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Frankenschock wird zum Detailhändler-Schock

So stark litt der Schweizer Detailhandel seit 35 Jahren nicht mehr: Es droht ein Milliardenloch in der Kasse.

Im Februar erreichte der Einkaufstourismus ennet der Grenze einen Höhepunkt: Menschen an der Kasse im deutschen Einkaufszentrum Lago in Konstanz. (17. Januar 2015)
Im Februar erreichte der Einkaufstourismus ennet der Grenze einen Höhepunkt: Menschen an der Kasse im deutschen Einkaufszentrum Lago in Konstanz. (17. Januar 2015)
Ennio Leanza, Keystone

Dem Schweizer Detailhandel droht wegen der Frankenstärke die stärkste Umsatzeinbusse der letzten 35 Jahre. Das Forschungsbüro BAK Basel rechnet für 2015 mit einem nominalen Umsatzrückgang von 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das sind 2 Milliarden Franken weniger in den Kassen der Detailhändler.

Aktuelle Daten zum Detailhandel des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigten erste Auswirkungen des Aufwertungsschocks, heisst es in einer Mitteilung von BAK Basel. Zwischen Januar und Mai habe sich der bereits sechs Jahre anhaltende Preiszerfall beschleunigt. Gleichzeitig sanken wegen sinkender Nachfrage die realen Umsätze. Damit lagen die nominalen Umsätze des Detailhandels deutlich unter Vorjahresniveau.

Boomender Einkaufstourismus

Eindrücklich sei insbesondere der kräftige Nachfragerückgang im Monat Februar, der auf einen temporären Höhepunkt im Einkaufstourismus zurückzuführen sein dürfte, schreibt BAK Basel. Die Frankenstärke wirke sich über verschiedene Kanäle auf die Umsatzentwicklung im Schweizer Detailhandel aus, teilte BAK Basel mit. Das Umsatzwachstum werde geschwächt durch zunehmende Ausgaben der Schweizer Konsumenten im Ausland und fehlende Touristen im Inland sowie die konjunkturelle Abkühlung.

Diese Einbussen bei der Nachfrage veranlassten die Detailhändler die Preise zu senken, was das wertmässige Umsatzniveau zusätzlich reduziere. Laut BAK Basel dürfte sich der Preiszerfall im zweiten Halbjahr noch einmal verstärken. Der Abbau von Lagerbeständen, die noch zu alten Wechselkursen eingekauft wurden, sowie die Aushandlung von neuen Lieferverträgen beanspruchen demnach Zeit. Deshalb rechnet BAK Basel damit, dass die volle Tragweite der Preissenkungen erst in den kommenden Monaten ersichtlich sein wird.

Gleichzeitig dürfte sich der Nachfragerückgang in Zusammenhang mit dem Einkaufstourismus auf einem etwas moderateren Niveau als zu Spitzenzeiten nach Aufhebung des Mindestkurses stabilisieren, heisst es. Es sei damit zu rechnen, dass ein grosser Teil der Haushalte bereits in den ersten Monaten des Jahres die Vorräte aufgestockt und Konsuminvestitionen getätigt habe.

Zudem könnte laut BAK Basel die hohe Auslastung der Infrastruktur in den Einkaufsdestinationen im nahegelegenen Ausland einige Konsumenten davon abhalten, regelmässig über die Grenzen zu fahren. BAK Basel geht für das laufende Jahr von einem Preisabschlag von 1,8 Prozent bei einem durchschnittlichen Eurokurs von 1,06 Franken aus. Zusammen mit der Abnahme der realen Umsätze um 0,3 Prozent resultiere ein prognostiziertes Umsatzminus von 2,1 Prozent.

SDA/thu

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