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US-Notenbank schichtet ihre Anleihen um

Die Federal Reserve greift zur Unterstützung der lahmenden Konjunktur erneut in die Trickkiste. Bis Mitte des nächsten Jahres will sie langfristige Anleihen im Wert von 400 Milliarden Dollar kaufen.

Belässt den Leitzins auf historisch niedrigem Niveau: Chef der US-Notenbank Ben Bernanke in Washington. (Archivbild)
Belässt den Leitzins auf historisch niedrigem Niveau: Chef der US-Notenbank Ben Bernanke in Washington. (Archivbild)
Reuters

Die US-Notenbank Fed setzt ihre Politik des günstigen Geldes fort, um die schwächelnde US-Konjunktur anzukurbeln. Sie werde bis Mitte kommenden Jahres 400 Milliarden Dollar in die Hand nehmen, um lang laufende Anleihen zu erwerben, teilte die Federal Reserve heute in Washington mit.

Parallel sollen aus der auf gut 2,9 Billionen Dollar aufgeblähten Bilanz der Fed kurz laufende Treasuries mit Laufzeiten unter drei Jahren im selben Umfang verkauft werden.

Fed-Chef Ben Bernanke will mit dem an die sogenannte «Operation Twist» der Notenbank von 1961 angelehnten Schritt die langfristigen Zinsen senken. Dadurch werden - so das Kalkül - Kredite tendenziell billiger. Dies soll Wirtschaft und Konsumenten helfen. Wall Street und Devisenmarkt goutierten die Aktion der Zentralbank zunächst. Im Handelsverlauf drehte der Leitindex Dow Jones jedoch wieder ins Minus. Die Rendite der zehnjährigen US- Staatsanleihe fiel auf das tiefste Niveau seit mehr als 60 Jahren.

Leitzins unverändert

Ihren Leitzins beliessen die Notenbanker bei der auf zwei Tage verlängerten Sitzung des für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses wie erwartet bei 0 bis 0,25 Prozent. Die wirtschaftliche Lage bleibe schwach, vor allem der Arbeitsmarkt bereite weiterhin Sorgen, hiess es im Begleitkommentar zu dem Beschluss.

Die Achillesferse der US-Wirtschaft bleibt der Häusermarkt, wo die Krise 2007 begonnen hatte. Zusätzlich zu «Twist II» will die Fed deshalb auslaufende hypothekenbesicherte Anleihen und andere Immobilienpapiere in ihren Beständen wieder ersetzen.

Bei ihren neuen Anleihekäufen peilt die Fed vor allem Treasuries mit Laufzeiten zwischen sechs und 30 Jahren an. Abgewickelt werden sollen die Geschäfte wie immer von der New Yorker Filiale der Notenbank.

Die historische erste Operation Twist fand 1961 statt: Auch damals «drehte» die Fed ihr Anleihedepot auf längere Laufzeiten. An den Finanzmärkten war mit der «Operation Twist II» gerechnet worden. Eine echte weitere geldpolitische Lockerung - im Fachjargon QE3 genannt - war zuletzt hingegen als nicht mehr besonders wahrscheinlich erachtet worden.

Hohe Risiken

Der weitere massive Ankauf von Staatsanleihen birgt einerseits hohe Risiken. Andererseits sorgten bereits Spekulationen auf QE3 (Quantitative Easing 3) für heftigen politischen Gegenwind für Fed- Chef Bernanke. Dass die Fed handeln musste, stand jedoch selbst bei vielen Kritikern von Bernankes Kurs ausser Frage. Allerdings stimmten wie bereits bei der letzten FOMC-Sitzung drei Notenbanker gegen den Beschluss.

Anfang August hatte die Fed erklärt, sie werde wohl für zwei Jahre ihren Leitzins bei faktisch null Prozent belassen. Dieses Mal bekräftigte Bernanke dieses Versprechen, welches bei vielen Fachleuten und in der Politik für Kopfschütteln gesorgt hatte.Die Fed stemmt sich mit ihren Massnahmen gegen eine sich abzeichnende deutliche Abkühlung, wenn nicht gar eine neue Rezession in den USA in den nächsten Monaten.

Hinzu kommt der schwache Arbeitsmarkt. Derzeit finden gut 14 Millionen US-Amerikaner, die arbeiten wollen, keinen Job. US- Präsident Barack Obama hatte deshalb kürzlich ein milliardenschweres Konjunkturprogramm angekündigt.

SDA/wid

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