untertan des Staats. Hier gibt es eine Grenze, die nicht leicht zu ziehen ist. Für mich steht aber fest, dass der gläserne Bürger ein totales Unding ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.01.2016, 11:30 Uhr

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