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Saudi-Gelder im Silicon Valley: «Die Deals sind zu verlockend»

Die Affäre Khashoggi stört das bequeme Arrangement zwischen den Saudis und den US-Technologiekonzernen. Besonders Uber gerät unter Druck.

Malte Conradi, San Francisco
In Uber steckt viel saudisches Kapital. Foto: Mike Segar (Reuters)
In Uber steckt viel saudisches Kapital. Foto: Mike Segar (Reuters)

Lange war es für beide Seiten ein Geschäft, von dem alle profitierten. Die Gründer im Silicon Valley nahmen das Geld aus Saudiarabien gern, und das Königreich konnte mit Investitionen in junge zukunftsträchtige Unternehmen die Abhängigkeit vom Öl verringern. Doch nun wachsen die Zweifel, nachdem das saudische Regime die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi eingeräumt hat.

Es tauchen Fragen auf, die lange kaum einer stellte. Was sind das für Milliarden, mit denen Saudiarabien einen guten Teil des Job- und Jungunternehmer-Booms an der US-Westküste finanziert? Ist es – mit Blick auf den mutmasslichen Auftragsmord durch saudische Schergen – schmutziges Geld, das nicht so recht zum im Silicon Valley verbreiteten Anspruch passt, zu den Guten zu gehören und die Welt zu verbessern?

Uber in Erklärungsnot

Für die Unternehmen sind das unbequeme Fragen. Zwar investieren auch andere Länder wie Japan oder China seit einiger Zeit im Silicon Valley, doch Saudiarabien hat wohl den grössten Anteil daran, dass «die Finanzierung für junge Firmen keine Hürde mehr ist», wie es ein US-Investor kürzlich formulierte.

Video – Saudiarabien gesteht Tötung von Khashoggi

Der vermisste Journalist wurde im saudiarabischen Konsulat in Istanbul getötet. Video: Tamedia/Reuters

Die plötzlich erwachte Kritik am Ölgeld aus dem Mittleren Osten macht Uber noch nervöser als andere. Schliesslich will der Fahrdienstleister demnächst an die Börse gehen – es könnte sogar der grösste Börsengang einer Tech-Firma werden, den es bisher gab. In einer solchen Situation kann man Unruhe nicht gebrauchen.

Für Uber ist es schlimm genug, sich dafür verteidigen zu müssen, dass das bisherige Wachstum stark von den Saudis finanziert wurde. 2016 steckte der staatliche Investitionsfonds des Wüstenstaats 3,5 Milliarden Dollar in Uber. Über den Umweg des 100-Milliarden-Dollar-Megafonds des japanischen Konzerns Softbank flossen weitere saudische Milliarden. Sollte Uber in den kommenden Monaten mit der erwarteten Bewertung von 120 Milliarden Dollar an die Börse gehen, wären die saudischen Anteile annähernd 17 Milliarden Dollar wert.

Mit dem Mitgründer von AOL und heutigen Investor Steve Case hat kurz nach dem Uber-Chef ein weiterer prominenter Vertreter aus der amerikanischen Tech-Szene seine Teilnahme an einer grossen Investorenkonferenz in der saudischen Hauptstadt Riad abgesagt. An der übermorgen Mittwoch beginnenden Veranstaltung teilzunehmen, ist mittlerweile zu einem Imagerisiko für sämtliche Unternehmen geworden – was als einer der Letzten auch noch der Chef des Elektrokonzerns ABB, Ulrich Spiesshofer, realisiert hat.

