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El Niño ist zurück und könnte noch mehr Ernten ausfallen lassen

Das gefürchtete Wetterphänomen dürfte die Landwirtschaft in Südostasien und Australien schwer treffen. Dies weckt Befürchtungen – zumal die UNO sowieso schon vor einer Lebensmittelkrise warnt.

El Niño könnte besonders Südostasien treffen: Dieses Reisfeld in Aceh, Indonesien, wurde von einer Dürre heimgesucht (7. August 2012)
El Niño könnte besonders Südostasien treffen: Dieses Reisfeld in Aceh, Indonesien, wurde von einer Dürre heimgesucht (7. August 2012)
Keystone

Das weltweit oft von Dürren und Ernteausfällen begleitete Wetterphänomen El Niño hat sich laut dem japanischen Wetterdienst zurückgemeldet. Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass diese gefürchtete Erwärmung der Wassertemperatur im tropischen Pazifik bis zum Winter anhalte. El Niño tritt in der Regel alle vier bis zwölf Jahre auf. Vor allem in Asien und Afrika bleibt während dieser besonderen Klima-Konstellation oftmals der Regen aus.

Im Jahr 1998 starben rund 2000 Menschen an den Folgen des Wetterphänomens. Die Schäden durch Ernteausfälle gingen damals in die Milliarden. Vor drei Jahren verzögerte El Niño den Beginn des Monsuns in Indien und trieb dadurch den Zuckerpreis auf den höchsten Stand seit 30 Jahren. Durch die ungewöhnlich starke Erwärmung des Wassers vor der lateinamerikanischen Pazifikküste geraten die dort üblichen Meeresströmungen durcheinander, die wiederum weltweit das Klima beeinflussen. Seinen Namen El Niño – spanisch für das Kind oder das Christuskind – erhielt das Phänomen, weil es oft zur Weihnachtszeit auftritt. Offen bleibt, wie stark das Phänomen diesmal ausfällt und wie lange es anhält. Ein starker El Niño kann zu grossen Dürren in Australien, Teilen Afrikas, in Südostasien und Indien führen. Während verbesserte Ernten von Mais und Soja in Südamerika zu erwarten sind, dürfte die Getreideernte in Australien schwer getroffen werden, ebenso die Kaffee-, Kakao-, Reis- und Zuckerproduktion in Südostasien. Indien droht ab September ein deutlicher Rückgang der Regenmengen.

UNO warnt vor verhängnisvoller Krise

Bereits bevor bekannt wurde, dass El Niño wieder auftritt, hat die UNO angesichts eines weltweiten Anstiegs der Preise für Lebensmittel vor dem Ausbruch einer ähnlich verhängnisvollen Krise wie vor vier Jahren gewarnt. Potenziell könne sich eine Situation wie 2007/2008 entwickeln, sagte der Ökonom Abdolreza Abbassian von der Welternährungsorganisation (FAO) der Nachrichtenagentur Reuters. Damals trug ein Mix aus einer ganzen Reihe von Faktoren wie hohen Ölpreisen, schlechtem Wetter, Exportbeschränkungen zu gewaltsamen Protesten in armen Ländern wie Ägypten, Kamerun und Haiti bei, weil sich die Menschen immer weniger zu Essen leisten konnten.

Seit Juni dieses Jahres sind die Preise für Mais, Sojabohnen und Weizen um 30 bis 50 Prozent gestiegen. Mit ein Grund ist die Dürre in den USA, welche die schlimmste seit einem halben Jahrhundert ist. Laut dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium wird die Maisproduktion in den USA wegen der anhaltenden Dürre voraussichtlich auf den niedrigsten Stand seit 2006 fallen. Nur 23 Prozent der Pflanzen seien noch in gutem oder sehr gutem Zustand. Auch die Ernte von Sojabohnen werde deutlich geringer ausfallen als erwartet. Die USA ist weltweit der grösste Produzent von Mais, Sojabohnen und Weizen. Der amerikanische Landwirtschaftsminister Tom Vilsack sagte der Nachrichtenagentur AP, «Amerikaner sollten keine direkten Anstieg der Nahrungsmittelpreise wegen der Dürre erleben», da die Produktion den Bedarf immer noch decken werde.

Trotzdem fordert der Direktor der Welternährungsorganisation FAO von den USA eine Reduktion der Biosprit-Produktion. Andernfalls könne die Dürre zu stark steigenden Preisen und damit zu Hunger in Teilen der Dritten Welt führen, erklärte José Graziano da Silva in der «Financial Times». In Berlin wies die Agentur für Erneuerbare Energien hingegen darauf hin, dass die weltweite Getreideproduktion stabil bleibe und beim Reis sogar eine Rekordernte zu erwarten sei.

Schadet US-Biosprit dem Markt für Nahrungsmittel?

Hintergrund von da Silvas Forderung ist, dass die US-Raffinerien Milliarden von Litern an Bioethanol brauchen, um die Umweltauflagen für Sprit zu erfüllen. Der US-Kongress hat festgelegt, dass ein immer grösserer Teil des verkauften Sprits aus erneuerbaren Quellen stammen, also Biosprit sein muss. Dem Benzin werden deshalb immer grössere Mengen Ethanol beigemischt, unter anderem aus Mais gewonnen.

«Eine sofortige, zeitweise Aussetzung dieser Verfügung würde dem Markt eine Atempause verschaffen und es erlauben, einen grösseren Teil der Ernte als Lebens- und Futtermittel zu verwenden», erklärte da Silva. Noch sei eine Nahrungsmittel-Krise abzuwenden. Deshalb dürften nicht 40 Prozent der Ernte zu Bioethanol verarbeitet werden.

Je mehr Ethanol im Benzin ist, desto weniger Rohöl wird dafür benötigt. Das schont die vorhandenen Vorkommen und dämpft die Nachfrage nach Rohöl, also auch den Preis. Ob Biosprit, wie anfänglich erhofft, auch zu einer Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstosses beiträgt, ist umstritten.

Ein ungewollter Effekt der Bioethanol-Produktion ist aber, dass dadurch die Lebensmittelpreise steigen können. Zuletzt waren 2007 und 2008 die Preise für Grundnahrungsmittel wie Mais und Weizen stark gestiegen, was in den armen Ländern zu Hunger und sozialen Protesten führte. Die Berliner «Agentur für Erneuerbare Energien» schrieb zu der Diskussion, «Hunger ist aber ein Armuts- und Verteilungsproblem und nicht auf das Wachstum der Bioenergie zurückzuführen.

dapd/sda/mw

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