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So reagiert die Wirtschaft auf die Überwindung der 1.20-Marke

Freude bei den Maschinenbauern, gemischte Gefühle im Detailhandel: Die Reaktionen auf den schwachen Franken.

Ein Mitarbeiter eines Seilbahnen-Herstellers im Kanton Schwyz bei der Arbeit. (Symbolbild)
Ein Mitarbeiter eines Seilbahnen-Herstellers im Kanton Schwyz bei der Arbeit. (Symbolbild)

Der «Frankenschock» scheint definitiv überwunden: Nach einem ersten zag­haften Überschreiten am Donnerstag hielt sich der Wechselkurs am Freitag rund eine halbe Stunde über der Marke von 1.20 Franken pro Euro. Sollte der Franken die Marke in der kommenden Zeit endgültig hinter sich lassen, wäre die krisenhafte Phase zu Ende, die im Januar 2015 begonnen hatte. Damals gab die Nationalbank die bis dato verteidigte Untergrenze von 1.20 Franken pro Euro auf. In der Folge gewann der Franken schlagartig an Wert, was Tourismus, Maschinenindustrie und Detailhandel in wirtschaftliche Probleme stürzte.

Entsprechend erfreut zeigen sich die vom Wechselkurs besonders abhängigen Branchen nun über die wiedergewonnene Euro-Stärke. Am zuversichtlichsten tönt es in der Maschinenindustrie. «Die 1.20 Franken sind vor allem eine symbolische Marke, die Entspannung setzte schon Mitte letztes Jahr ein», sagt Ivo Zimmermann, Sprecher des Branchendachverbands Swissmem. «Wir begrüssen die Entwicklung und sind darüber sehr erleichtert.» Laut Zimmermann gab es in der Maschinenindustrie zwar nie ein grosses Nachfrageproblem, doch habe der teure Franken die Unternehmen zu tieferen Preisen gezwungen – mit massiv verschlechterten Margen als Konsequenz. Etwa ein Viertel der Firmen sei deshalb operativ in die Verlustzone geraten. «Jetzt können die Firmen wieder Gewinne erzielen, was wiederum dazu führen dürfte, dass mehr investiert wird.»

Generell herrsche in der Branche für das laufende Jahr viel Optimismus, sagt Zimmermann: 53 Prozent der Unternehmer rechneten laut der letzten Umfrage mit mehr Aufträgen aus dem Ausland. Wichtig sei vor allem die Konjunktur im Euro-Raum, in den 60 Prozent der Exporte gingen. «Hier sieht es im Moment sehr positiv aus.»

«Bestenfalls leichter Rückgang»

Deutlich gedämpfter fallen die Reaktionen aus dem Detailhandel aus. Zwar ist man auch hier über die Entwicklung froh, beförderte der starke Franken doch den Einkaufstourismus über die Landesgrenze. «Allerdings haben sich die Auslandseinkäufe schon seit einiger Zeit auf hohem Niveau stabilisiert», sagt Dagmar Jenni, Geschäftsführerin des Detailhändler-Verbands Swiss Retail. «Wir rechnen nun bestenfalls mit einem leichten Rückgang.»

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Und auch die Touristiker verfallen nicht in Euphorie. Für die Organisation Schweiz Tourismus haben nach wie vor die Prognosen der ETH-Konjunkturforschungsstelle (KOF) vom letzten Oktober Gültigkeit, wie Mediensprecher André Aschwanden sagt. Demnach sollten die Hotellogiernächte in der Schweiz 2018 um 2,4 Prozent ansteigen – deutlich weniger als in Deutschland und Italien (jeweils plus 4,1 Prozent) oder gar in den Benelux-Staaten (plus 4,9 Prozent). In jedem Fall sei es noch ein noch ein «weiter Weg zurück zu den Logiernächtezahlen aus der Eurozone von 2008», so Aschwanden.

Das Wetter ist wichtiger

Beim Verband Hotelleriesuisse hält man es immerhin für möglich, dass bis zur Sommersaison gewisse positive Effekte eintreten werden. «Der Trend geht ja hin zu kurzfristigen Buchungen; viele Menschen haben noch nicht entschieden, wo sie die Ferien verbringen werden», sagt Christophe Hans, der bei Hotelleriesuisse für die Wirtschaftspolitik zuständig ist. Hans gibt aber auch zu bedenken, dass für die kurzfristigen Entscheide in erster Linie das Wetter massgebend sei. Grundsätzlich werde die Schweiz immer ein teures Reiseland bleiben. «Wir differenzieren uns deshalb in erster Linie über die Qualität und weniger über den Preis.»

Aus den Wortmeldungen der Branchenvertreter geht aber auch hervor, dass man der jetzigen Harmonie nicht so richtig traut. «Wir wissen noch nicht, wie beständig der neue Wechselkurs sein wird», sagt Christophe Hans. Er zeigt sich damit ähnlich skeptisch wie Nationalbankpräsident Thomas Jordan. Die Situation bleibe «fragil» und anfällig für Veränderungen von einem Tag auf den anderen, erklärte Jordan am Donnerstagsabend gegenüber «Bloomberg TV» in Washington. Da die Schweizer Währung immer noch als «sicherer Hafen» gelte, will Jordan an seiner Geldpolitik vorerst nichts ändern. Was bedeutet, dass die umstrittenen Negativzinsen vorderhand weiter bleiben.

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