Fordert eine internationale Untersuchung zur Klärung der Schuldfrage: Die UNO-Berichterstatterin über willkürliche Hinrichtungen, Agnès Callamard, in Genf. (19. Juni 2019/AFP/Fabrice Coffrini)
Fordert eine internationale Untersuchung zur Klärung der Schuldfrage: Die UNO-Berichterstatterin über willkürliche Hinrichtungen, Agnès Callamard, in Genf. (19. Juni 2019/AFP/Fabrice Coffrini)
Die Ermordung Khashoggis im Oktober 2018 wirft bis heute Fragen auf: Das Portrait des Journalisten der Washington Post während einer Zeremonie in Washington. (2. November 2018)
Die Ermordung Khashoggis im Oktober 2018 wirft bis heute Fragen auf: Das Portrait des Journalisten der Washington Post während einer Zeremonie in Washington. (2. November 2018)
Jim Watson, AFP
Die saudiarabische Justiz hatte zuvor die Todesstrafe gegen fünf Verdächtige im Fall des ermordeten Jamal Khashoggi gefordert. (2. Oktober 2018)
Die saudiarabische Justiz hatte zuvor die Todesstrafe gegen fünf Verdächtige im Fall des ermordeten Jamal Khashoggi gefordert. (2. Oktober 2018)
Sabah Newspaper, AFP
Die «New York Times» schrieb am 13. November 2018, es gebe immer stärkere Indizien dafür, dass der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman in den Fall verwickelt ist.
Die «New York Times» schrieb am 13. November 2018, es gebe immer stärkere Indizien dafür, dass der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman in den Fall verwickelt ist.
Josh Reynolds/AP, Keystone
Ein Aktivist hält in Istanbul ein Plakat mit dem Bild von Jamal Khashoggi. (25. Oktober 2018)
Ein Aktivist hält in Istanbul ein Plakat mit dem Bild von Jamal Khashoggi. (25. Oktober 2018)
Lefteris Pitarakis, Keystone
Der türkische Präsident Erdogan erklärt, sein Land habe Aufnahmen im Zusammenhang mit der Tötung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi an einige Länder weitergegeben.
Der türkische Präsident Erdogan erklärt, sein Land habe Aufnahmen im Zusammenhang mit der Tötung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi an einige Länder weitergegeben.
AP
Neue Kehrtwende in Riad: Nun heisst es auch aus Saudi-Arabien, dass die Tat geplant worden sei. Bisher besagte die offizielle Version, dass Khashoggi in Folge eines «Faustkampfs» im Konsulat in Istanbul zu Tode gekommen sei.
Neue Kehrtwende in Riad: Nun heisst es auch aus Saudi-Arabien, dass die Tat geplant worden sei. Bisher besagte die offizielle Version, dass Khashoggi in Folge eines «Faustkampfs» im Konsulat in Istanbul zu Tode gekommen sei.
AP
«Bisher zeigen alle Fakten und Beweise, die gefunden worden sind, dass Jamal Khashoggi Opfer eines brutalen Mords geworden ist»: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat bei einer viel beachteten Rede hauptsächlich bekannte Fakten wiederholt. (23. Oktober 2018)
«Bisher zeigen alle Fakten und Beweise, die gefunden worden sind, dass Jamal Khashoggi Opfer eines brutalen Mords geworden ist»: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat bei einer viel beachteten Rede hauptsächlich bekannte Fakten wiederholt. (23. Oktober 2018)
Ali Unal/AP, Keystone
Der US-Sender CNN hat Bilder von Überwachungskameras veröffentlicht, die den saudischen Agenten namens Mustafa Madani mit den Kleidern von Jamal Khashoggi zeigen sollen.
Der US-Sender CNN hat Bilder von Überwachungskameras veröffentlicht, die den saudischen Agenten namens Mustafa Madani mit den Kleidern von Jamal Khashoggi zeigen sollen.
Screenshot CNN
Saudiarabien bestätigt den Tod des Journalisten Jamal Khashoggi. (Archivbild)
