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S&P senkt Ausblick für EU – Puerto Rico ist pleite

Standard & Poor's sorgt sich um die immer höheren Garantien für schuldengeplagte EU-Mitglieder. Das mit den USA assoziierte Puerto Rico ist laut Moody's schon bankrott.

Puerto Rico kann seine Schulden von rund 73 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen: Ein Obdachloser vor einem verlassenen Geschäft am Rande der Alstadt San Juans. (2. August 2015)
Puerto Rico kann seine Schulden von rund 73 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen: Ein Obdachloser vor einem verlassenen Geschäft am Rande der Alstadt San Juans. (2. August 2015)
Ricardo Arduengo, Keystone

Angesichts der Griechenland-Krise hat die US-Ratingagentur Standard & Poor's den langfristigen Ausblick für die Europäische Union von «stabil» auf «negativ» herabgestuft. Das teilte S&P am Montag mit. Der Schritt legt nahe, dass die Ratingagentur die Bonität der EU demnächst von derzeit AA+ herabstufen könnte.

Der negative Ausblick wurde insbesondere mit den wiederholten Zusagen der EU begründet, das akut von der Pleite bedrohte Griechenland zu stützen. S&P warnte davor, dass die Europäische Union «wiederholt Gelder freigibt, um mit hohem Risiko Mitgliedstaaten zu helfen (jüngst Griechenland), ohne dass diese Eigenmittel haben».

Ohne es konkret auszusprechen, legte die Ratingagentur damit nahe, dass Griechenland seine Schulden bei der EU nicht zurückzahlen wird.

S&P äusserte sich zudem besorgt über die Möglichkeit, dass Grossbritannien als einer der grössten EU-Beitragszahler die Staatengemeinschaft verlassen könnte. Die konservative britische Regierung unter Premierminister David Cameron will darüber kommendes Jahr ein Referendum abhalten.

Moody's: Zahlungsausfall Puerto Ricos

Auch die Schuldenkrise der mit den USA assoziierten Karibikinsel Puerto Rico hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Wie die US-Ratingagentur Moody's am Montag mitteilte, konnte Puerto Rico am Samstag fällig gewordene Anleihen nicht fristgerecht zurückzahlen. «Moody's wertet dieses Ereignis als Zahlungsausfall», erklärte die Vize-Chefin des Kapitalanlegerdienstes der Ratingagentur, Emily Raimes. Es sei davon auszugehen, dass weitere Zahlungsausfälle folgten.

Puerto Rico hätte den Angaben zufolge 58 Millionen Dollar (56 Millionen Franken) an Kapital- und Zinszahlungen leisten müssen, konnte aber nur einen Teil davon aufbringen. Dies zeige, dass Puerto Rico nicht die Mittel habe, «all seine bevorstehenden Schuldenrückzahlungen zu tätigen». Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte bereits Mitte Juli erklärt, eine Pleite der Karibikinsel sei «praktisch Gewissheit».

Rechtlicher Status verkompliziert Lösung

Die Regierung von Puerto Rico hatte Ende Juni mitgeteilt, ihre Schulden von rund 73 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen zu können und deshalb mit den Gläubigern verhandeln zu wollen. Puerto Rico war bis 1898 spanische Kolonie und ist wie einige andere Karibikinseln mit den USA assoziiert. Die Bewohner Puerto Ricos haben seit dem Jahr 1917 die US-Staatsbürgerschaft und dienen in der Armee, sind in den USA aber nicht wahlberechtigt oder steuerpflichtig.

Die Wirtschaft der Insel schrumpft seit sieben Jahren. Wegen des besonderen Status kann Puerto Rico mit seinen 3,5 Millionen Einwohnern nicht offiziell Insolvenz anmelden. Ein Zahlungsausfall könnte deshalb jahrelange Verhandlungen nach sich ziehen, um die Krise beizulegen.

SDA

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