Schraubt die SNB am Negativzins?

Die Nationalbank werde bald noch mehr unter Druck geraten, glauben CS-Analysten.

Ihm dürften schwierige Wochen bevorstehen: SNB-Präsident Thomas Jordan. (Archiv)

Ihm dürften schwierige Wochen bevorstehen: SNB-Präsident Thomas Jordan. (Archiv)

(Bild: Keystone)

Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) am 3. Dezember die Einlagenzinsen senken, dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) unter Druck geraten und ebenfalls die Zinsen reduzieren. Davon geht die Credit Suisse (CS) aus, wie sie am Montag mitteilte.

Zurzeit müssen Finanzinstitute ab einem gewissen Betrag einen jährlichen Zins von 0,75 Prozent zahlen, wenn sie Geld bei der SNB deponieren wollen. Die Credit Suisse rechnet jetzt damit, dass die SNB diesen Negativzins auf 1 Prozent erhöht, sollte die EZB wie erwartet die Einlagenzinsen senken.

Inflationsziel weit entfernt

Zur Begründung verweist die Grossbank auf die aktuelle wirtschaftliche und geldpolitischen Lage der Schweiz. So sei in den jüngsten Monaten keine spürbare Entspannung der Rahmenbedingungen eingetreten, schreibt die Credit Suisse. Der Franken sei weiterhin deutlich überbewertet und die Inflationsrate mit aktuell - 1,4 Prozent weit vom angestrebten Wert von 2 Prozent entfernt. Zudem zeichne sich eine anhaltend schwache Konjunktur in der Schweiz und eine Abkühlung am inländischen Immobilienmarkt ab.

Eine weitere Lockerung der Geldpolitik sei daher grundsätzlich gerechtfertigt, schreibt die Grossbank. Dies insbesondere dann, wenn die EZB die Zinsen weiter senkt und damit den Franken für Anleger gegenüber dem Euro wieder attraktiver macht. Sollte die SNB in einem solchen Fall nämlich nicht mitziehen, dürfte der Franken zum Schaden der Schweizer Wirtschaft weiter aufwerten.

Am Devisenmarkt intervenieren

Für die Grossbank ist eine weitere Zinssenkung durch die SNB auch darum sehr wahrscheinlich, weil die SNB selbst eine solche Zinssenkung angedeutet habe und gemäss Einschätzung der Credit Suisse auch nicht stärker am Devisenmarkt intervenieren will.

In der letzten Woche scheint die Nationalbank genau dies jedoch getan zu haben. Denn die Sichtguthaben der Banken in der Schweiz bei der SNB sind in der Woche zum 20. November von 467,7 Milliarden in der Vorwoche auf 468,3 Milliarden Franken gestiegen.

Die Entwicklung der Sichtguthaben gilt als Indiz dafür, ob die SNB am Devisenmarkt interveniert, um den Franken gegenüber dem Euro zu schwächen. Die Zentralbank kauft Euro und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Konten gut.

sda

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