Saudiarabien bestätigt den Tod des Journalisten Jamal Khashoggi. (Archivbild)
Virginia Mayo/AP, Keystone
Demokraten warnen vor möglichen Interessenkonflikten des US-Präsidenten im Fall Khashoggi: Trump bei einer Willkommenszeremonie im Murabba-Palast in Riad. (20. Mai 2017)
Demokraten warnen vor möglichen Interessenkonflikten des US-Präsidenten im Fall Khashoggi: Trump bei einer Willkommenszeremonie im Murabba-Palast in Riad. (20. Mai 2017)
Evan Vucci, AP, Keystone
Mike Pompeo sprach am Dienstag in Riad während rund 20 Minuten mit König Salman: Der US-Aussenminister mit König Salman im Palast in Riad.
Mike Pompeo sprach am Dienstag in Riad während rund 20 Minuten mit König Salman: Der US-Aussenminister mit König Salman im Palast in Riad.
Reuters
Pompeo soll den Schaden im Fall Khashoggi für die politischen Beziehungen zwischen den USA und Saudiarabien begrenzen. (16. Oktober 2018)
Pompeo soll den Schaden im Fall Khashoggi für die politischen Beziehungen zwischen den USA und Saudiarabien begrenzen. (16. Oktober 2018)
Leah Millis/Pool, Reuters
Mike Pompeo trifft auf dem Flughafen in Riad ein. (16. Oktober 2018)
Mike Pompeo trifft auf dem Flughafen in Riad ein. (16. Oktober 2018)
Leah Millis/Pool Photo via AP, Keystone
Nach einem Telefongespräch mit König Salman sagte US-Präsident Donald Trump, es habe danach geklungen, als ob ein «boshafter Killer» den Journalisten getötet haben soll: Kronprinz Muhammad bin Salman bei seinem Besuch im Weissen Haus. (20. März 2018)
Nach einem Telefongespräch mit König Salman sagte US-Präsident Donald Trump, es habe danach geklungen, als ob ein «boshafter Killer» den Journalisten getötet haben soll: Kronprinz Muhammad bin Salman bei seinem Besuch im Weissen Haus. (20. März 2018)
Jonathan Ernst, Reuters
Türkische Ermittler hatten zuvor bereits vermutet, dass der im US-Exil lebende Regierungskritiker im saudiarabischen Konsulat von Agenten seines Heimatlandes ermordet worden war.
Türkische Ermittler hatten zuvor bereits vermutet, dass der im US-Exil lebende Regierungskritiker im saudiarabischen Konsulat von Agenten seines Heimatlandes ermordet worden war.
Murad Sezer, Reuters
Türkische Ermittler durchsuchten acht Stunden lang das Gebäude in Istanbul.
Türkische Ermittler durchsuchten acht Stunden lang das Gebäude in Istanbul.
Murad Sezer, Reuters
Dort war der Journalist Khashoggi zuletzt gesehen worden.
Dort war der Journalist Khashoggi zuletzt gesehen worden.
Kemal Aslan, Reuters
Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen und setzte die Führung in Riad unter Druck: Ein Security-Mitarbeiter des saudiarabischen Konsulats in Istanbul. (14. Oktober 2018)
Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen und setzte die Führung in Riad unter Druck: Ein Security-Mitarbeiter des saudiarabischen Konsulats in Istanbul. (14. Oktober 2018)
Petros Giannakouris, Keystone
Drohte mit einer harten Strafe: US-Präsident Donald Trump wird am Flughafen in Ohio zum Fall Khashoggi befragt. (12. Oktober 2018)
Drohte mit einer harten Strafe: US-Präsident Donald Trump wird am Flughafen in Ohio zum Fall Khashoggi befragt. (12. Oktober 2018)
Evan Vucci, Keystone
Der Screenshot einer Überwachungskamera soll Jamal Khashoggi zeigen, wie er das Konsulat am 2. Oktober betritt.
Der Screenshot einer Überwachungskamera soll Jamal Khashoggi zeigen, wie er das Konsulat am 2. Oktober betritt.
Sabah Newspaper Handout, Keystone
Diese Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen angeblich Verdächtige in Istanbuls Flughafen Atatürk. (2. Oktober 2018)
