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Hoffen auf einen Eurokurs von 1.30

Den Staatsanleihenkauf durch die EZB sieht der frühere Nationalbank-Direktor Blattner als Durchbruch. Er denkt schon an die Abschaffung der Kursuntergrenze. Nicht alle teilen aber seine Einschätzung.

«Abwarten», sagt der Swatch-Chef, einen «Durchbruch» sieht der ehemalige SNB-Präsident: Nick Hayek (links) und Niklaus Blattner (rechts).
«Abwarten», sagt der Swatch-Chef, einen «Durchbruch» sieht der ehemalige SNB-Präsident: Nick Hayek (links) und Niklaus Blattner (rechts).
Keystone

Der frühere Nationalbank-Direktor Niklaus Blattner sieht die jüngste Intervention der Europäischen Zentralbank (EZB) als Durchbruch in der Eurokrise: «Nach der Ankündigung von EZB-Direktor Mario Draghi kann kein Zweifel mehr bestehen, dass der Euro fortbestehen und Griechenland in der Währungsunion bleiben wird», sagte Blattner der «SonntagsZeitung».

Er rechnet damit, dass sich der Euro-Franken-Kurs in nächster Zeit von der Untergrenze von 1.20 lösen und sich in Richtung Kaufkraftparität bewegen wird, die bei 1.30 Franken liegt. Sollte die EZB ihre Politik wie geplant umsetzen, komme die Zeit für eine Strategieänderung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), so Blattner: «Die Untergrenze sollte nicht länger in Kraft sein als nötig. Schliesslich kann die SNB ihre Geldpolitik erst dann wieder autonom führen, wenn sie auf ein Wechselkursziel verzichtet.»

Swissmem will am Mindestkurs festhalten

Die Exporteure zeigen sich skeptisch. Die SNB müsse die Untergrenze auch dann beibehalten, wenn sich der Franken deutlich abschwächen sollte. «Als Sicherheitsnetz brauchen wir den garantierten Mindestkurs», sagte Hans Hess, Präsident des Industrieverbandes Swissmem, der «SonntagsZeitung». Vorsichtig gab sich Swatch-Chef Nick Hayek: «Wir sollten abwarten, wie das deutsche Bundesverfassungsgericht am kommenden Mittwoch über den Euro-Rettungsschirm entscheiden wird», sagt er. Wenn die Verfassungshüter den mit 700 Milliarden Euro bestückten Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) für illegal erklären, ginge das Chaos von Neuem los. Die fundamentalen Probleme der Eurozone seien nicht gelöst, warnte auch Daniel Kalt, Chefökonom von UBS Schweiz, und fügte hinzu: «Wir halten es für wahrscheinlich, dass Griechenland nächstes Jahr aus der Eurozone ausscheiden wird.»

Ebenfalls gegenüber der Sonntagspresse geäussert hat sich Marc A. Hayek, der Neffe von Swatch-Chef Nick Hayek. Gegenüber dem «Sonntag» bezeichnete er sich als «sehr optimistisch», was die Zukunft der Schweizer Uhrenindustrie anbelange. Trotz schwieriger Wirtschaftslage sei die Swatch Group auf Wachstumskurs. Hayek lobt die Nationalbank für die Durchsetzung des Euro-Mindestkurses von Fr. 1.20, hofft aber auf einen Anstieg des Kurses auf Fr. 1.30. «Als Firma, die in der Schweiz produziert und im Ausland verkauft, hätten wir gern einen höheren Kurs», sagte er zum «Sonntag». Das sei nicht völlig unrealistisch. «Ich erinnere mich, wie es vor der Einführung der Kurs-Untergrenze hiess: Die Nationalbank kann einen Kurs unmöglich durchsetzen, das liegt nicht in ihrer Macht! Nun haben wir die 1.20 seit einem Jahr, und die Grenze hält.» Und weiter: «Ich sehe den Kurs künftig eher höher als tiefer und kann mir auch vorstellen, dass wir in einiger Zeit einen Dollarkurs von Fr. 1.10 und einen Euro-Kurs von Fr. 1.30 sehen werden. Der Dollar hat sich bereits ziemlich aufgewertet.» Weiter sagte Hayek, dass das Wachstum in China rückläufig sei, dass aber immer mehr Chinesen in die Schweiz kämen, um die Uhren hier zu kaufen. Das gleiche sich beinahe aus.

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