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Die Jagd auf reiche Russen

Auf Zypern geben sich derzeit die Bankagenten die Klinke in die Hand. Klar: Viele reiche Ausländer dürften ihre Konten plündern und die Insel in Richtung eines sicheren Hafens verlassen. Auch in die Schweiz?

Sind sie schon bald weg von der Insel? Zwei russische Geschäftsleute in einem Strandrestaurant in Limassol. (20. Februar 2013)
Sind sie schon bald weg von der Insel? Zwei russische Geschäftsleute in einem Strandrestaurant in Limassol. (20. Februar 2013)
Reuters

Emsiges Treiben hat in diesen Tagen in Zypern eingesetzt, und zwar von der Gilde der Bankagenten und Steuerberater. So beschreibt «Financial Times»-Autorin Courtney Weaver das Geschehen in der zypriotischen Küstenstadt Limassol. Nach den Reichen aus Russland, die Anfang letzter Woche mit ihrer geschäftlichen Entourage eiligst nach Zypern einflogen, sind es nun die Bankleute aus ganz Europa, welche sich im Ferienparadies auf die Suche nach neuer Kundschaft gemacht haben.

Dabei würden zypriotische Anwälte, welche reiche Russen betreuen, von Bankagenten geradezu bestürmt. Angebote würden von deutschen, schweizerischen und sogar von lettischen Instituten unterbreitet. Neue Konten könnten innert Stunden eröffnet werden, so offenbar eines der Angebote.

«Die Schweiz und ihr Finanzplatz werden profitieren»

Allgemein wird damit gerechnet, dass die Ausländer nun in Scharen der Insel den Rücken kehren werden. Allein aus Russland sollen umgerechnet rund 31 Milliarden Dollar auf zypriotischen Bankkonten lagern. Gelder aus anderen Ländern kommen noch hinzu. Bei Einlagen über 100'000 Euro gehen 30 Prozent verloren, wie heute bekannt gegeben wurde. Den Rest dürften viele Bankkunden möglichst rasch – mit den angekündigten Kapitalverkehrskontrollen wird das zwar schwierig – abziehen. Wer weiss, ob nicht noch weitere Verluste drohen.

Stellt sich die Frage: Wohin mit dem Geld? «Die Schweiz und ihr Finanzplatz werden sicher davon profitieren, dass Zypern nach diesem Schock für internationale Firmen und Anleger an Bedeutung zu verlieren droht», sagt der Zürcher Steuerexperte Richard Würmli im Gespräch mit Redaktion Tamedia. Er kennt die Situation in Zypern und berät auch Kunden aus Russland. Ein anderer Kenner der Materie sagt: «Jetzt muss man einfach nur still sein. Das, was in Zypern passiert, ist schon Werbung genug für den Schweizer Finanzplatz.»

Schwarzgeld oder Weissgeld?

Zypern lockte internationale Kundschaft mit tiefen Steuern, die Banken versprachen hohe Renditen. Das Risiko spielte mit, und wie sich jetzt zeigt, zahlte es sich nicht aus. «Bei meinen Beraterkollegen in Zypern herrscht derzeit grosse Unsicherheit. Sie müssen sich jetzt zuerst fassen. Sie wissen nicht, wie es weitergeht. Man fragt sich: Wird das Steuersystem verändert? Wenn ja, wird das Geschäft schwierig.»

Wenn sich aber derzeit die Bankagenten auf Zypern bei den Anwälten reicher Ausländer die Klinke in die Hand geben, wird sich auch immer die Frage nach der Farbe der Gelder stellen. Ist das Geld schwarz oder weiss? Versteuert oder am Fiskus vorbeigeschleust? Besonders für Schweizer Banken ist diese Frage zentral, hat man sich doch schon längst auf eine Weissgeldstrategie geeinigt.

Schwarzgeld geht nicht mehr in die Schweiz

«In der Schweiz wird darauf geschaut, dass die Gelder, die in den hiesigen Finanzplatz fliessen, sauber sind», sagt der Sprecher des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF), Mario Tuor, gegenüber Redaktion Tamedia. Aber dafür habe es jetzt nicht noch den Fall Zypern gebraucht, so Tuor. «Wir sind auf eine Weissgeldstrategie geeicht und wollen kein Schwarzgeld», erklärte Janwillem Acket, Chefökonom von Julius Bär, der Nachrichtenagentur SDA.

Steuerexperte Würmli glaubt nicht, dass in Zypern vor allem Schwarzgeld lagert: «Für viele Firmen und Privatpersonen ist Zypern aus Steuergründen ein interessanter Ort. Da geht es weniger um Schwarzgeld.» Darum glaubt er auch, dass die Schweiz und ihr Finanzplatz von den Wirren auf der Mittelmeerinsel profitieren könnten.

Noch keine Anzeichen

Ob überhaupt Gelder in die Schweiz verschoben werden, zeigt sich erst in ein paar Monaten. Dann, wenn die Schweizerische Nationalbank entsprechende Statistiken veröffentlicht. Nüchtern heisst es dazu beim SIF: «Bis jetzt haben wir von der Branche keine Anzeichen, dass vermehrt Geld aus den europäischen Krisenstaaten in die Schweiz fliesst», erklärt Tuor.

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