Rekorde für Pensionskassen – doch ein Absturz geht schnell

Versicherte können sich freuen: Ihren Kassen für die 2. Säule geht es zurzeit exzellent. Doch Schwankungen an den Märkten könnten die Gewinne schnell wieder auffressen.

Die Pensionskassen sind so gut abgesichert wie schon lange nicht mehr.

Die Pensionskassen sind so gut abgesichert wie schon lange nicht mehr.

(Bild: Keystone)

Philipp Felber-Eisele@PhilippFelber

So gut ging es den Schweizer Pensionskassen seit der Finanzkrise nicht mehr. Laut einer Studie der Swisscanto liegt der Deckungsgrad bei privatrechtlichen Kassen im Durchschnitt bei 117,5 Prozent, etwas drunter ist die Zahl bei öffentlich-rechtlichen mit 111 Prozent. Gar fast 96 Prozent der privatrechtlichen Pensionskassen sind zu mindestens 100 Prozent gedeckt.

Heisst: Das vorhandene Geld der Pensionskasse reicht, um alle Rentenansprüche zu decken. Bei den öffentlich-rechtlichen sind es laut den Schätzungen in der Studie immerhin etwas über 90 Prozent.

Das sind erst einmal gute Neuigkeiten für alle Versicherten. Und die kommen unerwartet. «Das Jahr war bisher extrem aussergewöhnlich», sagt der Pensionskassenstudienleiter von Swisscanto, Marcel Baumann. Man habe im vergangenen Jahr erwartet, dass die Volatilität zunehmen werde. Also mehr Schwankungen an den Märkten erwartet wurden, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Pensionskassen, welche Gelder dort anlegen. «Diese Volatilität hat nun auf die positive Seite ausgeschlagen», sagt Baumann. Experten rechnen laut Baumann damit, dass es in Zukunft ruckartig nach oben oder eben auch nach unten gehen könnte. Deshalb sei es verfehlt, in Jubelstürme auszubrechen.

Plötzlich war die Reserve weg

Wie schnell das Pendel zurückschlagen kann, zeigt das Beispiel der letzten Finanzkrise. 2006 lag der Deckungsgrad laut Baumann bei 113,7 Prozent. Zwei Jahre später lag der Deckungsgrad noch bei 96,7 Prozent. Das könne auch heute, je nach wirtschaftlicher Lage, passieren, sagt Baumann.

Allerdings haben sich die Pensionskassen in der Folge als robust erwiesen. «Die Pensionskassen haben die Krise aber sehr gut überstanden», sagt Baumann. Die Prognosen damals seien weit schlechter gewesen, als es dann tatsächlich herausgekommen ist. «Das zeigt, dass die zweite Säule, wie sie heute besteht, eine sichere Vorsorge ist», sagt Baumann.

Hoffnungen auf Beteiligung

Die Versicherten können sich in diesem Jahr Hoffnungen machen, dass sie von den guten Geschäften der Kassen profitieren können. Denn bezüglich der Höhe des Deckungsgrads ist das durchschnittliche Ziel der privatrechtlichen Pensionskassen bei 117,1 Prozent.

Würde man am Ende des Jahres wirklich so hohe Zahlen wie heute ausweisen können, erwartet Baumann, dass die Versicherten davon profitieren. Dass also die Pensionskassen die Aktivversicherten entsprechend am ausserordentlich guten Resultat beteiligen.

Gutes Klima an der Börse

Auch Christoph Ryter von der Migros-Pensionskasse ist überrascht worden von der Performance in diesem Jahr. Diese liege bei der Pensionskasse der Migros im Moment bei einem Plus von 9 Prozent seit Januar. «Das hätten wir nie gedacht», sagt Ryter. Der Grund: Das Minuszinsumfeld hat eigentlich die Vorhersagen eingetrübt für dieses Jahr. Doch vom guten Klima an den Börsen und auch bei Immobilien, die weiterhin hohe Renditen abwerfen würden, hätten die Pensionskassen profitieren können.

Die Aussichten für das nächste Jahr sind laut Ryter weniger positiv. «Wegen des anhaltenden Tiefzinsumfelds gehen wir davon aus, dass die Performance im nächsten Jahr nicht so gut sein wird wie in diesem Jahr.» Allerdings fügt er an, dass Pensionskassen in ihren Erwartungen bewusst vorsichtig sind, um die Vermögen der Versicherten nicht zu gefährden. «Gewinne sind einfacher zu verteilen als Verluste», sagt Ryter.

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