Negativzins kann laut UBS Hunderte Milliarden kosten

UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler kritisiert die Negativzinspolitik der SNB. Sie belaste die Wirtschaft und das Vorsorgesystem massiv.

Der Negativzins der SNB steht in der Kritik: UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler. (Archivbild 2013)

Der Negativzins der SNB steht in der Kritik: UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler. (Archivbild 2013)

(Bild: Keystone)

Der Chef der UBS in der Schweiz, Lukas Gähwiler, übt in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» Kritik an der Geldpolitik der Schweizer Nationalbank (SNB). Der Negativzins der SNB schade der Schweizer Export-Industrie und könne verheerend Auswirkungen auf das Vorsorgesystem haben. Weiter rechnet er auch im zweiten Quartal mit einem Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP) in der Schweiz. Die volle Auswirkung der Aufgabe des Euro-Mindestkurses werde aber erst in den nächsten ein bis zwei Jahren sichtbar.

Gähwiler stellte fest, dass die UBS davon ausgehe, dass auch das zweite Quartal bei der BIP-Entwicklung negativ sein werde. Einzelne Exportbranchen wie die Uhrenindustrie würden sich immer noch gut halten und auch der Konsum sollte relativ stabil bleiben. In ihrer kurz nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die SNB am 16. Januar publizierten BIP-Prognose war die UBS noch von einem BIP-Wachstum im laufenden Jahr von 0,5 Prozent ausgegangen.

Kritik an Negativzinspolitik

«Die UBS in der Schweiz ist ebenfalls Teil der Exportindustrie», betonte Gähwiler. Ihre Schweizer und internationale Kundschaft investierten über die Hälfte ihrer Vermögenswerte in Fremdwährungen. «Unsere Erträge basieren also zum Grossteil auf Vermögenswerten in schwächeren Währungen, unsere Kosten fallen aber fast nur in Franken an», so der UBS-Schweiz-Chef weiter.

Gähwiler kritisierte die Negativzinspolitik. Sie setze falsche Anreize für Investitionsentscheide, bestrafe Sparer und erhöhe die Gefahr von Blasenbildungen beispielsweise am Aktien- und Immobilienmarkt. Negativzinsen belasteten auch das Vorsorgesystem. Als Faustregel gelte: Wenn die Rendite jährlich um 1 Prozent zurückgehe, dann sinke der Deckungsrad einer Pensionskasse um etwa 10 Prozent.

«Wir werden also mit einer riesigen Kapitallücke konfrontiert sein, notabene auch bei der Finanzierung der AHV», stellte Gähwiler fest. Sollten die Negativzinsen lange Bestand haben, würden die wirtschaftlichen Auswirkungen Hunderte von Milliarden Franken betragen.

Grossanleger verschieben Kapital ins Ausland

Verschiedene Grossanleger haben gemäss der «Schweiz am Sonntag» begonnen, im grossen Stil Kapital ins Ausland zu verschieben. Die Axa Winterthur hat knapp 6 Milliarden Franken nicht in der Schweiz, sondern im Dollar-Raum angelegt. Grund: die mittlerweile extrem tiefen Zinsen in der Schweiz. Die SNB hat inländische Investoren als eine der Hauptschuldigen für die Frankenaufwertung ausgemacht. Diese entstehe «auch durch Inländer, die weniger im Ausland investieren als früher», sagte SNB-Präsident Thomas Jordan kürzlich in einer Rede.

Die Bundespensionskasse hat vor kurzem entschieden, einen Teil ihrer Gelder aus der Schweiz hinaus in Gold und Staatsanleihen von Schwellenländern zu verschieben. Vor kurzem hielt schon Helvetia-Chef Stefan Loaker fest, die Nationalbank vertreibe die Anleger ins Ausland.

Swissmem-Chef plädiert für Festhalten an Negativzinsen

Der Präsident von Swissmem (Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie), Hans Hess, stellte demgegenüber im gleichen Interview fest, dass er zwar die schädlichen Folgen der Negativzinsen sehe. Wenn aber die SNB diese abschaffe, werde der Franken noch stärker und die Euro-Franken-Kurs werden dann womöglich unter Parität fallen. «Das kommt nicht infrage», so Hess.

Hess betonte, dass inzwischen ein Drittel der Swissmem-Mitgliederfirmen sich in der Verlustzone befinden. In der Maschinenindustrie seien die Auftragseingänge im ersten Quartal um 17 Prozent gesunken. «Davon dürften etwa 7 bis 8 Prozent auf die tieferen Devisenkurse entfallen, doch auch das Volumen ist deutlich gesunken», sagte Hess.

ofi/sda

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