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Franzosen räumen ihre Schweizer Konten

Einzelne Schweizer Banken sollen laut «Le Temps» in drei Wochen 40 Prozent ihrer französischen Kunden verloren haben.

Darf auf zahlreiche Zahlungen im Rahmen der Regularisierung von Schwarzgeldern rechnen: Wirtschafts- und Finanzministerium in Paris.
Darf auf zahlreiche Zahlungen im Rahmen der Regularisierung von Schwarzgeldern rechnen: Wirtschafts- und Finanzministerium in Paris.
AFP

Unter den französischen Kunden von Schweizer Banken geht die Angst um. Die Regierung unter François Hollande plant, die Gesetze gegen Steuerhinterziehung zu verschärfen. Auch Schweizer Banken kriegen zunehmend kalte Füsse. Denn neu soll auch der «bandenmässig begangene Steuerbetrug» unter Strafe stehen. Damit geraten zunehmend auch die Finanzdienstleister ins Visier. Betroffen ist vor allem der Bankenplatz Genf, wo die meisten französischen Kunden ihre Konten eröffnet haben. Das Beratungsunternehmen Booz & Co. ging 2010 von rund 80'000 Klienten mit einem Vermögen von insgesamt 83 Milliarden Franken aus.

Das zunehmend unsichere Schweizer Bankgeheimnis führt auch zu einer Abwanderung von Banken. So fiel die Zahl der Institute in ausländischem Besitz zwischen Anfang 2012 und Ende Mai 2013 von 145 auf 129. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg zeigen Daten des Verbands der Auslandsbanken in der Schweiz weiter, dass die von ihren Mitgliedern verwalteten Vermögen von 2007 bis 2012 von 921 auf 871 Milliarden Franken sanken.

Paris schafft Möglichkeit zur Bereinigung

Akut ist zurzeit offenbar der Abfluss an französischen Geldern. Wie zuvor bei US-Kunden stellen die Schweizer Banken die Franzosen nun vor die Wahl, entweder die Bank zu verlassen oder ihr Schwarzgeld bei den Behörden ihres Heimatlandes zu melden, schreibt «Le Temps».

In den letzten Wochen sei zusätzliche Bewegung in die Sache gekommen, weil Frankreich vor der geplanten Gesetzesrevision ein letztes Fenster zur Regularisierung von Schwarzgeldern geöffnet hat. Einzelne Banken sollen in drei Wochen 30 bis 40 Prozent ihrer französischen Kunden verloren haben. Ein von «Le Temps» zitierter Pariser Anwalt rechnet mit 25'000 Fällen, die er und seine Berufskollegen bis Oktober behandeln sollen.

Schwierige Situation bei grossen Vermögen

Ob dann auch alle ihr Schwarzgeld deklarieren, ist eher unwahrscheinlich. Denn die Rechtslage in Frankreich ist zum Teil nicht klar, insbesondere für grosse Vermögen über 5 Millionen Euro. Ein Schweizer Banker unterscheidet grob so: Bis 250'000 Franken hätten die Kunden genügend Zeit, um ihre Konten aufzulösen, ohne sie zu deklarieren. Für grössere Beträge werde es schwieriger, weil die meisten Banken Limiten für den Bargeldbezug eingeführt haben. Dies aus Furcht, man könne sie der Beihilfe zur Steuerhinterziehung beschuldigen, wenn sie den Kunden die schnelle Räumung ihrer Konten erlauben.

Für Leute mit Beträgen zwischen 250'000 und 2 Millionen Franken bestehe jedoch ein grosser Anreiz, ihre Gelder zu deklarieren. Das Fenster, das Frankreich zur Regularisierung geöffnet habe, sei speziell auf diese Kunden ausgerichtet.

Bis zu 70 Prozent Steuern und Strafen

Dennoch weigerten sich einige, besonders ältere Menschen. Sie misstrauten ihrem Staat «wie der Pest», sagt ein Privatbanker gegenüber «Le Temps». Ausserdem wirkt sich die Höhe der erwarteten Strafzahlung stark auf die Bereitschaft zur Regularisierung aus.

Die Zahlung hängt auch davon ab, wie aktiv das betroffene Konto war. Lag das Geld dort jahrelang ohne Zu- und Abflüsse, müsse der Kunde unter Umständen nur 20 Prozent dem Staat abliefern. Bei sehr aktiven Konten könnten jedoch bis zu 70 Prozent fällig werden. «Bis zu 30 Prozent wählen meine Kunden die Bereinigung», sagt ein Steueranwalt. Hilfe von Schweizer Banken können sie dabei nicht erwarten. «Denn das könnte so interpretiert werden, als habe die Bank viel Schwarzgeld beherbergt», erklärt ein Genfer Anwalt gegenüber «Le Temps».

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