BKW schnappt der Romandie das Stromnetz weg

Bern

Die Berner BKW macht den Westschweizer Kantonen deren Anteil am nationalen Stromnetz streitig. Die Romands hatten sich mit dem Stromkonzern Alpiq über den Kauf der Swissgrid-Anteile geeinigt. Doch nun pocht die BKW auf ihr Vorkaufsrecht.

«Investitionen ins Stromnetz entsprechen unserer Unternehmensstrategie.» Suzanne Thoma, BKW-Chefin

«Investitionen ins Stromnetz entsprechen unserer Unternehmensstrategie.» Suzanne Thoma, BKW-Chefin

(Bild: Keystone)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Die BKW legt im Stromnetz-Poker ihre Karten auf den Tisch. Der Energiekonzern vermeldete am Donnerstagabend nach Börsenschluss: «BKW übt Vorkaufsrecht auf Swissgrid-Aktien aus.» Zum Kauf stehen die Alpiq-Anteile an der Netzgesellschaft Swissgrid (30 Prozent) zu einem Preis von 300 Millionen Franken. Die BKW tätigt den Kauf über die von ihr kontrollierte BKW Netzbeteiligung AG.

Während die BKW-Aktionäre aufatmen, wird sich das eine oder andere Gesicht in der Romandie verfärben – rot vor Zorn. Denn seit Monaten zocken die Westschweizer Kantone Waadt, Neuenburg, Wallis, Freiburg, Genf und Jura um dasselbe Swissgrid-Aktienpaket wie die BKW.

Die Romands wollen damit ihren strategischen Einfluss auf das Hochspannungsnetz für die Zukunft festigen. Bisher hielten sie diesen Zugang durch ihre 30-Prozent-Beteiligung am Stromkonzern Alpiq. Doch weil die kriselnde Alpiq die Swissgrid-Aktien nun veräussert, würde der Anteil der Romands am Stromnetz auf 1 Prozent sinken.

Stabile Erträge für die BKW

Für den Berner Energiekonzern BKW steht derweil ein hochrentables Investment auf dem Spiel. BKW-Chefin Suzanne Thoma begründet ihren Entscheid: «Investitionen ins Stromnetz entsprechen unserer Unternehmensstrategie», sagt sie. Die BKW verspreche sich dadurch einen stabilisierenden Faktor durch langfristige Erträge.

«Parallel bauen wir unser Dienstleistungsgeschäft aus und minimieren unsere Abhängigkeit von den unzuverlässigen Strompreisen.» Denn das traditionelle Stromgeschäft kriselt wegen schwankenden Preisen mit schrumpfenden Margen.

Die erwartete Antwort

Mit dem jüngsten Schritt legt die BKW im Poker ums Stromnetz zwei Asse auf den Tisch. Es ist die erwartete Antwort auf den letzten Spielzug der Romands. Ende Mai hatten diese mit Alpiq einen Kaufvertrag für das angebotene Swissgrid Aktienpaket abgeschlossen – und an einer Medienkonferenz öffentlichen Druck gegen die BKW aufgebaut, damit diese auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet.

Die Westschweizer Kantone hatten die Beteiligungsgesellschaft Sireso gegründet – und für 146 Millionen Franken gut die Hälfte des Alpiq-Pakets gekauft. Die andere Hälfte sollte an die IST 3 Investmentstiftung gehen, die Vorsorgegelder verschiedenster Pensionskassen anlegt.

Muss die BKW teilen?

Während sich die Romands mit der BKW zanken, wartet der Stromkonzern Alpiq sehnlich darauf, dass der Deal über die Bühne geht und Geld in die Kassen fliesst. «Alpiqs Priorität hat die Reduktion der Nettoverschuldung», sagt Sprecher Richard Rogers. Alpiq sei an einer sinnvollen Lösung interessiert, die sowohl politischen als auch industriellen Ansprüchen gerecht werde.

«Wir können nachvollziehen, dass die Westschweizer Kantone ihre Repräsentanz innerhalb der Entscheidungsorgane der Swissgrid sicherstellen möchten», betont Richard Rogers. Sollte jedoch eine andere Partei ein Vorkaufsrecht geltend machen, dann habe diese in jedem Fall den bereits vereinbarten Kaufpreis zu bezahlen.

Neben der BKW haben auch andere Stromfirmen ein Vorkaufsrecht. Namentlich die Axpo könnte ein solches in den nächsten Tagen geltend machen. In diesem Fall müsste die BKW das Aktienpaket wohl aufteilen.

Berner Zeitung

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