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So könnte das Ende des Euro aussehen

Höchst unwahrscheinlich oder unmittelbar bevorstehend? Finanzexperten in ganz Europa malen sich bereits den Zusammenbruch des Euro aus.

Bald von der Geschichte entsorgt?: Die Euroskulptur vor der EZB wird in der Pfütze auf einem Tonnendeckel im «Occupy»-Camp in Frankfurt reflektiert.
Bald von der Geschichte entsorgt?: Die Euroskulptur vor der EZB wird in der Pfütze auf einem Tonnendeckel im «Occupy»-Camp in Frankfurt reflektiert.
Keystone

Seit einigen Tagen rüsten sich Banken und zunehmend auch andere Unternehmen für den drohenden Zerfall der Euro-Zone. Die meisten Bankexperten stufen diesen Fall noch als sehr unwahrscheinlich ein. Der frühere französische Präsidentenberater Jacques Attali sagt hingegen im «Focus», der Euro werde «Weihnachten nicht überleben», wenn nicht umgehend drastische Massnahmen ergriffen würden.

Die «Financial Times Deutschland» nimmt bereits den nächsten Euro-Gipfel am 9. Dezember als Ausgangspunkt für ein fiktives Szenario, wie das Unheil seinen Lauf nehmen könnte. Und es würde unspektakulär damit beginnen, dass das Lavieren weitergeht: Das Gipfeltreffen brächte keine grossen Würfe wie eine Entscheidung für Eurobonds oder eine Zustimmung zu unbeschränkten Anleihenkäufen der Europäischen Zentralbank (EZB).

In dem Szenario reagieren die Märkte daraufhin negativ. Die Zinsen für italienische und spanische Staatspapiere würden über acht und später über neun Prozent klettern und auch andere Euro-Anleihen in Mitleidenschaft ziehen. Anleger von ausserhalb der Euro-Zone flüchten. Es kommt zu einem Investorenstreik.

Irgendwann im Frühling oder Sommer

Zu Beginn des nächsten Jahres steigert sich das Drama weiter, indem zuerst die griechische Regierung zerbricht, weil nicht wie vorgesehen genügend Investoren «freiwillig» auf 50 Prozent des Werts ihrer Anleihen verzichten wollen. Ausserdem würde sich die wirtschaftliche Lage in Europa zunehmen eintrüben: Einzelne Banken machen pleite, die Kapitalflucht aus den Sorgenländern nimmt zu, Italien und Spanien beantragen weitere Hilfen beim Euro-Rettungsfonds und beim IWF.

Dann wird die Lage in Italien prekär. Das Parlament verweigert Premierminister Mario Monti die Zustimmung zu weiteren Sparschnitten, die Zinsen für Anleihen des Landes klettern auf über 10 Prozent. Doch letztlich wären es dann doch Griechenland – und Portugal – die noch vor einem weiteren Sondergipfel ihren Austritt aus dem Euro bekannt geben würden.

Nach dem Szenario der «Financial Times Deutschland» brechen nun Banken und andere Firmen zusammen. Die EU würde die Europäischen Verträge aussetzen und die EZB mit der Rückübertragung ihrer Zuständigkeiten auf die nationalen Zentralbanken beauftragen. Die EZB würde auch die ersten Kurse für die nationalen Währungen berechnen.

5 Drachmen für 1 Mark

Käme es zu einem solchen vollständigen Auseinanderbrechen des Euro, so würde der (rechnerische) Wert eines Euro gegenüber dem Dollar von heute 1,34 auf nur noch 0.85 Dollar fallen, wie Mark Cliffe, der Chef der Forschungsabteilung der Bank ING, laut «Wall Street Journal Europe» berechnet hat. Gegenüber einer neuen Deutschen Mark wären das Irische Pfund und die Italienische Lira 25 Prozent tiefer bewertet. Die Spanische Peseta würde demnach mit 50 und die Griechische Drachme mit 80 Prozent weniger als die Deutsche Mark gehandelt.

In einer ebenfalls vom «Wall Street Journal Europe» zitierten Studie der Bank of America hätten jedoch Austritte einzelner Länder, selbst von Schwergewichten wie Italien oder Frankreich, auf den Euro-Dollar-Kurs nur marginale Auswirkungen.

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