Fed füttert US-Wirtschaft mit 600 Milliarden Dollar

Die US-Notenbank dreht im Kampf gegen hohe Arbeitslosigkeit und zähe Wirtschaftserholung den Geldhahn erneut auf. Bis Ende 2011 sollen 600 Milliarden Dollar fliessen.

Der US-Währungshüter: Notenbankpräsident Ben Bernanke.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Der US-Währungshüter: Notenbankpräsident Ben Bernanke.

(Bild: Keystone)

Wie die Federal Reserve am Mittwoch in Washington mitteilte, will sie bis Mitte kommenden Jahres Staatsanleihen im Gegenwert von 600 Milliarden Dollar kaufen. Zusätzlich würden bereits der Fed gehörende, aber auslaufende Papiere ersetzt, so dass sich die neuen Ankäufe auf insgesamt 850 bis 900 Milliarden Dollar summierten.

Ziel der Geldspritze ist es, die Wirtschaft anzukurbeln und so mehr Jobs zu schaffen. Notenbankchef Ben Bernanke begründete den Beschluss des Offenmarktausschusses mit der enttäuschenden Entwicklung am Arbeitsmarkt. Den Leitzins beliess er wie erwartet bei 0 bis 0,25 Prozent und versprach erneut noch lange extrem niedrige Zinsen.

An der Börse kaum Erleichterung

An den New Yorker Aktienbörsen sorgte die Aktion der Fed allerdings nur kurzfristig für Erleichterung. An der Wall Street zogen Dow Jones und Nasdaq kurzzeitig an, gaben ihre Gewinne aber umgehend wieder vollständig ab. Am Devisenmarkt gab der Dollar ebenfalls nur kurzfristig nach und erholte sich anschliessend wieder.

Die Fed hatte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 ihren Zins auf annähernd null Prozent gekappt und Anleihen im Gesamtwert von rund 1,7 Billionen Dollar erworben - davon Staatsanleihen über rund 300 Milliarden Dollar.

Dollarkurs gibt nach

Hintergrund für die neuen Schritte der Fed ist die für US-Verhältnisse hohe Arbeitslosenquote von 9,6 Prozent. Rund 15 Millionen Amerikaner haben keinen Job und das Wachstum der Wirtschaft reicht bislang nicht aus, um diese Misere zu mildern. Am Mittwoch veröffentlichte Daten des privaten Dienstleisters ADP zeigten allerdings eine - wenn auch langsame - Belebung bei Neueinstellungen.

Doch der Fed sitzt nicht nur die hohe Arbeitslosigkeit im Nacken: Parallel ist die Teuerung in den USA derzeit so niedrig wie seit den 60er Jahren nicht mehr. Viele Fachleute fürchten ein Abrutschen in die Deflation, also auf breiter Front fallende Preise. Das hätte volkswirtschaftlich desaströse Folgen.

An den Devisenmärkten gab der Dollar nach. Der Kurs des Euros gegenüber dem Dollar stieg nach der Ankündigung der Fed von 1,4036 am Dienstag auf 1,4101 Dollar. Auch gegenüber dem britischen Pfund verlor der Greenback an Wert.

Tages-Anzeiger

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