Zum Hauptinhalt springen

Spaniens «lästiges Erbe» aus Kuba

Überglücklich waren die kubanischen Oppositionellen, als sie Spanien ins Land holte. Doch dann kam die Krise. Das Land muss sparen – und streicht den Ex-Häftlingen die Beiträge. Diese schreien auf.

Aus Dankbarkeit wurde Wut: Ein kubanischer Oppositioneller protestiert in Madrid. (26. Februar 2012)
Aus Dankbarkeit wurde Wut: Ein kubanischer Oppositioneller protestiert in Madrid. (26. Februar 2012)
Keystone
Spanien setzte sich für die Freiheit von kubanischen Oppositionellen ein: Die Regimekritiker werden am Flughafen in Madrid von Freunden begrüsst...
Spanien setzte sich für die Freiheit von kubanischen Oppositionellen ein: Die Regimekritiker werden am Flughafen in Madrid von Freunden begrüsst...
AFP
Die Freude über ihre neugewonnene Freiheit in Spanien ist gross. (8. April 2011)
Die Freude über ihre neugewonnene Freiheit in Spanien ist gross. (8. April 2011)
AFP
1 / 4

Noch vor wenigen Monaten lobten sie die Spanier als grosszügiges Volk und zeigten sich dankbar. Insgesamt 115 politischen Häftlingen hat die damalige sozialistische Regierung die Ausreise aus Kuba ermöglicht und damit den Weg in die Freiheit geebnet. Die Familienangehörigen eingeschlossen, wurden beinahe 800 Kubaner nach Spanien gebracht.

Wie «Welt online» berichtet,wurde den Neuankömmlingen ein Mietzuschuss von 750 Euro sowie Unterhaltskosten von 183 Euro pro Person für maximal zwei Jahre zugesprochen.

Genau diese Zuschüsse hat die neue, konservative Regierung von Mariano Rajoy nun per sofort gestrichen. Der Grund: Angesichts der katastrophalen Haushaltslage ging den Gastgebern das Geld aus. Bei den Kubanern auf der iberischen Halbinsel ist aus der einstigen Dankbarkeit gegenüber dem Retter Enttäuschung und Wut geworden.

«Verraten und betrogen»

«Wir fühlen uns verraten und betrogen», sagt Orlando Fundora Alvarez, Vorsitzender des kubanischen Verbands politischer Gefangener gegenüber «Welt online». «Es ist schon sehr hart, erst im Gefängnis zu sein, dann hierher zu kommen und gezwungen zu sein, auf der Strasse zu betteln.»

«Die Menschen der Zuckerinsel haben den Eindruck, sie seien nur noch ein lästiges Erbe der Vorgängerregierung», so Natalia Bellusocia, die den Kubanern in der Anfangsphase mit ihrer Hilfsorganisation Asociacion Iberoamericana por la Libertad beistand.

Arbeitslosigkeit bei 20 Prozent

Bei der Regierung ist man sich des Problems bewusst. Man prüfe jeden Fall der Kubaner, die zwischen Juli 2010 und April 2011 nach Spanien kamen, sagt Jesus Garcia, Staatssekretär für Lateinamerika und früherer Botschafter in La Habana. Im Ministerium gesteht man Fehler ein, bleibt aber dennoch hart: «Das Thema ist heikel», sagte Aussenminister José Manual Garcia-Margallo gegenüber «Welt online». Beim Auslaufen der Hilfen gebe es nichts zu rütteln, man werde den Betroffenen aber bei der Arbeitssuche behilflich sein.

Doch genau die Jobsuche gestaltet sich schwierig. Selbst Spanier tun sich zurzeit schwer damit. Die Arbeitslosigkeit im Land steigt stetig und hat einen Rekordwert von 20 Prozent erreicht.

Hungerstreik und Demonstrationen

Um auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen, haben im März rund 30 ehemalige politische Häftlingen in Madrid ein Protestlager aufgeschlagen. Andere haben gar zu drastischeren Mitteln gegriffen und sind in den Hungerstreik getreten. Ob sie bei der Regierung auf offene Ohren stossen, ist fraglich.

Die Wirtschaftsleistung des Landes ist im ersten Quartal um 0,4 Prozent geschrumpft, wie die spanische Zentralbank heute in ihrem monatlichen Bericht mitteilte. Das Land musste bereits im vierten Quartal 2011 einen Rückgang um 0,3 Prozent hinnehmen und ist damit in eine technische Rezession gerutscht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch