Deutsche Wirtschaft wächst wieder – «Aber keine Entwarnung»

Bauboom und Konsum haben der grössten Volkswirtschaft Europas zu einem guten Jahresstart verholfen. Doch die internationalen Handelskonflikte bereiten Sorgen.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China könnten die deutschen Exporte wieder spürbar belasten: Der Hamburger Hafen. (Keystone Archiv)

Der Handelsstreit zwischen den USA und China könnten die deutschen Exporte wieder spürbar belasten: Der Hamburger Hafen. (Keystone Archiv)

Die deutsche Wirtschaft hat nach der Beinahe-Rezession 2018 dank Baumboom und kauffreudiger Verbraucher auf den Wachstumspfad zurückgefunden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Januar bis März um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mitteilte.

22 von Reuters befragte Banken-Ökonomen hatten mit dieser Rate gerechnet. In der zweiten Jahreshälfte 2018 war der Aufschwung zum Stillstand gekommen: Im dritten Quartal schrumpfte Europas grösste Volkswirtschaft um 0,2 Prozent. Es folgte eine Stagnation im Schlussvierteljahr.

«Erster Lichtblick»

«Das Wachstum im ersten Quartal diesen Jahres ist ein erster Lichtblick», erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf Reuters-Anfrage. «Gleichwohl ist es kein Grund zur Entwarnung.» Die internationalen Handelskonflikte seien schliesslich ungelöst. «Wir müssen weiter alles daran setzen, dass wir schnell tragbare Lösungen finden, die freien Handel ermöglichen», betonte Altmaier. «Davon profitieren alle.»

Positive Impulse kamen zu Jahresbeginn vor allem aus dem Inland. «In Bauten und in Ausrüstungen wurde deutlich mehr investiert», betonten die Statistiker. «Auch die privaten Konsumausgaben legten gegenüber dem Vorquartal kräftig zu.» Die Konsumausgaben des Staates schrumpften hingegen. «Gemischte Signale kamen von der aussenwirtschaftlichen Entwicklung, da sowohl die Exporte als auch die Importe im Vergleich zum Vorquartal zulegten», hiess es.

«Vielversprechender Start»

«Die deutsche Wirtschaft hat einen vielversprechenden Start ins Jahr 2019 hingelegt», sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. «Für eine Entwarnung ist es allerdings noch zu früh.» Der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie mögliche Autozölle könnten die deutschen Exporte wieder spürbar belasten. «Man könnte von einem gelungenen Start sprechen, wenn da nicht die wieder aufflammenden Sorgen über einen eskalierenden Handelskrieg wären», sagte auch DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle.

Trotz des robusten Auftaktes droht ein schwaches Jahr 2019: Bundesregierung und EU-Kommission rechnen jeweils nur mit einem BIP-Anstieg von 0,5 Prozent, nachdem es 2018 noch zu 1,4 Prozent gereicht hatte.

sep/sda

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