Zum Hauptinhalt springen

Konsumieren statt kaufen Von Kurt Haupt, sda/MID Hintergrund

Die technische Entwicklung verändert den Musikgenuss permanent.

Nach dem Wechsel von analogem Vinyl zu digitalen CD kommt nun die nächste Revolution. Für den Preis einer CD kann man 13 Millionen Songs mieten. Audiophile kaufen stattdessen Musik in HD- Audioqualität im Internet. Diese bieten bessere Qualität als eine CD liefern kann. Die einen klauben mit freudig zitternden Fingern ihre neuste Musik-CD aus der Hülle und betten sie liebevoll in den CD-Player. Andere tapsen ein wenig auf ihrem Smartphone herum, um die nächste Stunde Musikprogramm aus Millionen gemieteter Songs zusammenzuklicken. Vom Sammler zum Dateiverwalter: Wie schnell technische Möglichkeiten den Alltag verändern, zeigt sich beim Musikkonsum. Jahrzehntelang war klar, dass man Musik auf irgendwelchen Scheiben oder Kassetten kauft und sie dann in passenden Geräten abspielt. Dann kam MP3 und machte Musik zur Datei. Dadurch liess sich Musik im Internet kaufen und klauen, per E-Mail verschenken und im ganzen Haus drahtlos verteilen. Die Abspielgeräte unterwarfen sich der Technik, das heisst, eine gute Stereoanlage musste nicht nur Scheiben abspielen sondern auch mit MP3-Dateien zurechtkommen. Der Musikfreund verwandelte sich parallel vom Sammler hübscher Scheiben und Verpackungen zum Dateiverwalter. Statt CD-Regale tauchten in Wohnzimmern plötzlich USB-Sticks und Festplatten auf. Der Umgang mit Computerdateien betrachten einige Musikfans aber nicht nur als lustfeindlich sondern auch als kompliziert. Statt liebevollem Abstauben müssen sie sich plötzlich um Datensicherung, Kopierschutzsperren und Formatkonversionen kümmern. Streamen statt kaufen «Ich hab alle Musik, du kannst sie bei mir mieten» versprechen nun mehrere Musikdienste den technisch überforderten Musikfreund. Das Angebot tönt verlockend: So können beispielsweise die Premium- Kunden von Spotify und Simfy für 10 bis 15 Franken monatlich auf eine Musikbibliothek mit über 10 Millionen Titeln zugreifen und daraus unbeschränkt viel Musik abspielen. Um diese Streamingdienste zu nutzen braucht man einerseits einen Internetanschluss, eine Kreditkarte und auch ein passendes Abspielgerät. Gestreamte Musik lässt sich komfortabel am PC geniessen und recht einfach auch an Smartphones mit Apple- Betriebssystem (iOS), Android oder Windows konsumieren. Damit der Musikgenuss unterwegs nicht die Handyrechnung belastet, können einzelne Songs bereits zu Hause via Wireless-LAN auf dem Mobilgerät gespeichert und dann unterwegs ohne Internetverbindung gehört werden. Übliche Stereoanlagen können mit Streamingdiensten wie Spotify und Simfy meist nichts anfangen. Erst wenige Anbieter von spezialisierten Hi-Fi-Geräten wie Sonos, Philips (Streamium), Onkyo und Logitech (Squeezebox) integrieren dieses Musikangebot in ihre Geräte. «Digitalmatsch» contra Audiophiles Dass Streamingdienste die heimische Plattensammlung nicht sofort ablösen, hat hauptsächlich qualitative Gründe. Die spitzen Ohren von audiophilen Musikgeniessern bezeichnen via Internetstrom angelieferte Musik nämlich abschätzig als «Digitalmatsch». Denn damit die Musik unterbruchsfrei auch auf langsameren Verbindungen angeliefert werden kann, wird sie komprimiert. Dabei gehen Details des akustischen Originals verloren. Erste Streamingdienste dampften die Musik auf lediglich 64 bis 128 Kilobits pro Sekunde (kbit/s) ein, was ein deutlich hörbarer Verlust bedeutete. Moderne Streaming-Anbieter versprechen nun dank einer Bandbreite von 320 kbit/s beinahe CD-Qualität. Doch auch für audiophile Ohren hält das Internet gute Neuerungen bereit. Internet-Musikhändler wie Highresaudio, Highresload, Qobuz oder Lynn liefern ihren Kunden spezielle Musikdateien für High-End- Audiogeräte. Die Qualität dieser digitalen Musik übertrifft sogar jene von Audio-CDs. Denn die silbrige Musikscheibe basiert noch immer auf den technischen Möglichkeiten der 80er-Jahre. Heutige Aufnahme- und Digitalisiertechnik lässt deutlich bessere Qualität zu. Solche audiophilen Audiodateien lassen sich bei obigen Spezialanbietern kaufen und auf die Festplatte laden. Von dort gelangen sie dann zu Audioabspielern, die solche HD-Audio-Dateien wieder in analoge Musik mit bisher ungekannter Originaltreue umwandeln. Eine solche verlustfreie Audiodatei mit maximaler Qualität (24 Bit Auflösung bei 192 Kilohertz Abtastrate) belegt dann aber rund 100-mal mehr Speicherplatz als ihr Pendant im MP3-Format.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch