So günstig zum Eigenheim wie nie

Festhypotheken befinden sich in einem historischen Tief, was die Finanzierung für Wohneigentum fast lächerlich günstig erscheinen lässt. Dieser Trend dürfte aufgrund des starken Frankens anhalten.

Die tiefen Zinsen bergen die Gefahr einer Überhitzung des Immobilienmarkts: Wohnsiedlung in der Nähe von Zürich. (Archivbild)<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Die tiefen Zinsen bergen die Gefahr einer Überhitzung des Immobilienmarkts: Wohnsiedlung in der Nähe von Zürich. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Die Banken hängen es lieber nicht an die grosse Glocke – aus Angst vor einer Überhitzung des Immobilienmarkts. Aber eine Umfrage des «Sonntag» bei den Instituten zeigt: Die Hypozinsen sind in den letzten vier Wochen nochmals abgesackt.

Rekordhalter ist die Online-Bank Swissquote: Dort gibts jetzt Festhypotheken mit einer Laufzeit von zehn Jahren für noch 1,5 Prozent – einmalig in der Wirtschaftsgeschichte. Das bedeutet, dass die Finanzierung eines Hauses im Wert von einer Million gerade mal mit 1250 Franken pro Monat zu Buche schlagen würde. Die Folgen dieser Zinsbaisse sind bereits spürbar: Einige Regionen verzeichnen erste Überhitzungen ihres Immobilienmarkt (Bernerzeitung.ch/Newsnetz berichtete).

Einen Sturz der zehnjährigen Hypothekarzinsen unter die 2-Prozent-Marke hielten Experten bislang für praktisch unmöglich. Hypothekarberater Lorenz Heim prophezeite im Jahr 2009 auf Bernerzeitung.ch/Newsnetz, dass die Zinsen nur noch steigen können.

Richtsatz liegt bei 2 Prozent

Noch vor einem Jahr lag der Mittelwert bei den Zehnjahres-Hypotheken laut Nationalbank bei 3,4 Prozent. Heute bieten nebst Swissquote auch die Migrosbank und Postfinance Zehnjährige für unter 2 Prozent an, wie «Der Sonntag» schreibt. Gleiches gilt für Versicherungen wie Swiss Life, Axa Winterthur und Helvetia. Auch bei Kantonalbanken, von denen die meisten einen Richtsatz von aktuell 2,0 Prozent publizieren, lassen sich mit geschicktem Verhandeln 1,7 Prozent herausholen.

Viele Banken werben zudem mit Rabatten in den ersten Jahren eines Kredits um neue Kunden, sodass aus ausgeschriebenen 2,0 Prozent schnell einmal 1,6 Prozent werden. Grotesk hoch sind die variablen Hypothekarsätze, die im langfristigen Vergleich wesentlich tiefer sind als die festen Zinsen. Die Aargauische Kantonalbank etwa lockt mit attraktiven Festhypotheken, schreibt aber zu den variablen Hypotheken, dass diese für einen «Zinssatz ab 2,75 Prozent» zu haben seien. Kein Wunder schliesst zurzeit niemand variable Kredite ab. Bei der Migrosbank machten sie Ende 2011 gerade noch knapp 10 Prozent der ausstehenden Kredite aus. Andere Banken bieten gar keine variablen Hypotheken mehr an. Die UBS etwa hat diese schon vor Jahren abgeschafft.

Franken muss tief gehalten werden

Erstaunlicherweise ist der einst politisch stark beobachtete variable Hypozins seit Jahren praktisch unverändert bei rund 2,7 Prozent, wie Statistiken der Nationalbank (SNB) zeigen. Hintergrund der Zinsbaisse ist die expansive Geldpolitik der Nationalbank, die den Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken verteidigen muss. Die Nationalbank muss den Zins tief halten, weil sonst der Franken wieder aufgewertet würde. Daraus resultiert, dass die Banken sich bei den Zentralbanken so günstig wie noch nie refinanzieren können. Die Schweizer Nationalbank möchte gegenwärtig auch nicht von diesem Kurs abweichen (siehe Box).

Auch in Deutschland lässt sich ähnliches Beobachten: Die Turbulenzen an den Finanzmärkten bescheren Bauherren und Immobilienkäufern immer niedrigere Zinsen. Innerhalb eines Jahres fiel das durchschnittliche Zinsniveau für zehnjährige Baudarlehen um rund 1,3 Prozentpunkte, und die günstigsten Angebote liegen aktuell deutlich unter drei Prozent. «In den vergangenen Wochen gab es fast täglich ein neues Allzeit-Tief bei den Zinsen», sagt Max Herbst, Inhaber der unabhängigen FMH Finanzagentur. «Wer jetzt bauen oder kaufen will, kann praktisch nichts falsch machen, denn viel billiger dürfte Baugeld kaum werden.»

mrs

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