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Lohnungleichheit hat «dramatisches Ausmass» angenommen

In der Schweiz geht die Lohnschere immer weiter auf. Laut dem Gewerkschaftsbund hat die Ungleichheit der Einkommen dramatisch zugenommen. Die Lösung sieht er in der Mindestlohn-Initiative.

Der Gewerkschaftsbund möchte wieder vermehrt klassische Lohnsysteme und empfiehlt die Mindestlohn-Initiative: Eine Demonstration für die Mindestlohn-Initiative vor dem Bundeshaus in Bern.
Der Gewerkschaftsbund möchte wieder vermehrt klassische Lohnsysteme und empfiehlt die Mindestlohn-Initiative: Eine Demonstration für die Mindestlohn-Initiative vor dem Bundeshaus in Bern.
Keystone

Nach Berechnungen des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) geht die Lohnschere in der Schweiz immer weiter auf. Die hohen Löhne seien in den vergangenen Jahren viel stärker gestiegen als die tiefen und mittleren Einkommen.

Gut eine Woche vor dem Tag der Arbeit am 1. Mai stellte der SGB am Montag in Bern seinen neusten Verteilungsbericht vor. Dieser zeige, in welch «dramatischem Ausmass» die Einkommens- und Vermögensungleichheit zugenommen habe, sagte Paul Rechsteiner, SGB- Präsident und SP-Ständerat aus St. Gallen, vor den Medien.

«Krasses Beispiel» der Unternehmenssteuerreform II

«Bei den hohen Löhnen ist jedes Mass verloren gegangen», sagte Rechsteiner. Schuld an der sich öffnenden Lohnschere sei aber auch die Steuer- und Abgabepolitik. Als «krassestes Beispiel» nannte er die Unternehmenssteuerreform II, welche Aktionäre entlaste, die es gar nicht nötig hätten.

Die Schweiz sollte zum Grundsatz zurückfinden, wonach Steuern entsprechend der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bezahlt werden müssen. So will es die Bundesverfassung, rief Rechsteiner in Erinnerung.

«Kein Naturgesetz»

SGB-Chefökonom Daniel Lampart rechnete vor: Eine vierköpfige Familie mit hohem Einkommen hatte im Jahr 2010 real 15'000 Franken mehr frei verfügbares Einkommen als im Jahr 2000. Eine vierköpfige Familie mit einem tiefem Einkommen hingegen nur 1'300 Franken zusätzlich. Alleinstehende Normalverdiener hatten 2010 sogar weniger Geld zum Leben als zehn Jahre zuvor.

Lampart sagte, es sei «kein Naturgesetz», das die Lohnschere immer weiter aufgehen lasse. Die so genannten Marktkräfte seien auch in der globalisierten Welt sehr wohl beeinflussbar. Deutlich aufgezeigt habe dies etwa die OECD in ihrem Bericht «Divided we stand» im Jahr 2011 - «auch wenn dies nicht allen passt.»

Mindestlohn-Initiative als Lösung

Zwar haben die höher qualifizierten Arbeitnehmer von der Einführung neuer Technologien sowie der Globalisierung profitiert und höhere Löhne verlangen können, wie Lampart sagte. Doch mit entsprechender Politik sei es möglich, den Druck auf die niedrigen Löhne und den Schub für hohe Löhne zu neutralisieren. Auch Investitionen in die Bildung zeigten Wirkung, wie der OECD-Bericht darlegt habe.

Entscheidend für eine gerechte Lohnentwicklung ist gemäss Lampart weiter ein guter Organisationsgrad der Gewerkschaften sowie ein klassisches Lohnsystem mit regelmässigen generellen - und nicht individuellen - Gehaltserhöhungen.

Ein Mittel gegen die sich öffnende Lohnschere sieht der Gewerkschaftsbund auch in seiner Mindestlohn-Initiative, in der JUSO- Initiative «1:12» sowie in der Volksinitiative für eine nationale Erbschaftssteuer. Längerfristig will der SGB für einkommensabhängige Prämien bei den Krankenkassen kämpfen.

Kampfansage

Kämpferisch zeigte sich SGB-Vizepräsidentin Vania Alleva. «Um die falsche Entwicklung zu stoppen, müssen die Gewerkschaften den eingeschlagenen Weg verstärkt verfolgen», sagte sie vor den Medien. Wenn die Gewerkschaften nicht locker liessen, könnten durchaus Verbesserungen bei den Lohnabschlüssen erreicht werden. Das habe sich in der Vergangenheit gezeigt.

Der Verteilungsbericht 2012 ist der zweite Bericht des SGB zur Lohnschere in der Schweiz. In diesen flossen Daten aus den Jahren 2000 bis 2010 ein, so auch die Lohnstrukturerhebung 2010 des Bundesamtes für Statistik. Den ersten Verteilungsbericht hatte der Gewerkschaftsbund vor einem Jahr vorgelegt.

SDA/wid

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