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Trumps Einreisestopp und der schwarze Donnerstag an den Börsen

Crash an den Aktienmärkten: Grosse Indizes verlieren heute teils weit über 10 Prozent. Die CS stürzt um 16 Prozent ab. Rückblick auf einen Tag für die Geschichtsbücher.

Er sorgte in der vergangenen Nacht mit seinem Einreisestopp für Aufsehen: Donald Trump bei seiner Corona-Rede. Foto: Reuters
Er sorgte in der vergangenen Nacht mit seinem Einreisestopp für Aufsehen: Donald Trump bei seiner Corona-Rede. Foto: Reuters

Das überraschende US-Einreiseverbot für Personen aus Europa stürzt die internationalen Börsen in neue Turbulenzen und lässt die wichtigen Börsen teils um mehr als 10 Prozent abstürzen. Donald Trump liess in der europäischen Nacht die Bombe platzen und verhängte einen Einreisestopp für Bürger aus der EU (zum Bericht).

«Das ist eine massive Überreaktion von US-Präsident Donald Trump», sagte ein Marktbeobachter. «Die Volkswirtschaften und Finanzmärkte werden den Preis dafür bezahlen müssen.» Die Folgen könnten noch in Monaten, wenn nicht sogar Jahren spürbar sein.

Auch Enttäuschung über die Massnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus drückte die Stimmung (zum Ticker).

Nach einem bereits schwachen Morgen ging es am Nachmittag verschärft nach unten, wobei es phasenweise kein Halten mehr gab. «Die Börsen sind ausser Rand und Band. Alle wollen nur noch verkaufen», hiess es denn auch im Handel.

Zinssenkung? Vergebens darauf gesetzt

Der Schweizer Aktienindex SMI verlor zeitweise über 10 Prozent. Bei Börsenschluss waren es 9,64 Prozent und 8270 Zähler. Einen ähnlich grossen Verlust innerhalb eines Tages gab es letztmals bei Aufhebung des Euromindestkurses vor fünf Jahren. Beim bislang grössten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen liessen, gab es den SMI noch nicht. Er wurde am 1. Juli 1988 erstmals veröffentlicht.

Seit dem Allzeithoch bei 11'270 Punkten, welches vor genau drei Wochen markiert wurde, hat der SMI inzwischen rund 3000 Punkte oder 27 Prozent eingebüsst. Die Bedingungen eines Bärenmarkts - ein Minus von 20 Prozent gegenüber dem Höchststand - sind damit laut Börsianern klar erfüllt.

Auf Wochensicht ergibt sich mit dem heutigen Kurssturz bereits wieder ein Minus von 15 Prozent, und im Vergleich zu Ende 2019 steht der SMI momentan 22 Prozent tiefer. Mittlerweile hat der SMI auch den Schlussstand des Jahres 2018, der bei 8429 Zählern liegt, unterschritten. Das heisst mit anderen Worten: die ganzen Gewinne des letzten Jahres (SMI 26 Prozent) wurden in kürzester Zeit wegradiert.

Noch schlimmer als die Schweizer Börse traf es heute Frankfurt und Paris: Deren Indizes für die wichtigsten Werte gaben um über 12 Prozent nach. Der Euro Stoxx 50 stürzte ähnlich stark ab.

Für die deutsche Börse ist es der zweitgrösste Tagesverlust ihrer Geschichte. Auch der US-Standardwerteindex Dow Jones brach zeitweise um mehr als 10 Prozent ein. Das ist der grösste Kurssturz seit dem «Schwarzen Montag» von 1987.

Entgegen den Erwartungen beliess die EZB den Einlagenzins unverändert bei minus 0,5 Prozent. Sie kündigte aber die Aufstockung ihrer Wertpapierkäufe und Billigkredite für mittlere und kleinere Unternehmen an. «Das alles ist nicht falsch», sagte Ökonom Otmar Lang. «Aber anders als früher sind Notenbankmassnahmen aktuell nur schmückendes Beiwerk, das keinen Turnaround bewirken kann. Die klassische Geldpolitik ist damit nicht am Ende – aber sie ist derzeit einfach nicht das richtige Mittel.»

Trumps Einreisestopp als Wirtschaftsfaktor

Ab Freitag darf für 30 Tage niemand mehr aus den meisten Ländern Europas in die USA einreisen (zum Kommentar). Ausgenommen sind US-Bürger. Auch für Grossbritannien gelten die Sanktionen nicht. «Reisebeschränkungen sind gleichbedeutend mit geringerer Wirtschaftsaktivität», sagte Anlagestratege Stephen Innes.

Die EU-Kommission reagierte mit scharfer Ablehnung auf das Einreiseverbot. Es sei einseitig und ohne Abstimmung mit den Europäern getroffen worden, erklärten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel.

Besonders hart traf es an den Börsen heute die Luftfahrt- und die Touristikwerte. Der europäische Branchenindex brach um gut 13 Prozent ein – so stark wie nie. US-Fluggesellschaften wie American Airlines, Delta oder United verloren bis zu 17 Prozent.

Ermutigende Zahlen aus China

Die Furcht vor einer Rezession und einer Pleitewelle treibt die Kosten für Versicherungen gegen Zahlungsausfälle in die Höhe. Gleichzeitig gingen die europäischen Finanzwerte erneut auf Talfahrt. Ihr Index brach um mehr als 13 Prozent ein. An der Schweizer Börse stürzten die Finanztitel regelrecht ab. Besonders hart traf es die Aktien der Credit Suisse. Das Papier verlor 16 Prozent und notiert bei noch 7.38 Franken. Aber auch Swiss Life, Swiss Re und Zurich verlieren rund 14 Prozent.

China geht mittlerweile davon aus, über den Berg zu sein. «Im Grossen und Ganzen ist der Höhepunkt der Epidemie für China überschritten», sagte ein Sprecher der Nationalen Gesundheitskommission. «Die Zahl der Neuerkrankungen geht zurück.» Die am schwersten betroffene Provinz Hubei, in deren Hauptstadt Wuhan die Epidemie zuerst ausbrach, verzeichnete nach Angaben der Behörden mit acht Neuinfektionen erstmals nur eine einstellige Zahl. Die Behörden lockerten ihre strengen Auflagen und Verbote zur Eindämmung vorsichtig weiter, und mehr Unternehmen nahmen ihre Arbeit wieder auf.

reuters/sda/cpm

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