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«Sie ist eine ausgewiesene Vermittlerin»

Monika Rühl, die derzeit für den Bund tätig ist, soll Economiesuisse-Direktorin werden. Präsident Heinz Karrer lobt gegenüber Redaktion Tamedia ihre Qualifikation. Es formiert sich jedoch Widerstand.

Economiesuisse soll mit ihr eine «starke Direktorin erhalten»: Monika Rühl, hier im Botschaftsrang als Delegierte des Bundesrats für Handelsverträge und Mitglied der Seco-Geschäftsleitung. (3. Dezember 2009)
Economiesuisse soll mit ihr eine «starke Direktorin erhalten»: Monika Rühl, hier im Botschaftsrang als Delegierte des Bundesrats für Handelsverträge und Mitglied der Seco-Geschäftsleitung. (3. Dezember 2009)
Keystone

Die 50-jährige Diplomatin Monika Rühl soll Economiesuisse-Direktorin werden. Dies hat der Vorstandsausschuss entschieden. Die Wahl findet an der Vorstandssitzung vom Freitag statt. Rühl verfüge als Generalsekretärin des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) über ausgewiesene Führungserfahrung, teilt Economiesuisse mit. Praktisch alle für die Schweizer Wirtschaft relevanten Dossiers seien ihr vertraut.

Zu den weiteren Vorzügen Rühls zählt Economiesuisse ihre gute Vernetzung im Bundesrat und in der Verwaltung. Ausserdem kenne sie die parlamentarischen Prozesse. «Hier haben wir einen Schwerpunkt gesetzt bei der Kandidatensuche», sagt Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer gegenüber Redaktion Tamedia. Der Wirtschaftsverband erhoffe sich von der ausgewiesenen Vermittlerin, dass sie Brücken zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik schlagen kann. Im Abstimmungskampf gegen die Mindestlohninitiative wird Economiesuisse von dieser Vernetzung allerdings noch nicht profitieren können: Monika Rühl wird ihre Stelle erst im Sommer antreten.

Erste Frau als Direktorin

Rühl wäre die erste Frau auf dem Direktorenposten, wie der Tages-Anzeiger am Montag berichtet hatte. «Wir sind froh, dass sich eine Frau zur Verfügung gestellt hat, wir hatten auch mehrere Kandidatinnen im Suchprozess», sagt Heinz Karrer. Letztendlich stehe aber die Qualifikation im Vordergrund.

Im Vorstand von Economiesuisse scheint sich allerdings Widerstand zu formieren. Rühl sei nicht die geeignete Kandidatin, um den orientierungslosen Verband aus der Krise zu führen, heisst es. «Ein Schwergewicht» mit grosser Akzeptanz müsse ran – so der offenbar nicht zu erfüllende Wunsch vieler Vorstandsmitglieder.

Schneider-Ammanns Schatten

Zudem sei Rühl mitverantwortlich für das schlechte Bild, das Bundesrat Johann Schneider-Ammann derzeit abgebe. Weder seien die Vorwürfe wegen seiner Steuerkonstrukte überzeugend gekontert noch die Seco-Korruptionsaffäre gut gemanagt worden. Rühl leitet derzeit die Taskforce, die die Lehren aus der Affäre ziehen soll. «Economiesuisse braucht neben dem kommunikativ überzeugenden Präsidenten einen führungsstarken Direktor, der den Verband wieder zusammenschweisst», sagt ein Vorstandsmitglied. Die Vorbehalte gegenüber Rühl seien so ausgeprägt, dass sich Vorstandsmitglieder überlegen, ihre Kritik öffentlich zu machen, schrieb der TA. Rühl wollte sich am Wochenende nicht dazu äussern.

Jean-Marc Hensch, der ursprünglich für die Position vorgesehen war, teilte Mitte Dezember mit, dass er aus gesundheitlichen Gründen verzichten müsse. Seit dem Rücktritt des früheren Direktors Pascal Gentinetta Mitte Juni amtet Chefökonom Rudolf Minsch interimistisch als Vorsitzender der Geschäftsleitung.

SDA/kle

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