Diese Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen angeblich Verdächtige in Istanbuls Flughafen Atatürk. (2. Oktober 2018)
Sabah Newspaper, AFP
Dieses Bild soll einen Privatjet zeigen, mit dem eine Gruppe saudischer Verdächtiger nach Istanbul gereist sind. (2. Oktober 2018)
Dieses Bild soll einen Privatjet zeigen, mit dem eine Gruppe saudischer Verdächtiger nach Istanbul gereist sind. (2. Oktober 2018)
Sabah Newspaper, AFP
Ein schwarzer Van fährt zum saudischen Konsulat. Die türkische Zeitung «Sabah» hatte die Bilder am 9. Oktober publik gemacht.
Ein schwarzer Van fährt zum saudischen Konsulat. Die türkische Zeitung «Sabah» hatte die Bilder am 9. Oktober publik gemacht.
Sabah Newspaper, AFP
US-Präsident Donald Trump wurde am Mittwoch in den Fall eingeschaltet. (10. Oktober 2018)
US-Präsident Donald Trump wurde am Mittwoch in den Fall eingeschaltet. (10. Oktober 2018)
Manuel Balce Ceneta/AP, Keystone
Washington werde der Sache auf den Grund gehen, sagte Trump. Luftaufnahme des saudischen Konsulats in Istanbul.
Washington werde der Sache auf den Grund gehen, sagte Trump. Luftaufnahme des saudischen Konsulats in Istanbul.
DHA/AP
Saudiarabien ist für die USA ein strategisch wichtiger Partner und ein wichtiger Absatzmarkt für US-Rüstungsgüter. Protest vor dem saudischen Konsulat in Istanbul. (9. Oktober 2018)
Saudiarabien ist für die USA ein strategisch wichtiger Partner und ein wichtiger Absatzmarkt für US-Rüstungsgüter. Protest vor dem saudischen Konsulat in Istanbul. (9. Oktober 2018)
Osman Orsal, Reuters
Spekulationen zufolge wurde ein Killerkommando auf den verschwundenen Regimekritiker Jamal Khashoggi angesetzt.
Spekulationen zufolge wurde ein Killerkommando auf den verschwundenen Regimekritiker Jamal Khashoggi angesetzt.
Mohammed Al-Shaikh, AFP
Wurde hier Khashoggi ermordet? Mitarbeiter betreten das Konsulat von Saudiarabien in Istanbul. (9. Oktober 2018)
Wurde hier Khashoggi ermordet? Mitarbeiter betreten das Konsulat von Saudiarabien in Istanbul. (9. Oktober 2018)
Bulent Kilic, AFP
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Für Saudiarabien sind die Absagen peinlich: Die Konferenz mit dem Namen Future Investment Initiative soll das Land als modernen und weltoffenen Treiber neuer Technologien feiern. Bei der Premiere im vergangenen Jahr hatte Kronprinz Muhammad bin Salman den Bau der neuen Vorzeigestadt Neom für veranschlagte 500 Milliarden Dollar verkündet.

So bestanden die Folgen der Affäre Khashoggi bislang nur aus schönen Worten und der Peinlichkeit einer Konferenz, die zur Lachnummer werden dürfte. «Alle hoffen, dass diese Sache schnell wieder verschwindet», sagt ein ranghoher Mitarbeiter einer Investmentfirma, der anonym bleiben will. «Die Abhängigkeiten sind zu gross, die Deals zu verlockend, als dass sich wirklich etwas ändern könnte.»

Softbanks heikler Entscheid

Die derzeit vielleicht grösste Gefahr für die saudischen Geschäfte liegt indes in Japan. Der Technologiekonzern Softbank befindet sich mitten in Gesprächen mit Riad über einen zweiten 100-Milliarden-Investmentfonds. Wie beim ersten Mal wollen die Saudis auch zu diesem 45 Milliarden Dollar beisteuern.

Vergangene Woche sagte ein hoher Softbank-Manager, man beobachte die Vorgänge, bevor weitere Entscheidungen getroffen würden. Am Ende wird sich Softbank entscheiden müssen, ob man einen kleineren Fonds ohne die saudischen Milliarden auflegt.

Der Fall Khashoggi: Was bisher geschah

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