«Wir sehen den Handelsstreit sogar als Chance für uns»

Die USA und China decken sich mit Strafzöllen ein. Magdalena Martullo sieht darin keine Gefahr für Ems-Chemie und die Wirtschaft.

Magdalena Martullo: Die SVP-Nationalrätin führt die Chemieherstellerin Ems-Chemie seit 2004. (Bild: Reuters/Arnd Wiegmann, 8. Februar 2013)

Magdalena Martullo: Die SVP-Nationalrätin führt die Chemieherstellerin Ems-Chemie seit 2004. (Bild: Reuters/Arnd Wiegmann, 8. Februar 2013)

Die USA und China liefern sich mit immer neuen Zöllen auf immer mehr Importprodukten einen Handelskrieg. Was heisst das für Ems-Chemie?
Die Strafzölle treffen uns nicht, denn wir liefern nicht aus China in die USA oder umgekehrt. Die Hälfte unserer Produktion ist hier im Kanton Graubünden. Vor Ort im Ausland findet dann die Weiterverarbeitung unserer Kunststoffe statt.

Von den Zöllen sind aber Ihre Kunden - die Autobauer in den USA, in China und in Europa - betroffen. Wenn Daimler weniger Fahrzeuge in die USA exportiert, wirkt sich das auch auf Ihr Unternehmen aus.
Weltweit werden sehr wenige Fahrzeuge über Kontinente verschoben. Die Strafzölle können dort zwar zu Verschiebungen zwischen den Regionen und den Automarken führen. Wir sind aber weltweit Zulieferer der Branche und verfügen überall über die gleichen Margen. Wir sehen den Handelsstreit sogar als Chance für uns.

Inwiefern?
Wir haben Konkurrenten, die praktisch nur aus den USA oder China heraus liefern. Hier versuchen wir, das Geschäft zu übernehmen. Wir in der Schweiz sind ja nicht in diese Grossmachtkonflikte involviert. Wir haben frühzeitig unsere Kunden auf das Problem aufmerksam gemacht und uns als innovative Alternative präsentiert.

Wer wird als Sieger aus dem Handelsstreit hervorgehen?
Ich denke, dass dieses Hin und Her noch einige Zeit anhält. Derzeit spricht die US-Regierung davon, dass Waren im Handelswert von 250 Milliarden Dollar mit Strafzöllen belegt werden. Später kommen eventuell weitere Produkte und Firmen dazu. Bei einem Importvolumen aus China von 500 Milliarden Dollar ist Trump dann ausgeschossen. China ist schon früher an diesem Punkt angelangt, weil es nur Waren im Wert von 130 Milliarden Dollar aus den USA importiert.

Die Autoindustrie fürchtet einen Verkaufseinbruch. Daimler gab bereits eine Gewinnwarnung heraus. Wie stark trifft Sie das?
Gar nicht, da wir alle Autohersteller weltweit beliefern. Die USA und China haben ihre Zölle erst vor einer Woche eingeführt. Es sind noch keine Auswirkungen im Automarkt sichtbar. Die Autoindustrie läuft nach wie vor gut.

Droht bald der grosse Einbruch?
Nein, die Anzahl betroffener Fahrzeuge ist sehr klein. Es sind ausgewählte, meist Luxusmodelle, die nach Übersee transportiert werden. Diese sind nicht sehr preissensibel. Wenn Luxusautos teurer werden, macht sie das sogar noch viel exklusiver.

Dann bereitet Ihnen der Handelsstreit keine schlaflosen Nächte?
Nein, er betrifft uns nicht. Natürlich kann er die Konjunktur beeinflussen, wenn die Konsumenten verunsichert werden und weniger konsumieren. Die EU-Kommission hat die Wachstumsprognose für Europa leicht gesenkt. In den USA und in China läuft die Wirtschaft nach wie vor gut. Die Konjunktur schätze ich weiterhin als positiv ein, auch wenn die Finanzmärkte seit Anfang Jahr Rückgänge verzeichneten.

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