Nobelpreisträger kritisiert SNB

Joseph Stiglitz findet die Aufhebung der Euro-Untergrenze einen Fehler. Was er der SNB nun empfiehlt.

«Es ist unfair, zu erwarten, dass die Realwirtschaft die Konsequenzen aus den Bewegungen auf den Kapitalmärkten trägt»: Joseph Stiglitz. (Archivbild, 2014)

«Es ist unfair, zu erwarten, dass die Realwirtschaft die Konsequenzen aus den Bewegungen auf den Kapitalmärkten trägt»: Joseph Stiglitz. (Archivbild, 2014)

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz kritisiert die Schweizerische Nationalbank (SNB) für die Aufhebung der Euro-Untergrenze. Der Schritt war seiner Meinung nach ein Fehler, erklärte der frühere Chefökonom der Weltbank am Montagabend am Rande des Lugano Fund Forum gegenüber AWP.

«Es ist unfair, zu erwarten, dass die Realwirtschaft die Konsequenzen aus den Bewegungen auf den Kapitalmärkten trägt», so Stiglitz mit Blick auf die scharfe Aufwertung des Schweizer Frankens von Mitte Januar.

Anbindung an Devisenkorb

Seiner Meinung nach wäre der Schweizer Wirtschaft besser gedient gewesen, hätte die SNB den Franken an einen Devisenkorb angebunden, der aus den Währungen der wichtigsten Handelspartner besteht. Stiglitz schlägt überdies die Besteuerung von Kapitalzuflüssen vor.

Nichtsdestotrotz fand der Amerikaner auch lobende Worte für das SNB-Direktorium: Die von den Währungshütern eingeführten Negativzinsen seien «ein gutes Instrument der Geldpolitik». Sie würden aber nicht ausreichen, um den Druck auf den Schweizer Franken dauerhaft zu lösen. Und die SNB müsse weiterhin auf dem Devisenmarkt intervenieren.

Ende eines Geschäftsmodells

Stiglitz begrüsst das Inkrafttreten des automatischen Informationsaustausches im Jahr 2017 und somit das Ende des Bankgeheimnisses. «In New York, wo ich herkomme, wissen wir sehr gut mit Geld umzugehen. Und wenn Leute wie Mitt Romney Geld auf den Cayman-Inseln haben, ist es nicht, weil die Banker dort besonders begabt sind. Sondern darum, weil sie die einzige produktive Tätigkeit beherrschen, die in New York nicht durchgeführt werden kann: Steuerflucht», witzelte Stiglitz.

«Die Cayman-Inseln sind eine Anomalie. Der einzige Grund, warum es solche Steuer- und Regulierungsoasen gibt, ist die Perversion unseres politischen Systems», redete sich der Wirtschaftswissenschaftler in Fahrt. Stiglitz zufolge müssen solche Finanzplätze verschwinden oder ihr Geschäft auf ein anderes Modell ausrichten als auf die Umgehung der Regeln.

«Das ist, was Panama gemacht hat, und ich denke, das könnte auch der Fall für die Schweiz sein», so Stiglitz. Denn der Finanzplatz verfüge über das notwendige Know-how und das Personal dafür.

sda

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