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MCH Group braucht Investoren

Der Verwaltungsrat räumt Fehler ein und teilt seine neue Strategie mit. Aus eigener Kraft lässt sich diese aber nicht umsetzen.

Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer (3. v. l.) spricht an der Generalversammlung in Basel. Foto: Keystone
Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer (3. v. l.) spricht an der Generalversammlung in Basel. Foto: Keystone

Mit jeweils deutlich über 70 Prozent der Stimmen schmetterten gestern die Aktionäre der MCH Group Anträge auf eine Sonderprüfung, die Offenlegung von Geschäftsbüchern und eine Statutenänderung ab. Die Anträge stammten allesamt aus der ­Feder des Zürcher Grossaktionärs Erhard Lee. Dieser ist Vertreter der AMG Fondsverwaltung AG in Zug, die rund 10 Prozent der Aktien hält. Lee, der mit MCH-Aktien einen Verlust im zweistelligen Millionenbetrag eingefahren haben dürfte, will den Verwaltungsrat weiter unter Druck setzen, um seinen Einfluss zu stärken und die Entpolitisierung des Konzerns voranzutreiben.

Die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Zürich sowie die Stadt Zürich halten zusammen 49 Prozent der Aktien und stellen sechs der maximal elf Verwaltungsräte. Da eine Stimmrechtsbegrenzung bei einer Beteiligung von über fünf Prozent greift, konnten die staatlichen Aktionäre bis jetzt nach Belieben schalten und walten.

«Wir haben gezielt Fragen gestellt, um Schwachstellen offenzulegen», sagte Lee gestern vor den Aktionären im Basler Kongresszentrum. Bereits Anfang Woche hatte die MCH Group 39 seiner Fragen auf ihrer Website beantwortet. Gestern kamen weitere hinzu. «Eine Entschuldigung reicht nicht», sagte er. Und er legte den Finger in offene Wunden: beim Lausanner Engagement der MCH Group etwa, wo in zehn Jahren ­Verluste von über 50 Millionen Franken angehäuft wurden, oder bei der Luxus-Automesse Grand Basel, die in kurzer Zeit 34,4 Millionen Franken in den Sand setzte.

Transformation eingeleitet

Ohnehin bezeichnete er den politischen Einfluss auf den Konzern als zu gross. Ulrich Vischer, Präsident des Verwaltungsrates, versprach «umfassende ­Transparenz und Korrektheit». Er machte aber auch klar, dass aus rechtlicher Sicht eine Aktionärsgruppe nicht bevorzugt ­behandelt werden dürfe. Inzwischen habe die MCH Group einen tiefgreifen­den Transformationsprozess eingeleitet und das Geschäftsmodell neu ausgerichtet. «Wir fokussieren uns auf unser Kerngeschäft, aber neu mit hybriden Plattformen und attraktiven Communitys», sagte er.

Gegenwärtig ist die MCH Group mit Investoren in ­Verhandlungen. Gemäs Lee befindet sich darunter auch ein chinesischer Milliardär, der Interesse an der ­Kunstmesse Art Basel bekundet. Denkbar wäre es auch, die Sparte Live Marketing Solutions, für 40 Prozent des Gruppenumsatzes zuständig, oder die zuletzt arg kriselnde Baselworld in eigene ­Gesellschaften auszugliedern oder zu ­verkaufen. Nur mit frischem Kapital, so ­Vischer, ­lasse sich die neue Strategie finanzieren. Lee will in den nächsten drei Monaten abklären, ob er die gestern abgelehnte Sonderprüfung auf gerichtlichem Weg durchsetzen will.

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