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Pilatus' Gratwanderung in China

Dem Stanser Flugzeugbauer Pilatus liegt in China ein riesiger Absatzmarkt zu Füssen. Doch das Unternehmen muss genau definieren, wie viel technologisches Know-how es preisgeben will.

Teile für die PC-12 und die PC-6 will Pilatus künftig auch in China produzieren. Arbeiter in der Flugzeugfabrik bei Stans, Nidwalden, im November 2008.
Teile für die PC-12 und die PC-6 will Pilatus künftig auch in China produzieren. Arbeiter in der Flugzeugfabrik bei Stans, Nidwalden, im November 2008.
Gaetan Bally, Keystone

Airbus, Boeing und Bombardier sind schon vor langer Zeit in China gelandet. Die deutsche Lufthansa, zu der auch Swiss gehört, beschäftigt in China mehr als 2000 Mitarbeiter für die Wartung von Flugzeugen aller Art. Jetzt folgt auch der Stanser Flugzeugbauer dem Ruf des vielversprechenden chinesischen Marktes. Die «Neue Luzerner Zeitung» berichtete vor einigen Tagen, Pilatus habe im Dezember im zentralchinesischen Chongqing ein neues Werk eröffnet.

Ganz so weit sind die Nidwaldner Flugzeugbauer offenbar noch nicht. Man arbeite an einem Joint Venture mit einem chinesischen Partner, hiess es am Dienstag in einer Pressemitteilung der Pilatus-Werke. Dabei gehe es vor allem darum, in China einen neuen Absatzmarkt zu erschliessen.

Grösster Markt nach den USA

Die Expansion auf den chinesischen Markt ist ein logischer Schritt für jeden Flugzeugbauer mit Ambitionen – egal ob er riesige Passagiermaschinen oder kleine Propellerflugzeuge herstellt. Die Anzahl geflogener Stunden ist im Reich der Mitte seit Beginn des Jahrtausends steil nach oben geschossen. Die Münchner Beratungsfirma Euro Asia Consulting (EAC) schätzt den Bedarf an Flugzeugen in China bis im Jahr 2017 auf 5000 Stück. Bis im Jahr 2028 soll China nach den USA der grösste Absatzmarkt für Passagierflugzeuge sein und mehr als dreimal so viele Flugzeuge ordern wie Deutschland oder Grossbritannien.

Eine eigene Flugzeugindustrie hat China zwar bereits aufgebaut, doch bei technisch anspruchsvollen Komponenten sind die chinesischen Hersteller gemäss einer EAC-Studie noch auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Am Erwerb von Know-how zur Aufwertung der eigenen Fertigung sind chinesische Hersteller enorm interessiert. Wie für jedes westliche Technologieunternehmen wird das Engagement in China für Pilatus zur Gratwanderung zwischen Zurückhaltung und Preisgabe.

Beziehungsnetz aufbauen

Will ein ausländischer Flugzeughersteller seine Maschinen auf dem chinesischen Markt verkaufen, muss er zwar nicht mehr zwingend ein Joint Venture mit einem chinesischen Unternehmen eingehen. «Diese Local-Content-Anforderungen gibt es nur noch in der Autoindustrie und einigen anderen sensiblen Bereichen», erklärt der China-Experte Dietmar Kusch von der Euro Asia Consulting. «Wenn die Pilatus-Werke trotzdem ein Joint Venture mit einem chinesischen Hersteller eingehen, geht es dabei wahrscheinlich vor allem um den Aufbau von Kontakten», so Kusch.

«Die Flugzeugindustrie ist stark staatlich geprägt. Wer mit einer chinesischen Firma zusammenarbeitet, kann sich damit ein gutes Beziehungsnetz zur Regierung aufbauen», sagt China-Berater Kusch. Die militärische Industrie Chinas sei gegenüber dem Ausland jedoch noch extrem abgeschottet. Mit ausländischen Partnern werde hier kaum zusammengearbeitet. Langfristig könne die chinesische Industrie den Know-how-Erwerb im zivilen Bereich jedoch auch im militärischen Bereich nutzen. «Hier gibt es sicher positive Synergieeffekte», so Kusch.

Hochwertige Komponenten

Im zivilen Bereich hat China mit der Commercial Aircraft Corporation of China (Comac) ein eigenes Produktionskonglomerat ins Leben gerufen, das gemäss EAC rund 6000 Arbeiter beschäftigt. Airbus und Boeing lassen bereits einen erheblichen Teil ihrer Komponenten in China produzieren und verlangen dabei die Einhaltung internationaler Qualitätsstandards. Im kommenden Jahr will China mit der ersten Eigenentwicklung eines Mittelstrecken-Passagierflugzeugs erste Testflüge unternehmen. Der Beitrag ausländischen Know-hows spielt beim Bau der C919 eine zentrale Rolle.

Know-how schützen

Wenn westliche Flugzeugbauer mit chinesischen Partnern zusammenarbeiten und einheimische Mitarbeiter ausbilden, begeben sie sich stets auf eine Gratwanderung. Wenn die Berater von EAC westliche Flugzeugbauer bei ihrer Expansionsstrategie in China begleiten, raten sie immer dazu, genau zu definieren, welches Know-how sie in die lokale Wertschöpfungskette einbringen und welches Wissen sie für sich behalten wollen.

Dazu könnten zum Beispiel Systemkomponenten in einzelne Sätze zerlegt werden und das Wissen über die Zusammensetzung könnte bei der Muttergesellschaft verbleiben. Ausserdem sei es wichtig, dafür zu sorgen, dass die gut ausgebildeten Mitarbeiter das Unternehmen nicht wieder auf dem schnellsten Weg verlassen. Das Management von Pilatus ist gut beraten, wenn es sich hier die Erfahrungen anderer China-Abenteurer zunutze macht.

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