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Die Romandie, das Wirtschaftswunder

Europas erfolgreichste Wirtschaftsregion ist – die Romandie. In der Westschweiz wächst das BIP seit Jahren schneller als im Rest der Schweiz. Wie lässt sich dieses Wachstum erklären?

Die Entwicklung des BIP seit 2003. Rot die Zahlen der Romandie, schwarz die Zahlen für die Gesamtschweiz. Die Zahlen für 2014 und 2015 sind Schätzungen. (Quelle: Créa)
Die Entwicklung des BIP seit 2003. Rot die Zahlen der Romandie, schwarz die Zahlen für die Gesamtschweiz. Die Zahlen für 2014 und 2015 sind Schätzungen. (Quelle: Créa)

Die «Weltwoche» nannte sie schon die «Griechen der Schweiz», Christoph Blocher warf ihnen vor, ein «schwächeres Bewusstsein für die Schweiz» zu haben: Die Romands. Doch wirtschaftlich geht es der Westschweiz gut, gar besser als der Deutschschweiz. Im vergangenen Jahr steigerte die Romandie ihr Bruttoinlandprodukt (BIP) um 2,1 Prozent, das belegen die Zahlen der welschen Kantonalbanken und des Wirtschaftsforschungsinstituts Créa der Universität Lausanne. 2014 und 2015 soll das Wachstum gar 2,6 und 3,0 Prozent erreichen.

Tatsächlich wächst die Wirtschaft in der Romandie seit Jahren immer etwas schneller als im Rest der Schweiz. Und weil die Schweiz in Europa der Wachstumsstar ist, schwingt die Westschweiz sogar europaweit obenaus.

Den Genfer Regierungsrat Pierre Maudet freut dies. Gegenüber dem «SonntagsBlick» sagt er: «Wir sind die erfolgreichste Region der Schweiz und von Europa. Diese Tatsache sollte alle Klischees von den Welschen, die weniger arbeiten als die Deutschschweizer, endlich aus der Welt schaffen.»

Herzschrittmacher und Kaffeekapseln

Doch wie lässt sich dieser Erfolg erklären? Eine mögliche Antwort findet sich laut «SonntagsBlick» im Immobilienboom. Die Branche wuchs in der Romandie jahrelang stärker als in der Restschweiz. Kaum irgendwo schossen die Preise so in die Höhe wie in Genf.

Eine andere Erklärung sieht die «NZZ». Gemäss der Zeitung lässt sich die höhere Wachstumsrate der französischen Schweiz auf die Entwicklung in neuen Wirtschaftssektoren zurückführen. So etwa bei der Bio- und Medizinaltechnologie, bei Präzisionsinstrumenten und in der Nahrungsmittelverarbeitung. Unter den Präzisionsinstrumenten spielt besonders der Export von Herzschrittmachern eine zentrale Rolle. Bei den verarbeiteten Nahrungsmitteln haben Herstellung und Export von Kaffee und Kaffeekapseln stark zugenommen.

Im vergangenen Jahr wuchsen aber auch der Bausektor sowie der Bereich Unternehmens- und Finanzdienstleistungen stark.

Vom Uhrenboom beflügelt

Im Bereich Export spielt nach wie vor die Pharma- und Chemiebranche eine entscheidende Rolle. Zwar sind die Westschweizer Unternehmen in diesem Feld der Basler Konkurrenz unterlegen. Doch können sie ihre Wertschöpfung deutlich schneller erhöhen, so der «SonntagsBlick».

Ebenfalls treibende Exportkraft ist die Uhrenindustrie. Das Gros der im Ausland begehrten Schweizer Uhren wird in Westschweizer Kantonen hergestellt. Der Kanton Neuenburg wurde vom Uhrenboom der letzten Jahre richtiggehend beflügelt. Dort arbeiten gut 30 Prozent der Beschäftigten in der Uhrenindustrie.

Problemkinder und Sorgen

Dennoch: Auch in der Romandie gibt es Problemkinder. Die Maschinenindustrie kämpft noch immer gegen den Rückgang der Exporte. Hohe Herstellungskosten und der starke Franken belasten die Branche. Doch hofft man am Wirtschaftsforschungsinstitut Créa, dass sich der Bereich in diesem Jahr wieder etwas auffangen kann.

Sorgen bereitet aber auch der ausländische Druck auf die Unternehmenssteuern. Die Westschweizer Kantone konnten dank Spezialdeals zahlreiche internationale Unternehmen anlocken. Fallen die Steuerprivilegien weg, würde beispielsweise Genf eines grossen Trumpfes beraubt werden, so der CS-Ökonom Thomas Rühl gegenüber dem «SonntagsBlick».

Last but not least macht man sich auch in der Romandie Sorgen über die Umsetzung der SVP-Masseneinwanderungsinitiative. «Wir sind sehr beunruhigt», so Regierungsrat Maudet gegenüber der Zeitung. Sollte die SVP starre Kontingente durchsetzen, träfe es die Westschweiz hart. Vor allem Genf ist auf Zuwanderer angewiesen.

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