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So profitiert die Schweiz vom tiefen Ölpreis

Das billige Erdöl bringt der Schweizer Wirtschaft einen Wachstumsschub von bis zu 0,6 Prozent. Am meisten profitieren jene, die sich bei der Energiewende bisher am wenigsten Mühe gegeben haben.

Die ganze Wirtschaft, nicht nur die Ölindustrie ist vom Preissturz betroffen: Blick auf die Raffinerie der Petroplus AG in Cressier FR, die schon 2012 Konkurs ging. (27. Dezember 2011)
Die ganze Wirtschaft, nicht nur die Ölindustrie ist vom Preissturz betroffen: Blick auf die Raffinerie der Petroplus AG in Cressier FR, die schon 2012 Konkurs ging. (27. Dezember 2011)
Peter Klaunzer, Keystone

Von der Talfahrt des Ölpreises profitieren die erdölimportierenden Länder und damit auch die Schweiz. Seit Anfang Sommer hat das «Schwarze Gold» etwa die Hälfte seines Wertes eingebüsst. Die Preise sind mittlerweile deutlich unter die Marke von 60 Dollar pro Fass gerutscht, die als Rentabilitätsschwelle für die Länder mit teuerer Ölförderung wie Fracking, Tiefseebohrungen und Ölsande gilt. Mit rund 57 Dollar ist das Fass Nordseeöl so billig wie seit etwa fünf Jahren nicht mehr.

Von der Talfahrt des Ölpreises profitieren zwar in erster Linie die grossen Verbraucherländer wie die USA und China. Doch auch für die Schweiz ist der tiefe Ölpreis ein Glücksfall. Der Zerfall des Erdölpreises dürfte das hiesige Wirtschaftswachstum im neuen Jahr zwischen 0,3 und 0,6 Prozent ankurbeln.

Alle Wirtschaftszweige profitieren

Vom Preisrutsch profitierten alle Schweizer Wirtschaftszweige, sagt Olivier Cadot, der Direktor des Lausanner Konjunkturforschungsinstituts Créa, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Am meisten käme der Preisrutsch der verarbeitenden Industrie zugute. Bei den Unternehmen dürften vor allem jene Schub erhalten, die mit der Energiewende noch nicht begonnen haben. Der Dienstleistungssektor profitiere auch davon, allerdings in sehr kleinem Masse, sagt Ökonom Bruno Jacquier von der Privatbank Edmond de Rothschild.

Katastrophe aus Umweltsicht

Dagegen leide der Sektor der erneuerbaren Energien. «Aus Umweltsicht ist der Preissturz eine Katastrophe für den Planeten», sagt Cadot. Dies weil angesichts der billigeren Preise wieder mehr Benzin verbraucht werden dürfte. Der Anreiz in alternative Energieformen zu investieren sinkt.

Allerdings braucht es einige Zeit bis sich der gesunkene Ölpreis an den Zapfsäulen niederschlägt. Dies weil die Treibstoffe viele Monate im Voraus eingekauft werden. «Und der Mangel an Konkurrenz unter den Händlern in der Schweiz verbessert die Lage auch nicht», sagt der Freiburger Wirtschaftsprofessor Sergio Rossi.

Mineralölsteuern erhöhen

Langfristig dürfte der Erdölpreis tendenziell wieder steigen. «Die Produzentenländer können nicht weiterhin auf unbestimmte Zeit Geld verlieren», sagt Cadot. Wann der Preisanstieg tatsächlich einsetze, sei jedoch schwierig zu prognostizieren.

In der Zwischenzeit sollten die europäischen Länder, die vom Preissturz profitierten, die Mineralölsteuern erhöhen, um ihre Verschuldung und den Druck auf dem Staatshaushalt zu reduzieren, raten Cadot und Rossi.

SDA/rub

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