«Papiergeld wird sich behaupten»

Die Landqart AG in Landquart stellt das Sicherheitspapier für die neuen Banknoten her. Im Interview sagt der Verwaltungsratspräsident des kanadischen Mutterkonzerns Fortress Paper, wie er die Zukunft von Papiergeld einschätzt.

Chadwick Wasilenkoff, Verwaltungsratspräsident von Fortress Paper.

Chadwick Wasilenkoff, Verwaltungsratspräsident von Fortress Paper.

(Bild: zvg)

Jon Mettler@jonmettler

Chadwick Wasilenkoff, wie ist es zur Zusammenarbeit zwischen der Papierfabrik Landqart und der Nationalbank gekommen?Chadwick Wasilenkoff: Seit 1979 ist die Landqart AG der alleinige Zulieferer der Nationalbank für das Banknotenpapier. 2004 entschied sich die Nationalbank, zusammen mit der Landqart AG das sicherste Material der Welt zu entwickeln. In Kooperation mit der ETH Zürich ist die Durasafe-Technologie entstanden. Marokko und Kasachstan nutzen dieses Substrat bereits für ihre Geldscheine. Als dritte Notenbank der Welt druckt nun die Schweizerische Nationalbank ihre neueste Geldserie auf Durasafe-Papier.

Inwiefern unterscheidet sich Durasafe von anderem Geldpapier? Durasafe ist ein dreilagiges Material. Es besteht aus zwei Schichten Baumwollpapier und einem Kern aus Kunststoff. Das erlaubt es, eine Vielzahl von Sicherheitsmerkmalen in einen Geldschein einzufügen. Diese Elemente bestehen aus durchsichtigen und halbdurchsichtigen Fenstern aus verschiedenen Formen, Grössen und Positionen. Das macht es extrem schwierig, die neuen Schweizer Banknoten nachzuahmen.

Wie schwierig? Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es in unserem Geschäft nicht. Wir legen den Fälschern aber so viele Steine in den Weg wie möglich. Die neue 50-Franken-Note setzt da weltweit neue Standards. Was wir beobachten: Wenn es für die Falschmünzer aufgrund neuer Sicherheitselemente aufwändiger wird eine bestimmte Währung zu kopieren, weichen sie auf einfachere Noten aus.

Ursprünglich wollte die Nationalbank im Jahr 2008 mit der Produktion der neuen Banknote beginnen. Es gibt Kritik, dass die Landqart AG Mitschuld an der Verzögerung trage. Die Schweiz hat sich mit ihren neuen Banknoten ambitiöse Ziele gesetzt. Es kommen mehrere neue Sicherheitsmerkmale zum Einsatz, die es so noch nicht gegeben hat. Die hohe Komplexität führte zu den Verzögerungen. Tatsache ist, dass Durasafe seit 2012 marktreif ist.

In Europa gibt es Diskussionen, ob es Noten mit hohem Wert überhaupt noch braucht. Wie sehen Sie die Zukunft des Papiergeldes? Ich bin zuversichtlich, dass sich Papiergeld behaupten wird. Ich kenne die Argumentation der Europäischen Zentralbank: Werden Scheine mit hohem Wert abschafft, dann verringert das kriminelle und terroristische Aktivitäten. Allein: Kriminelle und Terroristen ändern ihr Verhalten nicht, nur weil keine 500-Euro-Scheine mehr im Umlauf sind. Sie werden dann halt fünf 100-Euro-Scheine nutzen. Das wiederum erhöht die Nachfrage nach Banknoten.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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