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Outdoorbranche am Limit

Europäer kaufen Outdoor-Artikel wie verrückt. Marken wie North Face oder Jack Wolfskin sollte dies eigentlich freuen. Doch es gibt ein grosses Problem.

Wachsendes Geschäft: Ein Kletterer steigt im Kanton Graubünden einen Eisfall hoch. (Archivbild)
Wachsendes Geschäft: Ein Kletterer steigt im Kanton Graubünden einen Eisfall hoch. (Archivbild)
Keystone

Die Europäer wandern, klettern und campieren, was das Zeug hält. Seit einigen Jahren boomt deshalb das Geschäft mit Outdoor-Artikeln. Doch gerade der anhaltende Erfolg der Branche könnte einigen Herstellern nun zum Verhängnis werden, berichtet die «Financial Times Deutschland».

Denn die Produktionskapazitäten in Asien gerieten immer mehr an ihre Grenzen, erklärt Mark Held, Geschäftsführer des europäischen Branchenverbandes European Outdoor Group (EOG) gegenüber der Zeitung. «Heute sucht sich nicht mehr die europäische Marke ihren asiatischen Hersteller, es ist genau andersherum», so Held.

Geringe Stückzahlen

Die Textilproduktion wurde schon vor einigen Jahren nach Asien verlagert. Mit der Wirtschaftskrise litt sie laut «Financial Times Deutschland» stark. Eine grosse Anzahl Produktionsstätten wurde 2009 geschlossen.

Obwohl sich der Textilmarkt überraschen schnell erholte, sind die Kapazitäten der Produktionsstandorte knapp geblieben. Und gerade beim Kampf um die Kapazitäten hat die Outdoorbranche äusserst schlechte Karten, berichtet die Zeitung weiter. Zum einen lassen die Marken aus dem betreffenden Sektor in vergleichsweise geringen Stückzahlen produzieren. Zum anderen sind sie mit gerade einmal zwei Kollektionen pro Jahr auf ein enges Produktionsfenster festgelegt.

Früher bestellen

Dies führt dazu, dass sogar die grossen Marken im Geschäft Probleme mit den Produzenten in Asien haben. Der deutsche Marktführer Jack Wolfskin etwa verlor laut «FTD» schon kurzfristig Produktionsverträge, weil der Hersteller diese platzen liess. Wie ein Sprecher des Unternehmens sagte, würden die Hersteller teilweise sogar Konventionalstrafen in Kauf nehmen.

Mit Lieferengpässen hatte Jack Wolfskin bisher trotzdem nicht zu kämpfen, zumal das Unternehmen mit mehreren asiatischen Produzenten zusammenarbeitet. Für kleinere Unternehmen mit nur wenigen Partnern wird es jedoch schwieriger.

So ist beispielsweise die skandinavische Firma Haglöfs stärker von der Entwicklung betroffen. Gegenüber der Zeitung sagt der Deutschland-Chef der Marke, Herbert Horelt: «Wir müssen inzwischen bis zu zwei Monate früher bei unseren asiatischen Produzenten ordern. Das ist für uns sehr problematisch, weil wir so früh von Seiten des Handels noch keine Einschätzung über die Nachfrage haben.»

Zentraler Einkauf

Von einer Zuspitzung der Lage spricht gar der Chef des Europageschäfts bei North Face, Timo Schmidt-Eisenhart. Seit einer Saison gebe es aus Fernost eindeutige Signale, dass sich die Situation mit den Kapazitätsengpässen noch verschärfe. Ein Grund für die verhältnismässig komfortable Lage von North Face sei die Zugehörigkeit des Herstellers zur VF-Gruppe, so Schmidt-Eisenhart gegenüber der «FTD» online. Somit könne die Firma auf eine zentrale Sourcing-Stelle in Hongkong zurückgreifen.

Laut dem Branchenverband EOG wächst das Geschäft mit Outdoord-Artikeln seit einigen Jahren bedeutend stärker als der Gesamtmarkt für Sportausrüstung. In Europa stiegen die Erlöse um sechs Prozent auf rund 11 Milliarden Franken. Die Sportartikelhersteller hingegen vermochten nur um drei Prozent zuzulegen.

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