Besser arbeitslos als im Callcenter arbeiten

Lücken im Lebenslauf wirken sich schlecht auf die Jobchancen aus, hiess es. Doch eine neue Studie aus Basel zeichnet ein anderes Bild.

Dequalifizierende Arbeit oder häufige Stellenwechsel werden problematischer eingeschätzt als Arbeitslosigkeit. (Symbolbild)

Dequalifizierende Arbeit oder häufige Stellenwechsel werden problematischer eingeschätzt als Arbeitslosigkeit. (Symbolbild) Bild: Andrew Ross/AFP

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Häufige Jobwechsel und Arbeiten etwa in einem Callcenter machen sich im Lebenslauf schlechter als Arbeitslosigkeit: Zu diesem Schluss kommen Soziologen der Universität Basel. Die Forscher haben die Jobchancen junger Erwachsener untersucht.

Dazu befragten sie Personalabteilungen und -vermittler. Erste Analysen der schweizerischen Daten verwiesen darauf, dass die Bedeutung von Arbeitslosigkeit in der Diskussion zu Arbeitsmarktchancen überschätzt werde, teilte die Uni Basel heute mit.

Arbeitslose zu befristeten oder ausbildungsfremden Beschäftigungen zu drängen, um sie möglichst rasch in die Arbeitswelt zurückzubringen, kann demnach sogar schaden: Die Forscher warnen davor, dass solche Beschäftigungen für die Betroffenen zu «beruflichen Sackgassen» werden könnten.

Heute werde bei Arbeitslosen mit einem berufsbildenden Abschluss wie einer Berufslehre versucht, diese möglichst schnell wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sagt Christian Imdorf, der die Studie gemeinsam mit Max Bergman leitet. «Doch eine möglichst schnelle Integration ist nicht immer unbedingt nachhaltig.»

Arbeitslose müssten oft auch Stellen ausserhalb ihres angestammten Berufsfeldes annehmen. Für die langfristigen Berufschancen wäre es aber empfehlenswerter, sich im gelernten Beruf weiterzubilden.

Dequalifizierende Arbeit problematisch

Das zeigt die Umfrage unter Personalabteilungen und -vermittlern in der Schweiz, Bulgarien, Griechenland und Norwegen. In der Schweiz befragte das Team von Imdorf im letzten Jahr 550 Personalvermittler aus den Branchen Mechanik, Finanz- und Versicherungswesen, Gastronomie, Pflege und Informatik.

Die Soziologen gaben den Personalbüros dazu je zehn Lebensläufe von fiktiven Bewerberinnen und Bewerbern zum bewerten. Die Bewerber wiesen eine abgeschlossene Ausbildung und fünf Jahre Berufserfahrung auf. Andere Informationen etwa zu Ausbildung, Arbeitserfahrung und Geschlecht variierten. Zum Teil enthielten die Lebensläufe zudem Phasen von Arbeitslosigkeit, nicht berufsspezifischer Arbeit oder auch häufige Stellenwechsel.

Zwar beurteilten die Rekruteure in der Schweiz Lebensläufe mit kürzeren und längeren Arbeitslosigkeitsphasen kritischer als Lebensläufe ohne solche Angaben. Allerdings wurden anderen Formen von Erwerbsunsicherheit wie dequalifizierende Arbeit oder häufige Stellenwechsel problematischer eingeschätzt als Arbeitslosigkeit, wie aus der Studie hervorgeht. Diese Befunde hätten sich auch in Bulgarien, Griechenland und Norwegen bestätigt.

Arbeitserfahrung bei Lehre entscheidend

Allerdings unterscheiden die Personalbüros in der Schweiz häufig zwischen Personen mit einer Berufslehre und Personen mit einem Hochschulabschluss. So werden vor allem Abgänger einer Berufslehre, die in einem Callcenter gearbeitet haben oder arbeitslos waren, negativer eingeschätzt.

Laut Imdorf liegt das an der Bedeutung der Arbeitserfahrung. Da die Berufslehre in der Schweiz die häufigste Ausbildung sei, sei die Erfahrung sehr wichtig. Bei Hochschulabsolventen hingegen würde Arbeitserfahrung weniger erwartet und damit vorausgesetzt.

Weitere Resultate der Studie zeigen, dass Phasen ohne feste Stelle dann als ungünstig gewertet werden, wenn dafür gesundheitliche Gründe angegeben werden oder wenn Arbeitslose an einem Beschäftigungsprogramm teilgenommen haben. Schlimmer ist nur, gar keine Erklärung für die Lücke im Lebenslauf anzugeben. Kein Problem – oder sogar positiv – sind Reisen, Sprach- und Computerkurse, freiwillige Engagements und fachspezifische Weiterbildungen.

Die Studie wird im Rahmen des EU-Forschungsprojekts «Negotiate – Overcoming Early Job-Insecurity in Europe» durchgeführt und vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation gefördert. (sep/sda)

Erstellt: 24.08.2017, 15:38 Uhr

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