Strafverfahren gegen Webshop

Die Betreiber des Webshops Swissmicrogroup.ch wurden angezeigt wegen Betrugs. Die Staatsanwaltschaft muss nun untersuchen.

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Hunderte von Kunden haben Heinz Lippuner und Walter Danz mit ihren diversen Onlineshops in den vergangenen Jahren verärgert. Sie hätten die bestellte und im Voraus bezahlte Ware nicht ausgeliefert und auch das Geld sei nicht ­zurückerstattet worden, so die Klagen der Kunden. Die beiden Internethändler änderten im Laufe der Jahre mehrfach die Namen ihrer Shops, zuletzt nannten sie ihn Swissmicrogroup.ch, das Geschäftsmuster blieb jedoch dasselbe. Wie der TA im März berichtete, sollen auch mehrere Personen Anzeige gegen die Webshop-Betreiber erstattet haben, ohne dass jedoch etwas passiert sei.

Doch nun kommt offenbar Bewegung in die Sache. Die zuständige Staats­anwaltschaft hat am 8. Mai die Polizei beauftragt, gegen die Inhaber der Webshops wegen Verdachts auf Betrug zu ­ermitteln. Dies geht aus Unterlagen ­hervor, die dem TA vorliegen. Dass es überhaupt zu diesen Ermittlungen kommt, ist allein der Hartnäckigkeit ­eines einzelnen Kunden zu verdanken.

Doch der Reihe nach.

Bloss überfordert?

Im Herbst 2013 erstatteten mehrere Kunden Strafanzeige gegen die Betreiber von Dlex.ch – so hiess der Webshop von Heinz Lippuner und Walter Danz damals. In der Folge nahm die Polizei auch tatsächlich Ermittlungen auf und führte am Firmensitz eine Hausdurchsuchung durch. Vor Ort stiessen die Polizisten auf einen Zustand «katastrophaler Firmenführung». Im Mailaccount der Firma hätten sich mehr als 4000 ungelesene ­E-Mails befunden. Der bei der Durchsuchung anwesende Walter Danz erklärte den Polizisten das Geschäftsmodell und beklagte sich darüber, dass die meisten Kunden nur kleine Mengen bestellten, was die Firma an den Rand ihrer administrativen Möglichkeiten brächte.

Aufgrund des Polizeiberichts kam die Staatsanwaltschaft zum Schluss, die Betreiber des Internetshops seien einfach «hoffnungslos überfordert». Dass sie die Absicht gehabt hätten, die Ware gar nicht zu liefern und das Geld der Kunden für sich zu behalten, lasse sich nicht erweisen. Ergo liege kein Betrug vor, so die Staatsanwaltschaft. Deshalb stellte sie auch das Strafverfahren im Februar 2014 ein.

Einer der Kunden, die Strafanzeige eingereicht hatten, gab sich damit aber nicht zufrieden. Er beschwerte sich beim Obergericht gegen die Einstellung des Verfahrens. Mit Erfolg. Das Obergericht rügte die Staatsanwaltschaft, weil sie das Verfahren allein aufgrund der Wahrnehmungen der Polizeibeamten eingestellt habe. Diese Wahrnehmungen reichten aber keineswegs, um ein strafrechtliches Verhalten der Internethändler ohne weiteres auszuschliessen. Das Obergericht verlangte deshalb, das Verfahren wieder aufzunehmen. Dem ist die Staatsanwaltschaft nun mit dem Auftrag an die Polizei nachgekommen.

Ob dies für die beiden Händler endgültig das Aus bedeutet, lässt sich nicht vorhersagen. Klar ist: Die Firma Dlex.ch, gegen die sich die Strafanzeigen richteten, ist Anfang 2014 in Konkurs gegangen. Wenige Monate später haben Danz und Lippuner unter dem Namen Swissmicrogroup.ch ihr Geschäftsmodell reaktiviert und seither wiederum unzählige Kunden erzürnt. Inzwischen ist die Website von Swissmicrogroup.ch auch nicht mehr in Betrieb, doch existiert ­bereits ein neuer Shop, er nennt sich nun Media-eins.ch.

Den Konsumentinnen und Konsumenten bleibt daher nur der Rat, sich vor dem erstmaligen Einkauf in einem Onlineshop unbedingt abzusichern, etwa indem sie im Internet nach Erfahrungen anderer Kunden mit dem Shop suchen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.05.2015, 10:41 Uhr

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