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Streit um lockere Geldpolitik der USA

Europa und China stören sich daran, dass die USA die Notenpresse angeworfen haben, um frisches Geld in die Wirtschaft zu pumpen. US-Präsident Barack Obama will von der Kritik nichts wissen.

Verteidigt die Wirtschaftspolitik der USA: Barack Obama bei einer Ansprache in Neu Delhi.
Verteidigt die Wirtschaftspolitik der USA: Barack Obama bei einer Ansprache in Neu Delhi.
Keystone

«Es ist das Mandat der Fed und auch mein Mandat, unsere Wirtschaft in Schwung zu bringen», sagte Obama am Montag in Neu Delhi. «Und das ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten, sondern auch für die gesamte Welt.» In Europa und China stösst die US-Wirtschaftspolitik dagegen auf wenig Gegenliebe.

«Ich glaube nicht, dass das eine gute Entscheidung war», sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker zu der Ankündigung der Fed, die Notenpresse anzuwerfen und mit dem Kauf von Staatsanleihen im Wert von 600 Milliarden Dollar frisches Geld in die Wirtschaft zu pumpen. «Da werden Schulden mit noch mehr Schulden bekämpft», sagte Juncker.

Angst vor Spekulationsblasen

Auch aus China wurde Kritik laut. Vize-Finanzminister Zhu Guangyao befürchtet, dass die Geldschwemme der Fed spekulatives Kapital in die Schwellenländer leiten und dort zu Spekulationsblasen führen könnte. Das sei eine Gefahr für die weltweiten Finanzmärkte.

Die USA seien mit der Entscheidung, die Geldpolitik weiter zu lockern, ihrer Verantwortung nicht nachgekommen, die globalen Märkte zu stabilisieren. Die chinesische Regierung wolle mit den USA offen über die Pläne diskutieren, mehr Geld zu drucken.

Neuer Goldstandard

Weltbank-Chef Robert Zoellick forderte die Staats- und Regierungschefs in einem Gastbeitrag für die «Financial Times» auf, in Währungsfragen enger zusammenzuarbeiten. Dabei schlug er ein neues Währungssystem mit einem modifizierten Goldstandard vor.

Ein derartiges System umfasse wohl den Dollar, den Euro, den Yen, das Pfund und einen stärker internationalisierten Yuan. Der Goldpreis solle dabei als Referenzwert der Markterwartungen für Inflation, Deflation und künftige Währungsbewertungen installiert werden.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte in Basel nach einem Treffen mit Notenbankern bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), über derartige Ideen werde in den USA von Zeit zu Zeit nachgedacht, er kommentiere den Vorschlag aber nicht.

«Alle Teilnehmer haben erklärt, dass sie keine Weichwährungspolitik betreiben», sagte Trichet. Die Zentralbanken seien weiterhin darum bemüht, die internationalen Währungsmärkte zu beruhigen.

Gegenseitige Vorwürfe

China und Deutschland bezeichneten das Vorgehen der Fed als eine Art indirekter Wechselkurs-Manipulation. Die USA ihrerseits werfen China vor, die Landeswährung Yuan künstlich billig zu halten und so der Exportwirtschaft zu Vorteilen zu verhelfen.

China hatte die feste Koppelung des Yuan zum Dollar zwar im Juni aufgelöst. Seither hat die chinesische Währung aber nur 2,22 Prozent an Wert gewonnen, zu wenig nach den Vorstellungen vieler US- Politiker.

Ungleichgewichte im Handel, deren Ursachen und Möglichkeiten eines Abbaus stehen derzeit im Zentrum der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20). Die 20 Staats- und Regierungschefs kommen am Donnerstag und Freitag zu ihrem Gipfel in Soul zusammen.

SDA/miw

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