«Paradise Papers» zeigen heikle Geschäfte von Schweizer Firmen

Paradise Papers Ein neues Datenleck enthält die Namen des Rohstoffhändlers Glencore sowie bekannter Politiker und Berühmtheiten. Es zeigt, wie diese über Steueroasen zwielichtige Geschäfte tätigen.

Taucht in den «Paradise Papers» auf: SBB-Präsidentin Monika Ribar. (Archiv)

Taucht in den «Paradise Papers» auf: SBB-Präsidentin Monika Ribar. (Archiv) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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1,4 Terabyte Daten der internationalen Kanzlei Appleby, dazu neunzehn Firmenregister aus Steueroasen – das umfassen die 13,4 Millionen Dokumente der Paradise Papers. Sie zeigen etwa heikle Geschäfte und Steuertricks von internationalen Grosskonzernen – darunter manches Unternehmen mit Sitz in der Schweiz.

In den Daten finden sich Prinzessinnen, Premierminister, Oligarchen und Spitzensportler. Hunderte Journalisten, darunter ein Team von «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung», haben in den Daten recherchiert und die Kanzleikunden unter die Lupe genommen.

Glencores dubiose Geschäfte

Eine Sonderrolle unter Applebys Klienten nimmt Glencore ein. Über 30 000 Dokumente im Leck betreffen allein die Geschäfte des Zuger Rohstoffriesen, und sie ­zeigen korruptionsverdächtige Geschäfte im Zusammenhang mit Bergbaulizenzen im Kongo. Demnach soll Glencore einen dubiosen israelischen Geschäftsmann namens Dan Gertler dafür bezahlt haben, dem Unternehmen im Kongo Minenbeteiligungen und Lizenzen unter deren eigentlichem Wert zu sichern.

Gertler steht auf zahlreichen Warnlisten für Investoren – was Glencore nicht davon abhielt, während zehn Jahren mit ihm Geschäfte zu machen. Im Mai 2013 rechnete der spätere CEO der Credit Suisse, Tidjane Thiam, zusammen mit Kofi Annan und anderen Wirtschaftsführern in einer Studie vor, wie der Kongo allein in fünf Deals mit Offshorefirmen, die alle in Verbindung standen mit Dan Gertler, 1,3 Milliarden Dollar verlor.

Monika Ribars heikles Mandat

Ebenfalls in den Paradise Papers aufgetaucht ist der Name von SBB-Präsidentin Monika Ribar – im Zusammenhang mit dem angolanischen Staatsvermögen. Angola hat die Verwaltung seines 5 Milliarden schweren Staatsfonds in die Hände des schweizerisch-angolanischen Unternehmers Jean-Claude Bastos gelegt, einem rechtskräftig verurteilten Wirtschaftskriminellen und guten Freund des ehemaligen Staatspräsidenten Angolas.

Die Paradise Papers zeigen: Bastos verdient mit dem Mandat so viel, dass er sich allein 2014 und 2015 Dividenden von 41 Millionen Dollar auszahlen konnte. Zudem lässt Bastos den Staatsfonds Hunderte Millionen in seine eigenen Projekte investieren, darunter ein Hafen und ein ultramodernes Hochhaus in Angola.

Im Hafenprojekt, für das der Staatsfonds 180 Millionen Dollar gesprochen hat, war SBB-Präsidentin Monika Ribar involviert. Sie sass bis im Juni 2016 im Verwaltungsrat einer Bastos-Firma auf den Britischen Jungferninseln, die für die Finanzierung des Hafens zuständig ist. Dafür erhielt Ribar gemäss einer internen E-Mail eine Jahresentschädigung von 100 000 Dollar.

Hat Ribar diese Summe er­halten – und wenn ja, für welche Gegenleistung? Sie habe «an mehreren Sitzungen teilgenommen, davon an zweien in Angola vor Ort», schreibt Ribar – und «weist freundlich darauf hin», dass Capoinvest als private Firma Honorare nicht offenlegen müsse. Den Vorwurf, in ein zweifelhaftes Geschäft involviert gewesen zu sein, weist Ribar von sich.

Bastos konnte auch weitere Schweizer Prominente für En­gagements gewinnen, darunter Alt-Bundesrätin Ruth Metzler oder Ex-Deza-Chef Walter Fust.

Und immer wieder Russland

Auch aktuelle Politiker tauchen in den Papers auf: «Dieser Kerl weiss, wie man Geld verdient», hat US-Präsident Donald Trump die Qualifikation seines Handelsministers Wilbur Ross erklärt.

Die Paradise Papers enthüllen: Ross hält über ein komplexes Offshoregeflecht Anteile an der Reederei Navigator, die für den staatsnahen russischen Energiekonzern Sibur Flüssiggas transportiert und dem Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehört.

Besonders brisant: Die Beteiligung an Navigator hat Ross vor seinem Amtsantritt im Fe­bruar nicht aufgelöst. Als er während der Senatsanhörungen jedoch auf etwaige Geschäftsbe­ziehungen mit Russland und ­mögliche Interessenkonflikte angesprochen wurde, erwähnte Ross die Reederei mit keinem Wort.

Experten sehen im Fall Sibur allerdings erhebliche potenzielle Interessenkonflikte. Als Handelsminister hat Ross Kon­trolle über die US-Handelspolitik.

Die Enthüllung könnte Ross und die Regierung von US-Prä­sident Donald Trump nun weiter in Bedrängnis bringen – Sonderermittler Robert Mueller untersucht seit Monaten die Kontakte zwischen Trumps Team und Moskau.

Auch die Diskussion um die Beeinflussung des US-Präsidentschaftswahlkampfs via Twitter und Facebook dürfte durch die Enthüllungen der Paradise Pa­pers an Schärfe gewinnen: Die Dokumente zeigen, dass der Kreml den russischen Star­investor Juri Milner bei seinem Einstieg in die beiden Social-Media-Unternehmen Twitter und Facebook vor einigen Jahren mit Hunderten Millionen Dollar ausgestattet hat. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.11.2017, 08:02 Uhr

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