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Was bedeutet dieser Rekord-Verlust?

Mit 30 Milliarden Franken weist die Nationalbank den grössten Quartalsverlust aller Zeiten aus. Bund und Kantone dürften dieses Jahr leer ausgehen. Wie die Arbeit der Währungshüter aufgrund dieser Zahlen einzuschätzen ist.

Die Geldpolitik der SNB ist nicht an ihren Gewinn- und Verlustausweisen zu messen.
Die Geldpolitik der SNB ist nicht an ihren Gewinn- und Verlustausweisen zu messen.
Keystone

Innerhalb eines Quartals hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren letztjährigen Gewinn von 38 Milliarden Franken grösstenteils wieder aufgezehrt: Für die ersten drei Monate 2015 weist das Noteninstitut einen Verlust von 30 Milliarden aus. Dies ist der bei weitem höchste Fehlbetrag, den die SNB je erzielt hat. Der bisherige Negativrekord – ein Verlust von 18,5 Milliarden – stammte aus dem zweiten Quartal 2013. Damaliger Hauptgrund für die roten Zahlen waren Bewertungsverluste auf dem Goldbestand.

Dieses Mal hat der Entscheid der Nationalbank von Mitte Januar, den Euromindestkurs aufzugeben, die Bilanz verhagelt. Die seitherige Aufwertung des Frankens gegenüber allen wichtigen Währungen hatte zur Folge, dass die Devisenbestände der SNB per Ende März gut 41 Milliarden Franken an Wert verloren haben. Die gleichzeitige Werteinbusse auf ihrem Goldbestand von 1 Milliarde verblasst da schon fast. Den Zinserträgen und Kursgewinnen auf Anleihen sowie dem günstigen Börsenumfeld ist es schliesslich zu verdanken, dass der Quartalsverlust auf 30 Milliarden beschränkt blieb. Kleine Bemerkung am Rande: Die von der SNB seit dem 22. Januar erhobenen Negativzinsen auf den Girokonten bescherten ihr Einnahmen von 236 Millionen.

Bund und Kantone dürften 2015 leer ausgehen

Auch wenn die Quartalsergebnisse der SNB naturgemäss enorm schwanken, weil die Kursverläufe an den Finanzmärkten ungemindert auf ihre Devisen- und Goldbestände durchschlagen, darf eine Prognose gewagt werden: Für das laufende Gesamtjahr steht ein Gewinn ausser Reichweite, weshalb Bund und Kantone leer ausgehen dürften. Dafür waren die Kurseinbussen ausländischer Währungen gegenüber dem Franken im Berichtsquartal zu ausserordentlich. Allein der Euro – auf den Ende März 42,5 Prozent aller Devisenanlagen der SNB entfielen – hat in den ersten drei Monaten 2015 über 13 Prozent an Wert verloren. Zugegeben: Die Wechselkursschwankungen sind seit Aufhebung des Euromindestkurses wieder stärker geworden, doch Ausschläge wie kurz nach dem Entscheid der Nationalbank vom 15. Januar liegen weit jenseits der Normalität.

In dem Zusammenhang gilt es einmal mehr daran zu erinnern, dass die Geldpolitik der SNB nicht an ihren Gewinn- und Verlustausweisen zu messen ist. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Das SNB-Direktorium bestimmt den monetären Kurs anhand seiner stabilitäts- und wirtschaftspolitischen Lageeinschätzung, und als Folge davon verändern sich die Bewertungen der von der SNB gehaltenen Vermögensbestände. Damit erklärt sich zum Beispiel, weshalb das Noteninstitut – im Unterschied zu gewinnorientierten Unternehmen – keine Absicherung seiner Fremdwährungsanlagen vornimmt. Denn solche «Hedgings» stehen im Widerspruch zum klaren Primat der Geldpolitik und können diesem sogar zuwiderlaufen.

Kritiker werden der Nationalbank nun vorhalten, sie habe sich den 30-Milliarden-Verlust selbst eingebrockt. In der Tat hätte ihr Quartalsabschluss bei einer fortgesetzten Verteidigung des Euromindestkurses heute ganz anders ausgesehen. Möglicherweise wäre unter dem Strich sogar ein Gewinn möglich gewesen. Ganz sicher aber hätte sich die SNB-Bilanzsumme nicht wie heute auf gut 580 Milliarden Franken belaufen, sondern auf 680 oder gar 780 Milliarden. Dass mit einer solch gewaltigen Aufblähung – bedingt durch weitere unumgängliche Eurozukäufe – auch die Bewertungsrisiken massiv zugenommen hätten, versteht sich von selbst.

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